Onlinehandel
Gibts bald keine Gratis-Rücksendungen mehr? Luzerner Nationalrat will Päckliflut stoppen

Grünen-Nationalrat Michael Töngi fordert in einer Motion ein Verbot von Gratis-Rücksendungen. Der Vorschlag löst bei den Onlinehändlern wenig Begeisterung aus.

Chiara Stäheli
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Geht es nach Nationalrat Michael Töngi, soll künftig jede Person selbst für das Rücksendeporto aufkommen.

Geht es nach Nationalrat Michael Töngi, soll künftig jede Person selbst für das Rücksendeporto aufkommen.

Bild: Sandra Ardizzone

Wer ein Päckli zurückschickt, soll künftig die Kosten für das Retourschicken selbst berappen. Dies fordert der Luzerner Grünen-Nationalrat Michael Töngi in einer kürzlich eingereichten Motion. Er will damit einen Teil der unökologischen Nebeneffekte des Onlinehandels unterbinden und die Päckliflut stoppen.

«Ein sehr hoher Anteil der bestellten Waren wird wieder zurückgeschickt. Das verursacht Emissionen, die verhindert werden könnten», so Töngi. Er erhofft sich von einer Gebührenpflicht bei Retouren, dass «sich die Leute, die online shoppen, vor dem Kauf gut überlegen, ob sie das Produkt wirklich benötigen oder nicht». Der Luzerner ist nicht grundsätzlich gegen den Onlinehandel, wünscht sich aber einen bewussteren Umgang damit.

Tiefere Preise dank Rücksendegebühr?

Letztlich würde ein Verbot der Gratis-Rücksendungen laut Töngi jenen Kundinnen zugutekommen, die nur bestellen, was sie dann auch behalten:

«Im Moment sind die Gratisretouren im Verkaufspreis inbegriffen. Konsequenterweise müssten die Händler die Kosten für die Produkte also senken, wenn Gratis-Rücksendungen verboten werden.»

Zahlen zu den Retouren im Schweizer Versandhandel erhebt der Schweizer Handelsverband. Er beziffert die Rücksendequote für das Jahr 2020 auf rund 23 Prozent. Das heisst, ungefähr jedes vierte Paket wird zurückgeschickt. Die Quote ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen: Sie ist je nach Händler und Produkt sehr unterschiedlich. So werden bei Textilien durchschnittlich 40 Prozent der bestellten Waren zurückgeschickt, bei technischen Geräten sind es gerade mal 2 Prozent.

Wie hoch die Rücksendegebühr sein sollte, kann Töngi noch nicht sagen: «Eine Studie aus Deutschland hat gezeigt, dass bereits eine Rücksendegebühr von drei Euro eine grosse Wirkung haben kann.»

Detaillierte Beschreibung sorgt für weniger Retouren

Der Schweizer Handelsverband, dessen Mitglieder über 370 Onlineshops betreiben, hält eine gesetzlich vorgeschriebene Rücksendegebühr für «nicht angebracht». «Jedes Unternehmen soll über seine Gebührenpolitik selbst entscheiden können», teilt der Verband auf Anfrage mit. Zudem würden mit einer entsprechenden Gebühr auch keine Transporte eingespart, so der Verband weiter:

«Die Pakete werden auf dem Rückweg von der Post während der normalen Zustellung transportiert und zurückgeführt.»

Der grösste Schweizer Onlinehändler, Digitec Galaxus, reagiert gelassen auf die Motion: «Das ist eine politische Diskussion. Wir warten erst einmal ab, wie sich diese entwickelt», sagt Mediensprecher David Kübler. Gross betroffen wäre der Elektronik-Händler so oder so nicht. Laut Angaben des Unternehmens werden nur rund zwei Prozent der gekauften Produkte retourniert, die Hälfte davon seien Garantiefälle oder Reparaturen.

Einen Grund für die tiefe Rücksendequote sieht David Kübler in der ausführlichen Produktbeschreibung: «Wir stellen auf Digitec und Galaxus besonders viele und detaillierte Produktdaten zur Verfügung, mit denen sich unsere Kunden informieren können.»

Auch der Konkurrent Brack.ch rechnet nicht mit grossen Einbussen, wenn eine Pflicht für Retourengebühren eingeführt würde: «Wir bieten kostenlose Retouren ohnehin nur unter ganz bestimmten Bedingungen wie beispielsweise bei beschädigten Artikeln oder bei Kleidung sowie Schuhen an», so der Onlinehändler. Da letzteres Sortiment sehr klein sei, hätte ein Verbot der Gratis-Rücksendungen, wie es Nationalrat Töngi fordert, nur unmerklich Einfluss auf das Geschäft von Brack.ch, heisst es von Seiten des Unternehmens weiter.

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