Todesfall
«Offener Geist, der Veränderungen früh erkannte»: wie sich Gegner und Freunde an Helmut Hubacher erinnern

Die Schweizer Politik hat eine ihrer prägenden Figuren verloren. Der langjährige Nationalrat und SP-Präsident Helmut Hubacher ist 94-jährig gestorben. So haben ihn Politiker und Weggefährten erlebt.

Christoph Bernet
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Mit 94 Jahren verstorben: SP-Doyen Helmut Hubacher. (Archivbild)

Mit 94 Jahren verstorben: SP-Doyen Helmut Hubacher. (Archivbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

«Man hörte ihm zu, wenn er ans Rednerpult trat»:
Hanspeter Thür (Grüne), alt Nationalrat Grüne (1987-1999)

Der heutige Aarauer Stadtrat Hanspeter Thür.

Der heutige Aarauer Stadtrat Hanspeter Thür.

CH Media / Colin Frei

«Ich wurde 1987 in den Nationalrat gewählt, als die Grüne Partei mit einer Verdoppelung ihrer Mandate einen grossen Sprung nach vorne machte. Ich erlebte Helmut Hubacher als offenen Geist, der der grünen Bewegung nicht feindlich gegenüberstand – im Gegensatz zu seinem Nachfolger Peter Bodenmann.

Man hörte ihm zu, wenn er ans Rednerpult trat. Hubacher war kein Vielredner, er sprach nur, wenn es um etwas ging, wenn er etwas zu sagen hatte. Dann gab er aber jeweilen den sozialdemokratischen Tarif durch. Er war ein hervorragender Debattierer, wurde aber auch von den Bürgerlichen respektiert, die er scharf kritisierte.

Als offener Geist hat Helmut Hubacher anstehende Veränderungen früh erkannt und konnte so rechtzeitig darauf reagieren. Deshalb war er auch in der Lage, die SP in die neue Zeit mit den grossen ökologischen Herausforderungen zu führen. Obwohl er selber als Bähnler und Gewerkschafter aus einfachen Verhältnissen ein Kind einer alten, zu Ende gehenden Welt war. Er wird sich in die Galerie der herausragenden Schweizer Sozialdemokraten einreihen, gemeinsam mit Robert Grimm oder Walther Bringolf. Und wird als Integrationsfigur in Erinnerung bleiben, der seine Partei in einer schwierigen Phase zusammengehalten hat.

Ob es in der SP nochmals eine Figur mit einer Biografie wie Hubacher geben wird, bezweifle ich. Das hat auch damit zu tun, dass sich die Umstände geändert haben: Ein derart wacher Geist und schlauer Kopf wie Hubacher würde heute an die Uni gehen und als hochdekorierter Akademiker wirken. Für die damalige Zeit hat Hubacher angesichts der bescheidenen Verhältnisse, aus denen er stammte, eine beeindruckende politische Karriere gemacht.»

«Er war präsenter und beliebter als viele Bundesräte»:
Gerhard Pfister, Präsident CVP Schweiz

Weitere staatliche Interventionen sind nötig, sagt Gerhard Pfister.

Weitere staatliche Interventionen sind nötig, sagt Gerhard Pfister.

Keystone

«Helmut Hubacher hat in einer Zeit politisiert, als er die SP als einzig wahre Oppositionspartei anführte, die einem massiven Bürgerblock gegenüberstand. Er hat es geschafft, die SP breiter aufzustellen. Zu seiner Zeit kam die SP einer linken Volkspartei sehr nahe. Das ist später verloren gegangen.

Mir hat gefallen, wie Hubacher nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik als wacher politischer Kopf präsent geblieben ist, ohne seinen Nachfolgern an der SP-Spitze reinzureden. Seine Kolumnen in der ‹Basler Zeitung› habe ich immer mit grossem Interesse gelesen. Obwohl ich inhaltlich selten einverstanden war, gehörte das für mich zum Pflichtstoff.

