Bern
Oberster Polizeidirektor nennt Flüchtlinge «Negerbuebli»

Der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser hat Asylsuchende als «Negerbuebli» bezeichnet, für die die Schweiz ein «Schlaraffenland» sei. Dies sei «nicht rassistisch» gemeint gewesen, meinte der Präsident der Polizeidirektorenkonferenz.

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Berner Polizeidirektor Hans-Jürg Käser: «Ich bin alles andere als ein Rassist»

Berner Polizeidirektor Hans-Jürg Käser: «Ich bin alles andere als ein Rassist»

Keystone

Am Donnerstag durften die Bewohner von Burgdorf das neue Durchgangszentrum für Asylbewerber im Ort besichtigen. Ebenfalls anwesend war der Berner Polizeidirektor und Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren, Hans-Jürg Käser (FDP).

«Es kommen Nette, Scheue, Traumatisierte, aber auch Schlitzohrige», sagte Käser gemäss der Zeitung «Der Bund» in seiner Rede und erinnerte an die tägliche Schwemme von neuen Flüchtlingen an Italiens Küsten. Europa sei ein Paradies, die Schweiz ein Schlaraffenland», führte Käser weiter aus und meinte: «Das wissen nicht nur wir, sondern auch die Negerbuebli.»

Mit seiner Wortwahl erntet der Berner Regierungsrat heftige Kritik. Grünen-Regierungsrätin Regula Rytz (BE) sieht darin ein «Stammtischniveau» à la SVP. Ihre Parteikollegin Aline Trede forderte auf Twitter gar Käsers Rücktritt als Präsident der Polizeidirektorenkonferenz.

Gegenüber «20 Minuten» relativierte Käser am Freitag seine Worte: Viele Zuhörer seien 60 Jahre oder älter gewesen. Er habe in einer Sprache sprechen wollen, die diese auch verstehen. Seine Aussage sei «absolut nicht rassistisch» gemeint. «Ich habe überhaupt nichts gegen Schwarze», so Käser.

«Ich bin alles andere als ein Rassist», verteidigte sich Käser am Freitag auch auf Radio Bern1. «Aber ich wollte den besorgten Leuten vor Ort die Zusammenhänge klar machen.» Er würde den Ausdruck «Negerbuebli» vor demselben Publikum wieder benützen.

Der FDP-Politiker muss nicht zum ersten Mal Kritik wegen seines Vokabulars einstecken, wie der «Bund» schreibt. An einer Wahlkampfveranstaltung im Februar im Kanton Bern meinte er im Hinblick auf die Masseneinwanderungsinitiative der SVP: «Jene, die noch nie einen Neger gesehen haben, stimmten meistens Ja» und schob sogleich nach: «Pardon, einen Schwarzen.» (cze)