Aus und vorbei
Online-Scheidungen sind immer gefragter

Die Scheidungsrate in der Schweiz ist hoch, fast bei 50 Prozent. Doch eine Scheidung kostet Geld. Online-Anbieter haben nun diese Marktlücke entdeckt: Denn nicht so teuer wie Scheidungen mit einem Anwalt sind die Angebote im Internet.

Sarah Weber
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Scheidungen über das Internet sind immer gefragter.

Scheidungen über das Internet sind immer gefragter.

Keystone

Im Jahr 2009 waren es laut dem Bundesamt für Statistik knapp 20000 Paare, die den Bund fürs Leben wieder auflösen wollten. Immer mehr dieser Paare wickeln ihre Scheidung über das Internet ab.

Einfach, schnell und günstig

Nachdem bisher vor allem Kunden aus der Romandie das Angebot nutzten, geht es jetzt in der Deutschschweiz los. «Das Interesse ist gross und es ist ein Bedürfnis, das zunimmt», sagt Susanne Vertesi, Anwältin beim Online-Angebot «einfache-scheidung.ch». Die Internet-Seite bietet eine Online-Scheidung für 790 Franken an, mit der Garantie, dass die Scheidung gerichtlich vollzogen wird. Ansonsten wird das Geld rückerstattet. Einfach, schnell und günstig – soll es sein, so der Slogan.

Inbegriffen ist die Hilfe beim Zusammenstellen der Scheidungskonvention, die man sonst mit teurem Anwalt machen muss. «Dabei können die Kunden bei Fragen kostenlos so häufig anrufen oder mailen, wie sie möchten», erklärt Susanne Vertesi.

Für die Pauschale von 790 Franken gibt es also: Beratung per Telefon und E-Mail, Hilfe und Formulare für die Zusammenstellung der Scheidungskonvention, plus allfällige Nachbesserung, wenn das Gericht die Konvention ablehnt. Im Schnitt dauert so die Scheidung zwischen zwei bis sechs Monaten. Trotzdem ist das nicht die ganze Rechnung: «Die Gerichtskosten kommen dann noch dazu, die je nach Kanton sehr variieren», so Vertesi.

Anonym und günstig

Auch der Rechtsanwalt Douglas Hornung von der Internetseite «onlinescheidung.ch» bestätigt: «Das Interesse an Online-Scheidungen steigt.» Er überlegt sich sogar, die Kosten für eine Online-Scheidung auf 599 Franken zu reduzieren. Denn: Viele Gerichte bieten mittlerweile ebenfalls Mustervorlagen für die benötigten Dokumente an. Online-Scheidung per Mausklick ist also im Trend. Warum? «Viele Leute könnten nicht zwei Anwälte zahlen oder wollen nicht mehr viel miteinander zu tun haben und sind froh über die Anonymität», erklärt Susanne Vertesi von «einfache-scheidung.ch».

Missbrauchgefahr ist hoch

Kritisch beobachten diese Entwicklung die Anwälte: Diese Online-Angebote seien höchstens bei Verhältnissen sinnvoll, bei denen alles klar ist. Denn: «Ohne persönlichen Kontakt besteht die Gefahr von Missbrauch – also dass ein Partner den anderen über den Tisch zieht», sagt Michael Hüppi vom Schweizerischen Anwaltsverband.

Gerade wenn es um Unterhaltsbeiträge oder Kinder gehe, sei eine persönliche Beratung nötig, so der Anwalt. Und: Ein Anwalt oder ein Mediator übernimmt die wichtige Rolle des Zuhörers, die durch die Anonymität im Internet verloren geht. Doch das hat seinen Preis: Eine von einem Anwalt begleitete Scheidung kostet laut Hüppi bei unkomplizierten Verhältnissen zwischen 1500 bis 2000 Franken.