Beginnen wir die Geschichte mit einem Beispiel aus dem Alltag: Was ein Navi bringt, weiss jedes Kind. Zielsicher steuert es Automobilisten von A nach B. Was aber die wenigsten wissen: Das GPS, welches das Auto-Navi oder unser Smartphone mit Daten füttert, ist störungsanfällig. Die USA, welche GPS kontrollieren, sind technisch in der Lage, die Genauigkeit jederzeit zu verändern, ohne dass dies die Empfängergeräte merken würden. Dann führt Sie das Navi nicht mehr von A nach B, sondern in die Irre. Im Extremfall kann das System von den USA ganz abgeschaltet werden. Bis 2001 war das in Krisen gang und gäbe. Heute, in unserer digitalisierten Welt, wäre das Chaos perfekt: Pakete kommen nicht mehr an, Flugzeuge können nicht mehr landen, Menschen verfahren sich zu Hunderttausenden.

Das Super-Navi der USA

Für eine Armee, die vor allem in Krisenzeiten präzise navigieren muss, ist das zivile GPS deshalb höchstens eine Navigationshilfe. Wirklich darauf verlassen, darf sie sich nicht. Doch es gibt einen Ausweg: Die USA haben das zivile GPS zu einem hoch präzisen, störungsresistenten Super-GPS weiterentwickelt. Dieses wird von allen Teilverbänden der USA als Navigationsmittel genutzt. Das präzise GPS ermöglicht etwa die zentimetergenaue Landung von Kampfjets auf Flugzeugträgern.

Die USA stellen das Super-GPS den Nato-Bündnispartnern sowie befreundeten Drittstaaten, darunter die Schweiz, zur Verfügung. Armeen, die darauf zurückgreifen können, operieren in der Luft und am Boden wesentlich präziser, sie können den Feind besser aufklären und treffen im Bedarfsfall zentimetergenau ins Ziel. Entscheidende Fähigkeiten, wenn es wirklich ernst gilt. Zu diesen privilegierten Armeen gehört auch die schweizerische. Entsprechende Recherchen der «Nordwestschweiz» werden von mehreren rüstungsnahen Quellen bestätigt.

Die neutrale Schweiz, die offiziell keinem Militärbündnis angehört, ist damit «Premium User», eine Art bevorzugter Nutzer des von den USA kontrollierten Super-GPS. Um dieses militärische Navi zu benutzen, braucht es den sogenannten P-Code. Dieser wird vom US-Geheimdienst NSA hergestellt. Die Verschlüsselung ändert in der Regel wöchentlich. Die USA verschicken diesen Schlüssel in der Folge ihren Premium-Partnern. Ohne Schlüssel fallen die GPS-Geräte in den zivilen, störungsanfälligen Modus zurück.

In der Schweiz profitiert primär die Luftwaffe vom Super-GPS. Die F/A-18-Kampfjets, aber auch die Helikopter Super-Puma, Cougar und Eurocopter sind mit entsprechenden GPS-Geräten ausgerüstet. Die F/A-18 sind mit dem Rüstungsprogramm 2008 auf den neusten Stand der GPS-Technik gebracht worden. Ob auch die Aufklärungsdrohne 95 und Teile der Bodentruppen – etwa das integrierte Artillerie Führungs- und Feuerleitsystem INTAFF damit operieren, ist offen. Fakt ist: Die Schweizer Armee verfügt dank der engen Anlehnung an die USA über ein hochpräzises, zuverlässiges Navigationsmittel.

USA steuern Lenkwaffen

Die Schweizer Luftwaffe bestätigt summarisch die Recherchen der «Nordwestschweiz». Auf brisante Details geht sie indes nicht ein. Auf Anfrage hält sie fest: «Ohne diesen Code wären die mit einem GPS ausgerüsteten militärischen Systeme immer noch einsetzbar, wenn auch mit einer schlechteren räumlichen Genauigkeit.» GPS werde von den USA kontrolliert. Sollte dereinst das europäische Navigationssystem Galileo funktionsfähig sein, würde die Schweiz dieses sicher prüfen.

Die Abhängigkeit der Schweiz von den USA beschränkt sich indes nicht nur auf die Lieferung des P-Codes. Auch die Software-Updates von F/A-18 sowie insbesondere von dessen wirkungsvollster Lenkwaffe, Amraam, unterliegen exklusiver US-Kontrolle. Die Lenkwaffe, ein zentrales Element für die Luftverteidigung, muss periodisch für ein Software-Update in die USA geschickt werden, wie die «Nordwestschweiz» aus sicheren Quellen erfahren hat. Bei dieser Software-Aktualisierung – in der Armee ist lediglich vom «Änderungsdienst Amraam» die Rede – sei kein Schweizer Personal zugelassen. Welchen Quellcode die Amerikaner dabei programmieren, bleibt verborgen. Der Hintergrund: Die USA wollen die totale Kontrolle über strategische Waffen, die sie ins Ausland verkaufen. Ein Kenner der Nato sagt: «Die USA wollen damit sicherstellen, dass Waffen, die sie verkaufen, niemals gegen sie selber eingesetzt werden können.» Und auch ein ehemaliger Schweizer F/A-18-Pilot sagt: «Technisch und theoretisch ist es denkbar, dass die USA den Einsatz programmierbarer Waffen kontrollieren können – zum Beispiel durch den Einbau eines Verfalldatums.» Die Lenkwaffe könne von den USA per Funksignal gestört und damit deren Flugbahn verändert werden.

So nutzt die Schweiz das Super-GPS der USA

Gemäss Informationen der «Nordwestschweiz» findet auch die Software-Aktualisierung beim Kampfjet selber – der sogenannte «Änderungsdienst F/A-18» – in den entscheidenden Momenten ohne Schweizer Personal statt. «Programmierung und Freigabe erfolgen ausschliesslich in den USA und durch US-Personal», sagt der ehemalige F/A-18-Pilot. Die USA programmieren dabei das «Operation of Flight Program», die sogenannten «Swiss Tapes», die derzeit nach zwei bis vier Jahren wieder erneuert werden. Alles sei von den USA gesteuert. Andere Nationen bekommen andere Fähigkeiten als die Schweiz. Die Wünsche der Schweiz können aber berücksichtigt werden.

Thema in Bushs Irak-Krieg

In der Öffentlichkeit war die ausgeprägte Abhängigkeit von den USA 2003 letztmals ein Thema, als sich der damalige US-Präsident George W. Bush anschickte, den Irak anzugreifen. Im Februar 2003 verhängte der Bundesrat ein Überflugsverbot. Kurze Zeit später wollte der Thurgauer SVP-Nationalrat Alexander J. Baumann wissen, ob die Gerüchte stimmen, dass die Schweizer Luftwaffe aus technischen Gründen nicht in der Lage sei, die Flugverbotszone gegenüber den USA durchzusetzen. Verteidigungsminister Samuel Schmid stellte dies in Abrede.