Pandemie
84 Prozent der zertifizierten Intensivbetten sind belegt: Spitäler müssen Reserven anzapfen

Mehrere Kantone betreiben auf den Intensivstationen wieder nicht zertifizierte Betten. Der Spielraum in den Spitälern ist aber begrenzt.

Dominic Wirth
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Die Situation angespannt, die Auslastung hoch: die Schweizer Intensivstationen.

Die Situation angespannt, die Auslastung hoch: die Schweizer Intensivstationen.

Es ist die Frage, die gerade über allen anderen steht: Wie ist die Situation auf den Schweizer Intensivstationen? In Bern gab darüber jener Mann Auskunft, der es wissen muss, weil bei ihm die Fäden in dieser Sache zusammenlaufen: Andreas Stettbacher, der Delegierte des Bundesrats für den Koordinierten Sanitätsdienst. Dieser hat die Aufgabe, den Überblick über die Situation auf den 79 Intensivstationen in der Schweiz zu behalten.

Dass das keine einfache Aufgabe ist, illustrierte der Zahlenberg, den Stettbacher an die Corona-Medienkonferenz des Bundes mitbrachte. Zuweilen wichen die Angaben von Stettbacher ab von jenen, die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf seiner Website publiziert hat. Zum Beispiel bei der zentralen Frage, wie stark denn die Schweizer Intensivstationen derzeit ausgelastet sind.

Während die Auslastung laut BAG 76 Prozent beträgt, sprach Stettbacher von 84 Prozent – ein bemerkenswerter Unterschied. Der Vertreter des Koordinierten Sanitätsdiensts lieferte zwei Erklärungen dafür: Einerseits, dass sich die Zahlen auf einen unterschiedlichen Zeitpunkt beziehen. Und andererseits, dass seine Rechnung nur die zertifizierten Betten berücksichtigt.

Warum es schwieriger ist, mehr Plätze zu schaffen

Damit ist bereits gesagt, dass in den Schweizer Spitälern wieder nicht zertifizierte Intensivbetten betrieben werden. Bei ihnen müssen die Spitäler Abstriche machen bei den Behandlungsstandards. Laut Stettbacher sind solche nicht zertifizierte Betten in Bern, Genf, Thurgau und Zürich im Einsatz.

Schweizweit stehen aktuell 863 Intensivbetten bereit. Das sind viel weniger als während früherer Pandemiewellen. In der ersten Welle wies der Bund phasenweise rund 1500 Intensivbetten aus, in der zweiten waren es immer noch über 1100. Laut Stettbacher ist ein solcher Aufwuchs allerdings nicht mehr möglich, weil das Gesundheitssystem wieder «völlig normal» laufen müsse und viel mehr Patienten betreut werden als etwa in der ersten Welle. Damals wurden tausende Operationen verschoben, um Platz für Corona-Patienten bereitzustellen.

Der aktuelle Stand der Intensivbetten entspreche dem, was zur Verfügung stehe, sagte Stettbacher. Weitere Ressourcen könnten nicht herausgelöst werden, wenn nicht auch das restliche öffentliche Leben ruhe.

Aktuell liegen 287 Covid-Patienten auf den Intensivstationen, wobei ihre Zahl sich zuletzt stabilisiert hat. Während der ersten und zweiten Welle waren es phasenweise über 500. In der zweiten Welle sei die Situation schwieriger gewesen, sagte Stettbacher, doch sie sei auch aktuell angespannt, die Auslastung hoch. «Und es geht auch darum, die Belastung der Intensivstationen möglichst tief zu halten», sagte er.

8 Patienten warten auf dringende Repatriierung

Und dann sind da noch die 80 schwer erkrankten Corona-Patienten, die im Ausland auf eine Repatriierung in die Schweiz warten. Zehn Prozent von ihnen müssen dringend – innert Wochenfrist – in die Schweiz zurückgeführt werden.

Die Frage ist, wo diese Patienten betreut werden sollen. Hier haben sich Bund und Kantone auf einen Mechanismus geeinigt, der eine gerechte Verteilung der Patienten sicherstellen soll. Dafür soll eine nationale Koordinationsstelle sorgen. Sie bearbeitet künftig die Verlegungsanträge, die in der Regel von den Versicherern gestellt werden. Die Koordinationsstelle prüft nach Kriterien wie der medizinische Dringlichkeit und dem Wohnsitzkanton die Repatriierung des Patienten. Wenn nötig, sucht sich in der ganzen Schweiz nach einem geeigneten Platz.

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