Persönlich bin ich ihm nie begegnet. Aber einmal hat er sich aufgrund einer Äusserung von mir in der ‹BaZ› in einem auf seiner Schreibmaschine verfassten Brief an mich gewandt. Daraus ist eine kleine Korrespondenz entstanden. Dass wir diese auf Briefpapier geführt haben, war für mich eine erfreuliche, selten gewordene Abwechslung.

Bemerkenswert an Hubacher ist, dass er als Politiker präsenter und beliebter war in der Bevölkerung als viele Bundesräte. Er war einer der wenigen Schweizer Politiker, der einen signifikanten Einfluss hatte, ohne je Bundesrat gewesen zu sein.»

«Er war immer ein Vorbild für mich»:
Christian Levrat, Präsident SP Schweiz

Severin Bigler / CH Media

«Helmut Hubacher war eine der prägenden Figuren der Sozialdemokratie und der Schweizer Politik des 20. Jahrhunderts. In seiner Rolle als Parteipräsident war er immer ein Vorbild für mich. Seine klare Sprache, seine Leidenschaft und seine Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge einfach darzulegen, haben mich tief beeindruckt.»

Diese Prominenten sind 2020 verstorben:

29. Dezember: Der Schweizer Architekt Luigi Snozzi stirbt im Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion. Er zählte zu den Erneuerern der Tessiner Architektur.
62 Bilder
29. Dezember: Der französische Modeschöpfer Pierre Cardin stirbt im Alter von 98 Jahren in Frankreich.
16. Dezember: Alt Bundesrat Flavio Cotti stirbt im Alter von 81 Jahren. Als CVP-Mitglied gehörte er dem Bundesrat von 1987 bis 1999 an.
12. Dezember: John Le Carré, der durch seine Spionageromane weltbekannte Schriftsteller, stirbt im Alter von 89 Jahren an einer Lungenentzündung.
11. Dezember: Der Schweizer Bildhauer Erwin Rehmann stirbt im Alter von 99 Jahren in Laufenburg.
3. Dezember: Die deutsche Schauspielerin Jutta Lampe stirbt im Alter von 82 Jahren in Berlin.
2. Dezember: Valéry Giscard d’Estaing, französischer Politiker und ehemaliger Staatspräsident stirbt an den Folgen einer Corona-Infektion.
28. November: Der britische Schauspieler und« Darth-Vader»-Darsteller David Prowse stirbt im Alter von 85 Jahren nach kurzer Krankheit.
25. November: Fussballgott Diego Maradona erliegt im Alter von 60 Jahren einem Herzinfarkt.
23. November: Karl Dall, deutscher Fernsehmoderator, Sänger und Komiker stirbt im Alter von 79 Jahren in Lüneburg an den Folgen eines Schlaganfalls.
20. November: Der deutsche Star-Friseur Udo Walz stirbt im Alter von 76 Jahren an den Folgen eines Diabetes Schocks.
31. Oktober: Bond-Legende Sean Connery stirbt im Alter von 90 Jahren auf den Bahamas.
25. Oktober: Der deutsche Bundestags-Vizepräsident Thomas Oppermann bricht kurz vor einem Interview zusammen und stirbt dann später mit nur 66 Jahren im Krankenhaus.
19. Oktober 2020: Spencer Davis (links), der britische Rockmusiker und Mitbegründer der Band «Spencer Davis Group» stirbt im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes.
12. Oktober: Die US-amerikanische «Two and a Half Men»-Darstellerin Conchata Ferrell stirbt im Alter von 77 Jahren.
6. Oktober 2020: Der niederländisch US-amerikanische Rockmusiker Edward Van Halen stirbt mit 65 Jahren an Kehlkopfkrebs. Das Ausnahmetalent auf der E-Gitarre war Mitbegründer der Rockband "Van Halen".
