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Ohne Geld des Tabak-Multis gibt es keine Schweizer Rettungshunde

Die Rotkreuz-Organisation Redog, welche Freiwillige mit Suchhunden in Katastrophengebiete schickt, ist von Spenden der Tabakindustrie abhängig. Der Präsident der Eidg. Tabakkommission ist empört. Beim Roten Kreuz hat man jedoch keine Bedenken.

Leben retten – das ist das Spezialgebiet der Rotkreuz-Rettungsorganisation Redog.

Der spendenfinanzierte Verein schickt seine Leute mit Suchhunden nach Erdbebenkatastrophen in alle Ecken der Welt, wo diese in den Trümmern verschüttete Menschen aufspüren. Als Freiwilligenorganisation ist Redog auf Spenden angewiesen.

Diese aber kommen zu einem grossen Teil von einem Gönner, der nicht bekannt dafür ist, Leben zu retten.

Es ist die Stiftung von Japan Tobacco International (JTI), dem Hersteller von Zigarettenmarken wie Winston und Camel.

Globaler Jahresumsatz: mehr als zehn Milliarden Franken. Seit 2011 zahlt der Tabakkonzern jährlich Beiträge von bis zu 150 000 Franken (2012) an Redog.

Publicity mit Spendengeldern

Die JTI Foundation nutzt ihre «neue Partnerschaft» mit der Schweizer Rotkreuz-Organisation zu Publicity-Zwecken und erwähnt Redog auf ihrer Internetseite an prominenter Stelle:

«Dank dem Einsatz von Redog können nach Erdbeben und bei Vermisstenfällen Menschen gerettet werden, wenn diese schon alle Hoffnung aufgegeben haben», heisst es da. Und Redog-Zentralpräsidentin Romaine Kuonen bedankt sich für die Unterstützung des Zigarettenherstellers.

Für Bruno Meili, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Tabakprävention, ist die Zusammenarbeit zwischen JTI und der Rettungsorganisation untragbar:

«Wer meint, ein Unternehmen wie Japan Tobacco International verteile ohne kommerzielle Interessen im grossen Stil Geld, ist naiv. Wer Geld von der Tabakindustrie entgegennimmt, unterstützt diese Industrie», sagt Meili.

Die Tabakbranche erkaufe sich über ihr wohltätiges Engagement politischen Rückhalt. «Im Fall des Roten Kreuzes ist das besonders stossend.»

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kam 2013 in einem Bericht zu einem sehr ähnlichen Befund.

Zigarettenkonzerne sind laut WHO im Wohltätigkeitsbereich aktiv, um sich in der Öffentlichkeit als verantwortungsvolle, sozial engagierte Unternehmen darzustellen. Das tun sie mit Erfolg.

«Die Bevölkerung sieht das Wohltätigkeitsengagement der Tabakindustrie selten als Marketing, obwohl die WHO-Tabakkonvention genau dies festhält», heisst es in dem Papier.

Keine moralischen Bedenken

Redog-Präsidentin Kuonen hat dennoch keine moralischen Bedenken. Sie ist dankbar für die «langfristige Zusammenarbeit mit der JTI Foundation», wie sie auf Anfrage sagt.

Die finanziellen Mittel von Bund und Kantonen reichten «bei weitem nicht», um den Aufwand von Redog zu decken. Ohne das Geld von JTI wäre die Rettungsorganisation laut Kuonen in ihrer Existenz gefährdet.

Markus Mader, seit 2008 Direktor des Schweizerischen Roten Kreuzes, stellt sich hinter Kuonen.

Die Spendenannahme sei zulässig, weil Redog gegenüber dem Tabakproduzenten keine Verpflichtungen eingehe, das Geld nicht für Gesundheitsprojekte gebraucht werde und die Kooperation nach aussen nicht sichtbar sei.

Die prominente Erwähnung von Redog auf der Website der JTI Foundation taxiert das SRK offenbar nicht als Werbung.

Auch Claude Gross, Direktor des Roten Kreuzes des Kantons Waadt, versteht die Aufregung nicht.

Seine Organisation erhält «seit sieben bis acht Jahren» Spenden von Philip Morris International – im Jahr 2012 waren es 40 000 US-Dollar. «Wir behandeln alle Unternehmen gleich», sagt Gross.

Für Tabakpräventions-Experte Meili zeigen die Meinungsäusserungen der Rotkreuz-Kader Mader und Gross exemplarisch, dass die Geldbeiträge der Tabakindustrie ihre Wirkung nicht verfehlen.

«Ihre Haltung gegenüber der Branche ist positiv, das wäre ohne Spenden gewiss nicht so – man lässt sich kaufen.»

In der jüngeren Vergangenheit lehnte das Rote Kreuz Tabakgeld in einem Fall ab – jedoch erst unter grossem Druck. Als die JTI Foundation 2012 die Sanierung des Rotkreuz-Museums in Genf mit 150 000 Franken unterstützen wollte, kam es zu Protesten. Die Hilfsorganisation verzichtete Anfang 2013 auf die Spende und entschuldigte sich für den «Mangel an Wachsamkeit».

Stefan Rissi, Geschäftsführer der JTI Foundation, betont in einem E-Mail, das Engagement seiner Stiftung habe «mit Marketing nichts zu tun». «Die Zusammenarbeit mit Redog wurde vereinbart, weil beide Organisationen den gleichen Zweck verfolgen – Opfern von Katastrophen zu helfen. Wir werden diese Arbeit auch in Zukunft unterstützen.»

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