Kindsmissbrauch
Opfer von Jürg Jegge: «Es gibt keine Entschuldigung»

Jürg Jegge galt als Musterpädagoge. Im April wurden erste Missbrauchsvorwürfe gegen ihn laut – in der Sendung TalkTäglich schildert nun ein weiteres Opfer, wie Jegge sich an ihr vergangen habe.

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Jürg Jegge

Jürg Jegge

Landbote Enzo Loapardo

Heute stehe sie mit beiden Beinen auf festem Boden, was ihr die Möglichkeit gäbe, für all diejenigen zu sprechen, die es selbst nicht könnten, erzählt Jegges ehemalige Schülerin Joana A. im TalkTäglich. Im Klassenlager sei sie von ihrem damaligen Lehrer geküsst worden. Selbst als 12-Jährige habe sie in diesem Moment gespürt, dass eine Grenze überschritten worden sei. Jegge bestreitet die Beziehung nicht, aber jede strafbare mutmassliche Handlung.

Auf die Frage, wie der Lehrer sie behandelt habe, antwortet Joana: „Er hat mich als Auserwählte behandelt. Er sagte mir, wie begabt ich bin.“ Jegge habe ihr versprochen, ihre Probleme im Fach Mathematik würden sich sicherlich lösen, wenn sich nur jemand Zeit für sie nehme, sie sei ja so intelligent.

Als Joana 14 war, forderte der Lehrer von ihr, dass sie ihre Jungfräulichkeit verlieren müsse – nicht durch ihn, sondern mit einem Jugendlichen. „Er sagte mir, er könne das nicht für mich machen. Er würde zwar gerne, aber er könne nicht, weil ich noch nicht 16 sei.“ Es sei ihm darum gegangen, dass sie möglichst „auf gleiche Augenhöhe komme“.

Unvorstellbares trug sich auch innerhalb der Familie zu. Die Tochter, ja selbst die Ehefrau hätten von der Beziehung gewusst, aber nicht reagiert. „Ich denke, seine Frau gehörte voll zu seinem System dieser perfiden Macht“, erzählt Joana.

„Gehen jetzt nicht teilweise verheilte Wunden wieder auf?“, will Moderator Markus Gilli wissen. „Nein“, sagt Joana, „die Anzeige war wichtig für mich.“ Es sei ein Statement. „Ich finde es müssen all diese Fälle in die Statistik, damit man sieht, wie häufig das passiert und das Thema ernster genommen wird.“ Schliesslich sei es auch eine Message an Jegge: „Es war alles, von A bis Z, grundfalsch, was da gelaufen ist. Es gibt kein ‚ja, aber‘, und es gibt keine Entschuldigung.“

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