6. Oktober: Der US-Musiker Johnny Nash, (Hit: «I Can See Clearly Now»), stirbt im Alter von 80 Jahren.
6. Oktober: Der deutsche Journalist, Kabarettist und Entertainer Herbert Feuerstein stirbt im Alter von 83 Jahren. Feuerstein war 20 Jahre lang Chef des Satire-Magazins «MAD».
27. September: Der ehemalige deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement stirbt im Alter von 80 Jahren an Lungenkrebs.
23. September: Die französische Chansonsängerin und Ikone Juliette Greco stirbt im Alter von 93 Jahren.
21. September: Der französische Schauspieler Michael Lonsdale stirbt im Alter von 89 Jahren.
28. August: Uli Stein, einer der bekanntesten Cartoonisten Deutschlands, stirbt im Alter von 73 Jahren.
15. August: Robert Trump (links), der Bruder von Donald Trump, stirbt im Alter von 71 Jahren.
11. August: Der US-amerikanische Popsänger Trini López stirbt im Alter von 83 Jahren an der Folgen einer Covid-19-Erkrankung.
25. Juli: Die amerikanische Filmlegende Olivia de Havilland stirbt im Alter von 104 Jahren in Frankreich.
25. Juli: Gitarrengott Peter Green stirbt ist im Alter von 73 Jahren. Er war Mitbegründer der legendären Band «Fleetwood Mac».
13. Juli: Der US-amerikanische Schauspieler und Modellbauer Grant Imahara stirbt im Alter von 49 Jahren an den Folgen eines Aneurysmas.
13. Juli: Benjamin Keough, Enkel des «King of Rock'n' Roll» Elvis Presley nimmt sich mit 27 Jahren das Leben.
6. Juli: Film-Komponist Ennio Morricone ("Spiel mir das Lied vom Tod") stirbt 91-jährig.
19. Juni: Der britische Schauspieler, der vor allem als Bilbo Beutlin in «Herr der Ringe» bekannt wurde, stirbt im Alter von 88 Jahren.
12. Juni: Nationalrat Albert Vitali (FDP/LU) erliegt kurz vor seinem 65. Geburtstag einem Krebsleiden.
31. Mai: Der Künstler Christo, der vor 25 Jahren auch das Reichstagsgebäude in Berlin verhüllte, ist tot. Er starb in New York im Alter von 84 Jahren.
26. Mai: Der ehemalige Berner SVP-National- und Regierungsrat Bernhard Müller stirbt 89-jährig.
24. Mai: Die amerikanische Schlagzeug-Legende Jimmy Cobb stirbt in New York.
19. Mai: Bauunternehmer Walter Beller stirbt zuhause mit 71 Jahren. Bild: Mit Ehefrau Irina Beller.
12. Mai: Die deutsche Fotografin und Künstlerin Astrid Kirchherr fotografierte die Beatles – und wurde mit ihnen berühmt: Sie stirbt im Alter 81 Jahren.
12. Mai: Die französische Schauspiel-Legende Michel Piccoli stirbt im Alter von 94 Jahren.
9. Mai: Der US-Amerikaner Little Richard, der Pionier des Rock'n Roll, stirbt mit 87 Jahren.
8. Mai: Roy Horn (links), ein deutsch-US-amerikanischer Zauberkünstler, stirbt im Alter von 75 Jahren in Las Vegas an einer Corona-Infektion.
25. April: Der schwedische Schriftsteller Per Olov Enquist stirbt mit 85 Jahren.
23. April: Der ehemaliger deutsche Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm stirbt im Alter von 84 Jahren.
14. April: Der renommierte Berner Gegenwartskünstler Markus Raetz stirbt mit fast 79 Jahren. Der Maler, Zeichner und Objektkünstler hat in seinem umfangreichen Werk immer wieder die gewohnte Wahrnehmung unterlaufen.
12. April: Formel 1-Legende Stirling Moss stirbt im Alter von 90 Jahren in London.
1. April: Der amerikanische Musiker Adam Schlesinger (52) stirbt an den Folgen einer Corona-Infektion. Der Emmy- und Grammy-Preisträger wurde 52 Jahre alt.
