Im Laufe der untersuchten Jahre ist die Einnahme von Opioiden in der Schweiz von 18 auf 421 Milligramm pro Einwohner gestiegen, wie aus einem Bericht der jüngsten Auflage der Fachzeitschrift "Revue Médicale Suisse" vom Mittwoch hervorgeht.

Im Jahr 2009 erreichte der Pro-Kopf-Konsum laut dem Bericht sogar ein Spitzenwert von 504 Milligramm pro Einwohner. Das zeigen die Zahlen der Internationalen Suchtstoffkontrollbehörde (INCB).

Opioide werden vor allem zur Schmerzbekämpfung und Betäubung eingesetzt. Sie können aber abhängig machen und bei Überdosierungen lebensgefährliche Nebenwirkungen wie Atemlähmung auslösen.

Verschiedene Ursachen

Die Autoren untersuchten in ihrer Studie sechs synthetische psychotrope Substanzen, die ungefähr 81 Prozent des gesamten Opioid-Konsums in der Schweiz im Jahr 2015 repräsentierten. Dazu zählen Fentanyl, Hydromorphon, Morphium, Methadon, Oxycodon und Pethidin.

Dabei sei es unmöglich zu bestimmen, welchen Anteil am gestiegenen Opioid-Konsum der Schmerzlinderung zuzuschreiben ist und welchen Teil der missbräuchlichen Einnahme. Die Autoren empfehlen daher, vorsichtig zu sein bei der Verschreibung von Opioiden gegen chronische Schmerzen, die nicht in Zusammenhang mit einer Krebserkrankung stehen.

Höchstwerte in den USA und Kanada

Am höchsten ist der Pro-Kopf-Konsum von Opioiden in den USA und Kanada. "In Nordamerika wird die breite Verschreibung von Opioiden zur Bekämpfung von chronischen Schmerzen bereits seit mehreren Jahren als grosses Problem betrachtet", erklären die Wissenschaftler. In den USA beispielsweise wird die Zahl der Abhängigen für das Jahr 2013 auf rund 1,9 Millionen Personen geschätzt.

Die Schweiz reiht sich gemäss den Zahlen von INCB weltweit auf Rang 7 ein. Im Vergleich zum europäischen Durchschnitt liegt der Schweizer Opioid-Konsum 1,4-mal höher. Gegenüber den Nachbarländern bewegt sich die Schweiz etwa auf gleichem Niveau: In Deutschland und Österreich liegt die Pro-Kopf-Einnahme von Opioiden marginal höher, während in Frankreich und Italien etwas weniger Opioid-basierte Medikamente konsumiert werden.