Parkhaus als Dreh- und Angelpunkt
Parkhaus als Dreh- und Angelpunkt

Mit einem öffentlichen Spaziergang durchs Dorfzentrum warb die Ortsplanung der Gemeinde Riehen für die Ideen des Entwicklungsrichtplans Dorfkern, der sich bis Mitte April in Vernehmlassung befindet.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Die Dorfkernplanung ist in Riehen nach wie vor umstritten. Vor kurzem hat der Gemeinderat den Entwurf zum Entwicklungsrichtplan Dorf vorgestellt. Kurz darauf hat der Einwohnerrat zwei Baurechtsverträge genehmigt, die den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses und vor allem eine damit verbundene Tiefgarage unter der Wettsteinanlage ermöglichen sollen.

Doch gerade die Garage, die Dreh- und Angelpunkt der gemeinderätlichen Dorfkernaufwertung ist, hat Kritik ausgelöst. Es ist davon auszugehen, dass das von der SVP angeregte Referendum gegen das Wohn- und Geschäftshaus und die öffentliche Tiefgarage mit 117 Plätzen zustandekommen wird.

Derzeit liegt der Entwicklungsrichtplan Dorfzentrum öffentlich auf und bis zum 17. April läuft die Vernehmlassung dazu. Um die Überlegungen der Riehener Dorfplaner der interessierten Öffentlichkeit näherzubringen und eventuelle Unklarheiten und Missverständnisse vor Ort klären zu können, lud die Gemeinde am Samstagmorgen zum «Planungsrundgang».

Nur ein Baum wird geopfert

Die Behauptung, der Spielplatz auf der Wettsteinanlage sei wegen der geplanten Tiefgarage gefährdet und fast alle Bäume müssten geopfert werden, sei falsch, erläuterte Ivo Berweger, Abteilungsleiter Hochbau und Planung der Gemeinde Riehen. Ein grosser schöner Baum müsse geopfert werden, räumte er ein, die ebenfalls zu fällenden Föhren hingegen seien alle krank und müssten sowieso ersetzt werden.

Käme die Tiefgarage zustande, könnte aus dem heutigen Parkplatz hinter dem Gemeindehaus ein Platz geschaffen werden, auf dem Veranstaltungen stattfinden könnten und der durch einen neu gestalteten Saalbau des Landgasthofes zusätzlich an Attraktivität gewänne. Ob der Saal in seiner heutigen Form erhalten bliebe oder durch einen Neubau ersetzt würde, stehe allerdings noch nicht fest, sagte Berweger. Eine neue Tiefgarage würde es vor allem aber erlauben, die Schmiedgasse vom privaten Individualverkehr zu befreien und eine grössere Fussgängerzone zu schaffen.

In drei Gruppen führten Ivo Berweger, der für Planungsfragen zuständige Gemeinderat Matthias Schmutz und die Ortsplanerin Gabriela Puls die Gäste zu den neuralgischen Punkten der Dorfkernplanung. Am Rand des Sarasinparks zeigte Berweger, wie der südliche Abschluss des Parks dereinst aussehen könnte. Erst vor einigen Jahren sei der grösste Teil des Sarasinparks aus der Bauzone genommen worden.

Der Südrand allerdings sei noch in der Zone 3, doch sei die Gemeinde, die dort selber Grundeigentümerin ist, zum Schluss gekommen, dass ein Teil des Geländes zum Park zugeschlagen und dass dann der Park mit einer Mauer abgeschlossen werden solle. Der Parkmauer entlang soll ein neuer Weg die Rössligasse bei der Einmündung der Wendelinsgasse mit der Baselstrasse verbinden. An diesem neuen Verbindungsweg könnten bis zu sieben einzelne Häuser entstehen, erläuterte Berweger.

«Das sind alles schöne Worte, aber es wird nur Wohnhäuser für gute Steuerzahler geben, und die werden sich dann als neue Anwohner gegen den Spielplatz, das Eisfeld, das Sommernachtsfest oder Konzerte wehren. Der Park lebt heute von seiner Offenheit und soll ganz grün bleiben», schimpfte die in der Nachbarschaft aufgewachsene Esther Masero. Er sehe das nicht so, entgegnete Berweger. Es gebe Leute, die zentrumsnahe Wohnlagen mit kurzen Wegen zu den Geschäften und zum öffentlichem Verkehr suchen und dafür gewisse Störungen in Kauf nehmen würden.

Grosse Entwicklungschancen sieht Abteilungsleiter Ivo Berweger bei der S-Bahn-Haltestelle im Dorf. Mit dem geplanten Wohn- und Geschäftshaus anstelle des Weissenbergerhauses und einer weiteren Überbauung auf dem heutigen Parkplatz bei der Landi könnte an der Bahnhofstrasse ein neues Zentrum entstehen.