1. April: Der amerikanische Jazz-Pianist Ellis Marsalis aus New Orleans stirbt an den Folgen einer Coronavirus-Infektion.
30. März: Die US-amerikanische Soul-Legende Bill Withers («Ain't No Sunshine»), stirbt im Alter von 81 Jahren in Kalifornien.
25. März: US-Schauspieler Mark Blum (hier mit Schauspielerin Sharon Lawrence) stirbt mit 69 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Infektion. Blum wurde mit Filmen wie "Desperately Seeking Susan" und "Crocodile Dundee" bekannt.
24. März: Der Asterix-Zeichner Albert Uderzo stirbt mit 92 Jahren an einem Herzinfarkt.
20. März: Kenny Rogers stirbt mit 81 Jahren. Der Country- und Popmusiker schuf Hits wie «Island In The Stream» und «Lucille».
8. März: Der schwedische Schauspieler Max von Sydow stirbt mit 90 Jahren in Paris. Er wurde in den 1950er Jahren durch seine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Regisseur Ingmar Bergman bekannt, später war er auch in Blockbustern wie «Star Wars» zu sehen.
6. März: Der Us-Amerikaner McCoy Tyner, einer der einflussreichsten und bedeutendsten Pianisten des Jazz, stirbt im Alter von 81 Jahren.
25. Februar: Ägyptens Langzeitmachthaber Husni Mubarak stirbt im Alter von 91 Jahren. Mubarak stand fast 30 Jahre an der Spitze des bevölkerungsreichsten Landes der arabischen Welt.
17. Februar: Die Tastenkombination «Copy and Paste» spart Zeit und sorgt für Ärger. Nun ist ihr Erfinder Larry Tesler 74-jährig gestorben.
15. Februar: Die britische Fernsehmoderatorin Caroline Flack wird tot in ihrer Wohnung gefunden. Die 40-Jährige soll Suizid begangen haben. Sie hätte sich Anfang März 2020 vor Gericht verantworten sollen, weil sie im Dezember 2019 ihren Freund Lewis Burton attackiert hatte.
5. Februar: Die Hollywood-Legende Kirk Douglas stirbt im Alter von 103 Jahren.
1. Februar: Die Zürcher Radiolegende Elisabeth Schnell - hier 2005 im Berner Oberland - stirbt im Alter von 90 Jahren an den Folgen einer Erkrankung.
31. Januar: Eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der Welt, die US-Amerikanerin Mary Higgins Clark, stirbt im Alter von 92 Jahren.
26. Januar: Der ehemalige Basketball-Superstar Kobe Bryant verunglückt bei einem Helikopterabsturz in Kalifornien und stirbt mit nur 41 Jahren.
21. Januar: Terry Jones, Mitglied der berühmten Komikergruppe Monty Python, stirbt im Alter von 77 Jahren in England. Jones litt während der letzten Jahre an starker Demenz und war in der Öffentlichkeit nur noch selten zu sehen.
20. Januar: Der deutsche Schauspieler Joseph Hannesschläger, hier mit seiner Ehefrau, verliert den Kampf gegen den Krebs im Alter von 57 Jahren. Seit 2002 war Hannesschläger als Kommissar in der ZDF-Kultserie "Die Rosenheim-Cops" zu sehen.
5. Januar: John Baldessari, amerikanische Künstler, wird 88 Jahre alt.
1. Januar: Martin Bundi, der frühere Bündner SP-Nationalrat setzte sich für die Natur und die rätoromanische Sprache ein. Er stirbt im Alter von 87 Jahren.

29. Dezember: Der Schweizer Architekt Luigi Snozzi stirbt im Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion. Er zählte zu den Erneuerern der Tessiner Architektur.

Foto: Keystone

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