Bundesbern

Parlamentarier greifen zu Beleidigungen und Beschimpfungen – bürgerliche Tugenden gehen vergessen

Unternehmerin und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran.

Unternehmerin und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran.

Die Besetzung des Bundesplatzes durch Klimaaktivisten liess bei einigen Politikern die Sicherungen durch brennen. Das schadet nicht nur dem Ansehen und der Würde des Parlaments, schreibt Christoph Bernet.

Haben Sie schon einmal eine Ihnen unbekannte Person von Angesicht zu Angesicht als «Arschloch» bezeichnet? Dank Anstand und guter Erziehung wohl eher nicht.

Ausgerechnet im Parlament fehlt einigen dieser Anstand. SVP-Nationalrat Roland Büchel beschimpfte die Klimaaktivisten auf dem Bundesplatz mit dem A-Wort. Sein Parteikollege Andreas Glarner beleidigte eine Ratskollegin. Und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran schimpfte im Radio mit nicht jugendfreien Worten über die Medien und Andreas Glarner.

Dass die rot-grün regierte Stadt Bern das nicht bewilligte Klimacamp zwei Tage lang tolerierte, mag aus bürgerlicher Sicht falsch und ärgerlich sein. Doch darum geht es nicht. Wer sich bürgerlich nennt, sollte bürgerliche Tugenden wie Anstand und Erziehung hochhalten – auch in hitzigen Situa­tionen. Bei Teilen der SVP allerdings gehört das Überschreiten der Grenzen des Anstands zur Normalität.

Solche Ausfälligkeiten beschädigen nicht nur Ansehen und Würde des Parlaments, sondern die Demokratie an sich. Das politische Klima ist auch bei uns hitziger geworden. Diskussionen enden schnell in Gehässigkeiten. Wo es hinführt, wenn der Respekt für politisch Andersdenkende verloren geht, zeigt ein Blick in Donald Trumps USA. Wir Medien müssen uns überlegen, wie wir mit politischem Personal mit mangelndem Anstand umgehen. Thematisieren oder ignorieren? Einfache Antworten gibt es nicht.

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