ONLINE-CHALLENGE
Lizenz nicht bezahlt: Flughafen Zürich entfernt sein «Jerusalema»-Tanzvideo

Der Überflieger-Song «Jerusalema» aus Südafrika hat zahlreiche Firmen zu Tanz-Darbietungen auf Online-Plattformen animiert. Womit viele nicht gerechnet haben: Dafür müssen sie eine Lizenzgebühr bezahlen.

Benjamin Weinmann und Stefan Ehrbar
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Auch die Schweizer Fluggesellschaft Helvetic Airways hat an der «Jerusalema Challenge» teilgenommen.

Youtube / Helvetic Airways

Er geht nach wie vor um die Welt: Der Song «Jerusalema» des südafrikanischen Musikers Master KG sorgt während der Corona-Pandemie bei vielen Zuhörern für gute Laune. Rasch entwickelte sich darauf eine Tanz-Wettbewerb auf Online-Videoplattformen. Polizisten und Geistliche bis hin zu Pflege-Angestellten präsentieren ihre Choreografie zum Lied, das bereits über 341 Millionen Mal auf Youtube angeklickt wurde.

Doch die harmlose «Jerusalema Challenge» hatte für viele Firmen und Organisationen ein überraschendes Nachspiel. Wie diese Woche bekannt wurde, hat die US-Firma Warner Music, welcher die Rechte des Lieds gehören, weltweit Briefe verschickt, in denen sie nachträgliche Lizenzgebühren für die Verwendung der Melodie verlangt.

Davon scheint auch der Flughafen Zürich mitbekommen zu haben. «Wir haben das Video von unseren Kanälen entfernt», sagt eine Sprecherin. Post von Warner Music habe man bisher keine erhalten. Aber: «Gebühren haben wir keine entrichtet.» Entstanden sei das Video für die interne Online-Weihnachtsfeier, anschliessend habe man es auch extern geteilt.

«Eine Botschaft des Optimismus und der Leichtigkeit»

Korrekter ging die Schweizer Regionalfluggesellschaft Helvetic Airways vor. Ein Sprecher sagt, man habe vor Produktionsbeginn die Genehmigung von Warner eingeholt. Auch bei der Schweizer Verwertungsgesellschaft Suisa habe man die nötigen Bewilligungen für die Online-Publikation organisiert.

«Jede Firma, die ein solches Video für Youtube produziert, sollte die Frage des Urheberrechts als oberste Priorität betrachten», sagt der Helvetic-Sprecher. Alles andere sei fahrlässig. Die Kosten dafür würden einem «niedrigen, vierstelligen Betrag» entsprechen.

Für Helvetic habe sich das Projekt gelohnt, sagt der Sprecher. «Inmitten der Pandemie war es eine Botschaft des Optimismus und der Leichtigkeit.» Es zeige zudem die positive Einstellung des fliegenden Personals, trotz der aktuellen Turbulenzen in der Branche. Das Helvetic-Video zählt laut dem Sprecher bisher 80'000 Klicks auf Youtube. Insofern sei das Video auch ein willkommener Werbe-Effekt.

Das Original des südafrikanischen Musikers Master KG begeistert die Welt.

Youtube / Warner