In der FDP ist man sich nach der Rücktrittsankündigung von Johann Schneider-Ammann sicher: Tritt die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter an, ist sie als Bundesrätin so gut wie gewählt. In der CVP hingegen gibt es für die Nachfolge von Doris Leuthard keine klare Poleposition. Diese Ausgangslage macht das Rennen unberechenbar und eröffnet Chancen für überraschende Kandidaturen – wie jene von Ruth Humbel Näf, der geradlinigen Aargauer Nationalrätin, die seit 2003 im Bundesparlament wirkt und vor allem in der Gesundheitspolitik zu den einflussreichsten Köpfen zählt. Auf jenem Problemfeld also, das die Bevölkerung gemäss Umfragen am meisten beschäftigt. Ob Humbel sich von der Aargauer CVP zuhanden der Bundeshausfraktion tatsächlich nominieren lässt – das entscheidet sie nach einer Bedenkzeit.

Mindestens eine Frau will die CVP auf ihrem Wahlticket präsentieren. Die Fussstapfen von Doris Leuthard sind gross, und jede der bisher genannten CVP-Frauen hat ein Handicap: Viola Amherd (56/VS) gilt bei FDP und SVP als zu links und kommt aus dem falschen Landesteil; Elisabeth Schneider-Schneiter (54/BL) profilierte sich als Aussenpolitikerin auch mit umstrittenen Aussagen, jüngst forderte sie die Aufhebung der Russland-Sanktionen; Andrea Gmür (54/LU) sitzt erst seit drei Jahren im Nationalrat. Humbels Handicap wiederum ist ihr Alter (61) – nur: Bei einem der meistgenannten Männer, dem Solothurner Ständerat Pirmin Bischof, war dieses nie ein Thema, obwohl er keine zwei Jahre jünger ist. Fazit: Das Rennen unter den CVP-Frauen ist offen. Steigt Humbel in den Ring, wird es richtig spannend.