Oensingen

Schon im Jahr eins nach ihrer Gründung organisierte die Sektion Mittelland der Gesellschaft schweizerisch-tibetische Freundschaft eine nationale Generalversammlung.

Ein freies Tibet: Das ist und bleibt die unumstössliche Zielsetzung der Gesellschaft schweizerisch-tibetische Freundschaft; auch wenn der Okkupator China übermächtig scheine, wie das neu gewählte Vorstandsmitglied und designierter Präsident Tashe Thaktsang (Konstanz) erklärte. An ihrer 26. Generalversammlung wurde dies untermauert, vielleicht dezidierter als sonst, doch stets mit natürlicher Anmut, zurückhaltend und freundlich.

Die Bilder der Geschehnisse in Tibet rund um die Olympischen Spiele in Peking sind noch in den Köpfen der rund 2000 Mitglieder starken Gesellschaft verankert. Ebenso jene rund ums WEF in Davos, als die Polizei eine Tibetflagge aus einem Davoser Geschäft beschlagnahmte, damit sich Chinas Premier Wen Jiabao im Landwassertal keinesfalls an Tibet erinnern musste. Die Gesellschaft machte in Oensingen keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung darüber, dass die Schweiz offenbar zunehmend weniger Rückgrat zeige in solchen Fragen.

Knapp 90 Stimmberechtigte

Knapp 90 anwesende Stimmberechtigte hiessen alle Vorschläge des Vorstandes gut, hatten aber zur Kenntnis zu nehmen, dass die Abschlüsse der letzten Jahre jeweils sechsstellig defizitär ausgefallen waren und Gegensteuer zu geben sei. Daneben interessierte der Ausblick ins neue Geschäftsjahr, das unter der Prämisse «50 Jahre sind genug» steht. Im März 1959 nämlich floh seine Heiligkeit, der 14. Dalai Lama, vor seinen chinesischen Häschern über den Himalaya nach Indien. Auf diesem Umstand will die Gesellschaft mit Aktionen aufmerksam machen.

Im August etwa wird der Besuch seiner Heiligkeit in der Schweiz erwartet, die längste Gebetsfahnenkette soll entstehen, Podiumsdiskussionen laufen und, und, und. Aktionen, welche dem tibetischen Volk wohl einmal mehr viel Sympathie und Solidarität eintragen werden. Aber, wie sagte doch die Vertreterin der Berner Sektion in ihrem Jahresbericht über die Vorkommnisse rund um die Olympischen Spiele: «Wir erlebten hier sehr viel Solidarität, aber politisch sind wir keinen Schritt weiter.»

Politischer Zuspruch

Aufmunterung gabs von politischer Seite: Als Gäste waren Oensingens Gemeindepräsident Ruedi Burri, die Kantonsrätin Iris Schelbert, alt Kantonsrats-präsident Hansruedi Wüthrich und Ständerat Rolf Büttiker geladen. Während Schelbert ihrer Hoffnung nach einem Tibet in Selbstbestimmung Ausdruck gab, monierte Büttiker das von Kleinmut zeugende Beigeben der hiesigen Administration gegenüber chinesischen Erwartungen und Forderungen. Freundschaft unter Völkern sei wichtiger als jene unter Regierungen. Beide erhielten für ihre Wortmeldungen gebührenden Applaus. Wenigstens rhetorisch war damit die Welt des Tibet wieder ins Lot gerückt.

Für die Organisation des Anlasses im Bio-Restaurant der Genossenschaft Vebo war die im letzten Jahr gegründete Sektion Mittelland unter der Leiterin Christina Ackermann zuständig. Rund 70 Mitglieder, darunter ein Dutzend Exiltibeter, arbeiten mit.

«Die unkomplizierte, ruhige Art dieser Menschen, die ich aus meiner Arbeit im Asylwesen kenne, brachte mich in die Sektion», so Ackermann. Begriffe wie Katha (Glücksschal), Khabse (tibetisches Nationalgebäck) oder etwa Chang (Gerstenbier) sind ihr geläufig; ein Zeichen hoher Identifikation. Eine Teilnehmerin brachte den Grund für Zusammenhalt und die starke Identifikation auf den Punkt: «Was uns von der Gesellschaft zusammenhält, ist wohl die Zuneigung zu Tibet und seinem Volk.» (mz/aen)

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