Parkkonzept
Parkplatz für 1650 Franken: Aarau bittet Pendler zur Kasse

Ab dem 1. Juni gilt in Aarau ein neues Parkraumkonzept. Überstellte Quartierstrassen sollen dann der Vergangenheit angehören, Gratisparkplätze auch. Eine Jahreskarte für Fremdparkierer kostet dann happige 1650 Franken.

Merken
Drucken
Teilen
Parkieren kostet hier bis 1650 Franken

Parkieren kostet hier bis 1650 Franken

Hermann Rauber

Beschlossen worden ist das neue Parkierungsreglement vom Aarauer Einwohnerrat bereits Anfang Mai 2007. Die Umsetzung wurde aber durch eine Beschwerde beim Bundesgericht bis heute blockiert. Nun hat «Lausanne» einen Antrag, dem Vollzug aufschiebende Wirkung zuzubilligen, formell abgelehnt. Das heisst, dass die Bestimmungen sofort in Kraft gesetzt werden könnten. Allerdings ist der Stadtrat der Ansicht, dass zuerst der definitive Entscheid des Bundesgerichtes vorliegen sollte.

Wohnquartiere befreien

Beim neuen Parkraumkonzept geht es in erster Linie darum, die Quartiere vor Fremdparkierung zu schützen. Mittel zum Zweck ist die Einführung einer Gebührenpflicht für Dauerparkierer auf dem gesamten Aarauer Stadtgebiet. Betroffen sind vor allem Berufspendler, Anwohner hingegen werden «privilegiert». Laut Verkehrsministerin Jolanda Urech will man mit diesen Massnahmen «konkret die Wohnquartiere von Fremdparkierern und vom lästigen Suchverkehr befreien». Stadt- und Einwohnerrat haben beschlossen, das hehre Ziel durch eine flächendeckende Gebührenpflicht für Dauerparkierer zu erreichen, natürlich nur auf öffentlichem Grund. Wer sein Auto hier von Montag bis Samstag tagsüber länger als drei Stunden abstellt, muss zahlen. Für Pendler (etwa im Umfeld des Kantonsspitals) kann dies mit einer Jahreskarte für 1650 Franken ins Geld gehen. Anwohner sind andern Nutzern gegenüber privilegiert, sie können für einen (nicht reservierten) Parkplatz auf der Strasse eine Karte für 300 Franken pro Jahr lösen. Für Besucher, die länger als drei Stunden bleiben, ist ein Betrag von 5 Franken pro Tag fällig.

Mit dem Bundesgerichtsentscheid vor Augen bereitet eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Stadträtin Jolanda Urech die Vollzugsbestimmungen und ein Kommunikationskonzept zuhanden des Stadtrates vor. «Der Teufel steckt im Detail», weiss die Aarauer Verkehrsministerin zu berichten. So geht es um die Gestaltung der Parkkarten, die Verkaufsstellen, aber auch um die Signalisation und nicht zuletzt um die Kontrollen durch die Stadtpolizei. «Wichtig ist für uns eine umfassende Information der Bevölkerung», erklärt Urech. Geplant sind mindestens drei Orientierungen in Aarauer Quartieren, namentlich im
Zelgli/Gönhard, in der Telli und im Schachen/Scheibenschachen. Nicht einbezogen in das Parkraumkonzept ist der neue Stadtteil Rohr. Aarau betritt in dieser Sache kein Neuland, Olten, Sursee und andere Städte kennen solche Regelungen bereits. Trotzdem will Jolanda Urech «in einer ersten Phase Erfahrungen sammeln» und allenfalls partiell Korrekturen ins Auge fassen.

Spätestens am 1. Juni

Gespannt ist man auch, ob das künftige Parkraumkonzept wie an anderen Orten eine «lenkende Wirkung» auf Pendler hat, die allenfalls zum Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr führen. Nach der sehnlichst erwarteten Publikation des Bundesgerichtsentscheids will man rasch Nägel mit Köpfen machen. Urech rechnet damit, dass das Reglement «frühestens am 1. April, spätestens am 1. Juni» in Kraft gesetzt werden kann.