Velo
Ohne Vignette droht der Ruin

Bis zum 1. Juni muss jeder Velolenker eine neue Vignette kaufen, ganz egal ob er privat haftpflichtversichert ist oder nicht. Daran ändert auch nichts, dass Politiker die Vignette schon bald abschaffen wollen. Die private Haftpflichtversicherung zahlt nur Schäden über zwei Millionen Franken.

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velovignette

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Zur Verfügung gestellt

Martin Rupf
Es ist schnell passiert: einen Augenblick nicht aufgepasst, und schon ist man mit dem Velo auf der Kühlerhaube eines Autos gelandet oder hat eine Geschäftsfrau über den Haufen gefahren. Glück im Unglück hat, wer wenigstens eine Vignette an seinem Velo kleben hat. Denn die Vignette - eine obligatorische Haftpflichtversicherung - kommt für Schäden bis zur Höhe von zwei Millionen Franken auf.

Doch offenbar blenden viele Velolenker das Risiko aus oder sind schlicht zu faul, sich jedes Jahr eine Vignette zu kaufen. Denn von den rund vier Millionen Velos in der Schweiz sind schätzungsweise nur drei Viertel mit einer Vignette unterwegs. Geht es nach dem Willen vieler Politiker, soll sie schon bald ganz abgeschafft werden.

Der Ständerat berät im Sommer darüber, der Nationalrat im Herbst. Stimmen beide Räte der Abschaffung zu, könnte die Vignette ab 2012 Geschichte sein. Treibende Kraft hinter diesen Bemühungen ist der Thurgauer Ständerat Philipp Stähelin, der Ende 2008 eine parlamentarische Initiative zur Abschaffung der Vignette einreichte.

Keine Doppel-Versicherung

Dabei lautet eines der Hauptargumente von Stähelin: «Rund 90 Prozent aller Velofahrer haben schon eine private Haftpflichtversicherung und sind daher genügend gegen Velounfälle versichert.» Mit einer Vignette seien sie gar doppelt versichert, sagt Stähelin.

Frank Keidel, Sprecher des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV), stellt hingegen klar: «So lange das Obligatorium noch gilt, kommt die private Haftpflichtversicherung nur für den Teil des Schadens auf, der nicht durch die Velovignette gedeckt ist.» Konkret heisst das: «Alles was unter zwei Millionen Franken liegt, muss der Unfallverursacher selber berappen, wenn er keine Velovignette hat», sagt Keidel.

Verwaltungsaufwand ist sehr gross

Für die Abschaffung der Vignette hat Stähelin noch ein anderes Argument bereit. «Der Verwaltungsaufwand für die Vignette ist sehr gross.» Ein Fünftel des Preises - in der Regel um die fünf Franken - fliesse in die Administration. Deshalb sei es viel vernünftiger, die Vignette abzuschaffen und Veloschäden künftig in die Privathaftpflicht zu integrieren, ist Stähelin überzeugt.

Doch gerade an dieser Idee stossen sich die Gegner - allen vor an die SP und der Verkehrs-Club Schweiz. Dies aus zweierlei Gründen. Ersten befürchten sie höhere Prämien, weil auf die Versicherer höhere Schadensfälle zukommen werden. Zweitens kritisieren sie, dass die rund 10 Prozent, die nicht privat haftpflichtversichert sind, ohne Versicherungsschutz dastehen werden.

Kommt es zu Prämienerhöhungen?

Beide Befürchtungen hält Frank Keidel vom Versicherungsverband für unbegründet - ja falsch. «Obwohl die Schadensbelastung steigen wird, gehen wir nicht von spürbaren Prämienerhöhungen aus.» Dafür werde alleine schon die Konkurrenz unter den Versicherern sorgen, ist er überzeugt.

Und was die Anzahl versicherter Personen betrifft, hält Keidel fest: Würde die Veloversicherung in die private Haftpflicht integriert, wären immerhin 90 Prozent der Velolenker versichert. «Das wären mehr als heute, denn viele Velos sind heute ohne Vignette unterwegs.»