Andreas Tschopp

Donnerstagabend nach 22 Uhr hält bei der Bushaltestelle Landschreiber in Nussbaumen ein Auto. Zwei jüngere Männer springen heraus, einer hetzt auf die andere Strassenseite. In Windeseile bringen die beiden mit einem Tacker Veranstaltungsanzeigen in den Bushaltestellen an und verschwinden dann im Auto wieder.

Das Resultat dieses nächtlichen Tuns ist ein wirres Durcheinander auf den Plakatwänden im öffentlichen Raum. Diesem «Wildwuchs» will die Gemeinde Obersiggenthal nun Einhalt gebieten. Sie hat die Bewirtschaftung ab Oktober neu an die Firma Fusion Light in Kleindöttingen vergeben (die AZ berichtete).

Hunziker begrüsst Ordnung, aber...

Diese externe Vergabe der Plakatbewirtschaftung hat Denise Hunziker (SP) zu einer Anfrage im Einwohnerrat Obersiggenthal bewogen. «Ich begrüsse grundsätzlich das Ziel, in Sachen Plakatbewirtschaftung in der Gemeinde eine Ordnung herzustellen», hält die SP-Politikerin einleitend fest. Es müsse dabei aber garantiert werden können, «dass die ortsansässigen Vereine nicht zu kurz kommen», betont Denise Hunziker.

Besonders stört sie jedoch die Absicht, «politische Werbung kostenpflichtig zu machen». Die SP-Einwohnerrätin fragt deshalb den Gemeinderat an, ob dieser bereit sei, den politischen Parteien weiterhin die unentgeltliche Plakatierung zu gewährleisten? Falls nein, erwartet die Fragerin eine genaue Begründung.

Zudem möchte Denise Hunziker vom Gemeinderat wissen, ob die Gemeinde an den Einnahmen aus der Plakatbewirtschaftung beteiligt sei, ob der Rat Einfluss auf allfällige Tariferhöhungen habe, wer die Objektivität der Plakatplatzvergabe überprüfe und wie die «unabhängige Kontrolle» des Betreibers aussehe.

Obersiggenthal als Pilotgemeinde

Hintergrund für letztere Fragen bildet, dass die künftige Bewirtschafterin selber im Veranstaltungsbereich tätig ist, sei es durch die Vermietung entsprechender Technik, aber auch bei der Werbung für Veranstaltungen. «Unsere Kunden regen sich auf, wenn immer alles sogleich überklebt wird», sagt Werner Frey, Geschäftsführer von Fusion Light, die nach eigenen Angaben seit 1984 Plakate aushängt.

Aufgrund dieser (schlechten) Erfahrung habe seine Firma ein Bewirtschaftungskonzept ausgearbeitet und allen Gemeinden der Region zugestellt. Obersiggenthal sei nun als erste Gemeinde «darauf eingestiegen», sagt Frey.

20000 Franken für neue Wände

Laut dem Geschäftsführer investiert Fusion Light als Vorleistung 20000 Franken in neue Plakatwände mit Metallflächen, auf die die gebuchten Veranstaltungsanzeigen in Zukunft aufgeklebt werden. «Das braucht weniger Papier und gibt weniger rote Köpfe», ist Werner Frey überzeugt, «und hat nur Vorteile für die Gemeinden.» Obersiggenthals Gemeinderat nimmt später Stellung zu den Fragen.