Beschaffung
Offensive in den sozialen Medien: Das Aussendepartement vergibt Aufträge ins Ausland

Das EDA holt sich für Facebook, Twitter und Co. professionelle Unterstützung. Kostenpunkt: 1,6 Millionen Franken. Das Gros des Etats geht nach Deutschland.

Sven Altermatt
Merken
Drucken
Teilen
Das Aussendepartement von Ignazio Cassis und seiner Nummer zwei, Staatssekretärin Livia Leu, ist auch in den sozialen Medien aktiv.

Das Aussendepartement von Ignazio Cassis und seiner Nummer zwei, Staatssekretärin Livia Leu, ist auch in den sozialen Medien aktiv.

Keystone

Ob Facebook, Twitter oder Instagram: Die Bundesräte und ihre Departemente nutzen diese Kanäle emsig. Besonders aktiv ist das Aussendepartement (EDA) von Ignazio Cassis. Über die sozialen Medien will es Schweizerinnen und Schweizer auf der ganzen Welt erreichen. Nun zieht das EDA dafür professionelle Unterstützung bei: Es vergibt drei externe Aufträge rund um soziale Medien. Deren Gesamtwert beläuft sich auf über 1,6 Millionen Franken, wie aus Zuschlagsentscheiden hervorgeht. Inkludiert sind Optionen für die kommenden acht Jahre.

Pikant dabei: Das Gros des Etats fliesst ins Ausland. Zwei der drei Aufträge gehen an Unternehmen in Deutschland. So hat eine Firma in Hamburg für insgesamt 794'000 Franken den Zuschlag erhalten, Softwarelösungen für ein Social-Media-Management zu liefern. «Die Zuschlagsempfängerin hat das preislich günstigste Angebot eingereicht», hält das EDA fest. Ebenso habe das Angebot in qualitativer Hinsicht überzeugt.

Eine Firma aus Berlin darf derweil für total 180'000 Franken eine Plattform für ein sogenanntes Social Listening bereitstellen. Gemeint ist damit das Überwachen der entsprechenden Kanäle; die Reaktionen und Stimmungen der Nutzer in den sozialen Medien sollen beobachtet werden. Diese Vergabe begründet das EDA wiederum: «Ausschlaggebend für den Zuschlagsentscheid war in erster Linie der Preis.»

Angebot qualitativ überzeugend

Für die beiden Aufträge hatten sich fünf respektive sechs Firmen beworben. Ob auch solche aus der Schweiz dabei waren, wird nicht publik gemacht. Dienstleistungsaufträge müssen ab einem Schwellenwert von 230'000 Franken öffentlich ausgeschrieben werden. Laut internationalen Abkommen haben Lieferanten aus dem Ausland ­dabei grundsätzlich gleich lange Spiesse wie Schweizer Anbieter.

Just Anfang Jahr ist das neue Beschaffungsrecht in Kraft getreten. Neu soll nicht mehr das «wirtschaftlich günstigste Angebot» den Zuschlag erhalten, sondern das «vorteilhafteste».

Immerhin: Ein drittes Los vergibt das EDA in der Schweiz. Eine St.Galler Agentur darf für 650'000 Franken diverse Dienste im Bereich der sozialen Medien erbringen – Trendanalysen und Strategien gehören ebenso dazu wie Schulungen. Ihr Angebot hat gemäss dem Departement «in qualitativer Hinsicht» zu überzeugen vermocht.