Türkei

Papst-Attentäter Ali Agca aus türkischem Gefängnis entlassen

Ali Agca will seine Geschichte gegen ein hohes Honorar niederschreiben

Ali Agca will seine Geschichte gegen ein hohes Honorar niederschreiben

Nach fast drei Jahrzehnten in Haft ist der Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca wieder frei. Agca, der den inzwischen verstorbenen Papst Johannes Paul II. im Mai 1981 in Rom angegriffen und schwer verletzt hatte, wurde aus einem Gefängnis nahe der türkischen Hauptstadt Ankara entlassen.

Agca sei vom Gefängnis direkt zu einer Musterung für den Militärdienst in Ankara gebracht worden, dort aber für nicht tauglich befunden worden, sagte der Anwalt des inzwischen 52-jährigen. Danach begab er sich in ein Luxushotel in Ankara.

Agca hatte zunächst in Italien in Haft gesessen. Im Jahr 2000 wurde er begnadigt, nicht zuletzt auf Betreiben des Papstes. Darauf sass Agca in der Türkei eine weitere Haftstrafe ab, zu der er wegen des 1979 verübten Mordes am türkischen Journalisten Abdi Ipekci verurteilt worden war.

Als er die Gewalttaten verübte, gehörte Agca zur rechtsradikalen Gruppierung der "Grauen Wölfe". Warum Agca während einer Audienz auf dem Peterplatz in Rom auf den Papst feuerte und ihn an Hand, Arm und Unterleib schwer verletzte, bleibt jedoch weiterhin unklar. Als mögliche Drahtzieher gelten osteuropäische Geheimdienste, da der polnischstämmige Johannes Paul II. ein Gegner des sowjetischen Kommunismus war.

Agca hat angekündigt, dass er sich in den kommenden Wochen zu dem Attentat äussern will. Er plant, seine Geschichte gegen ein Millionenhonorar an einen Verlag zu verkaufen. Agca will auch das Grab des 2005 verstorbenen Johannes Paul II. in Rom besuchen und seinen Nachfolger Benedikt XVI. treffen.

Nach seiner Freilassung nährte Agca zunächst Zweifel an seiner geistigen Gesundheit: Er liess über seine Anwälte eine Erklärung verteilen, in der er das nahe Ende der Welt ankündigte und sich selber zum Messias erklärte. Militärärzte hatten Agca im Jahr 2006 eine "schwere antisoziale Persönlichkeitsstörung" bescheinigt.

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