Nach einem «Good evening, Ladies and Gentlemen» kam Myrian Kobler–Betancourt zur Sache. Sie stellte Peter Hegglin (ZG) am «Talk im Bellevue» der vier CVP-Bundesratskandidaten eine Frage auf Englisch. Sie wollte wissen, in welchem Departement er sparen würde, um Kampfjets zu kaufen.

Hegglin antwortete auf Deutsch: Der Kauf sei möglich über das Armee-Budget von fünf Milliarden pro Jahr. Damit gab sich Kobler aber nicht zufrieden. «Können Sie das bitte auf Englisch sagen?», fragte sie. «On English c’est difficult», meinte Hegglin. «I denk it is possible to make the investition …» Dann erlöste ihn Podiums-Kollegin Elisabeth Schneider-Schneiter (BL). Man werde dies nachher klären, sagte sie.

Der Vorfall warf Wellen. Die Anwesenden waren überrascht, dass ausgerechnet der ehemalige Finanzdirektor des global vernetzten Kantons Zug kein Englisch spricht. Gleichzeitig vermuteten sie, dass Kobler Ständerat Hegglin eine Falle gestellt hatte.

War es eine bestellte Frage?

Kobler gehört nämlich der CVP Baselland an, der Kantonalpartei von Kandidatin Schneider-Schneiter. Kobler sass im Bellevue bei den CVP-Frauen aus der Stadt Basel und dem Baselbiet, die eine CVP-Frau im Bundesrat wollen. Wusste Schneider-Schneiter von der Frage? War es sogar eine bestellte Frage? «Niemals», sagt Myrian Kobler. «Das war überhaupt nicht abgesprochen. Sie war sehr überrascht.»

Inhaltlich weicht Kobler keinen Millimeter zurück. Es tue ihr leid, dass sie Hegglin blossgestellt habe, sagt sie. «Aber diese Frage musste ich stellen.» Kobler ist Sprachlehrerin und Übersetzerin, stammt aus Ecuador, lebt seit 24 Jahren in der Schweiz, ist Schweizerin. Sie kandidiert für die CVP Baselland als Landrätin.

Es sei wichtig zu wissen, ob Hegglin Englisch spreche. «Das tut er nicht.» Dass ein Bundesrat die Schweiz repräsentiere, der kein Englisch spreche, sei «ein ‹No-Go›». Gerade bei Themen wie Sicherheit und Wirtschaft seien gute internationale Auftritte wichtig. «Englisch als Weltsprache ist ein Muss.»

Keine Freude am forschen Auftritt hatte die CVP Baselland. Man habe als Baselbieter Delegation abgemacht, dass die Journalisten vor Ort die Fragenden sein sollten», sagt Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli. Dass dann jemand «aus unserer Region für einen solchen Affront sorgt, liess uns baff zurück».

Sie habe die Fragenstellerin zur Rede gestellt, sagt Müller. «Ich entschuldigte mich noch vor Ort bei Peter Hegglin und beim CVP-Generalsekretariat.» Schneider-Schneiter selbst hält fest: «Derartige Blossstellungen sind kontraproduktiv und unfair. Deshalb bin ich Kollege Hegglin zu Hilfe geeilt.»

Persönlich spreche sie die Sprachen, «aber nicht perfekt», sagt sie. «Der Mut, Fehler zu machen, ist wichtig.» Gelassen reagiert man bei der CVP Schweiz. «Dass unterschiedliche Fragen in unterschiedlichen Sprachen gestellt werden», sagt Sprecher Manuel Ackermann, «ist Teil eines intern-öffentlichen Podiums.»

Der Talk zeigte: Hegglin hat ein Fremdsprachen-Handicap. Schneider-Schneiter spricht sehr gut Englisch, gut Französisch, kann sich auf Italienisch unterhalten. Viola Amherd (VS) ist bilingue (Deutsch-Französisch), spricht Englisch, Italienisch. Heidi Z’graggen (UR) spricht gut Englisch und Französisch, versteht Italienisch gut.

Hegglin selbst hält fest, er könne sich auf Auslandreisen in Englisch verständigen. «In der Umgangssprache werden keine Fachwörter verwendet.» In seinen Funktionen brauche er selten Englisch. «Deshalb bekam ich keine Übung mit fachtechnischen Begriffen.» Sollte er sich vermehrt mit internationalen Aufgaben zu befassen haben, «werde ich mir diese Kenntnisse und Fachbegriffe aneignen».

In Sachen Französisch frische er aktuell seine Kenntnisse auf. Er hatte die Lehre in Lausanne gemacht. Italienisch spricht er nicht. «In der Schweiz gibt es die Regel, dass in Debatten jeder in seiner Sprache reden kann», sagt er. «In Beratungen konnte ich Argumenten anderer gut folgen, antwortete auf Deutsch.»

Trost gibt es für Peter Hegglin. «I can English understand», sagte Guy Parmelin 2015. Und wurde Bundesrat.