Obama
Obama will die Welt vor einem atomaren Terroranschlag retten

Seit dem 11. September 2001 gehört die Angst vor einem Terroranschlag mit Atomwaffen zu den grössten Gefahrenquellen Amerikas. Weltweit ist genügend Material für den Bau von mehr als 120 000 Atombomben vorhanden. Barack Obama will am Atomgipfel nuklearen Terrorismus thematisieren. Auch die Schweiz ist eingeladen.

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Atomarer Balanceakt

Atomarer Balanceakt

Renzo Ruf, Washington

«Falls es jemals zu einer Detonation in New York City oder in London oder in Johannesburg kommen würde, dann wären die Auswirkungen verheerend», warnte Präsident Barack Obama im Vorfeld seines Atomgipfels, zu dem er 46 Staats- und Regierungschefs nach Washington eingeladen hat.

Obama liegt die Sicherstellung von Plutonium und Uran seit Jahren am Herzen. Auf seiner ersten Auslandsreise als neues Mitglied der aussenpolitischen Kommission im US-Senat inspizierte der demokratische Politiker 2005 in Russland, der Ukraine und Aserbaidschan ehemalige Waffenlager der Sowjetunion. Diese Reise habe eine «unglaubliche Auswirkung» auf Obama gehabt, weil er erstmals den «industriellen Komplex» hinter dem Wettrüsten des Kalten Kriegs zu Gesicht bekommen habe, sagt Mark Lippert, ein ehemaliger Berater des Präsidenten.

Zusammen mit dem Republikaner Richard Lugar brachte Obama 2007 einen Gesetzesentwurf ein, der die Kooperation zwischen den USA und Russland in Abrüstungsfragen verbesserte – und es den USA erlaubte, Massenvernichtungswaffen sicherzustellen.

Gefahrenherd Pakistan

So weit die Theorie. Seitdem er ins Weisse Haus eingezogen ist, sieht sich Obama bei der Bekämpfung des Atomschmuggels mit zahlreichen praktischen Problemen konfrontiert. So gehört Pakistan, ein oft widerborstiger Verbündeter im Kampf der Amerikaner gegen Terroristen, zu den grössten Gefahrenquellen auf dem Globus. «Pakistan ist instabil und die Eliten sympathisieren offen mit Islamisten», sagt Joseph Cirincione, Präsident des Abrüstungsinstituts «Ploughshares Fund». Zudem rüstet Pakistan atomar auf, weil sich Erzfeind Indien seit der Unterzeichnung eines Atomabkommens mit den USA wieder legal nuklearen Brennstoff beschaffen darf. «Die beiden Staaten von der Dringlichkeit des Vorhabens zu überzeugen, wird nicht einfach sein», sagt deshalb Cirincione. Hinzu kommt: Weder Indien noch Pakistan haben den Atomsperrvertrag unterzeichnet, während Iran – derzeitiger Paria der Weltgemeinschaft – zu den Signatarstaaten gehört.

Heikler Umgang mit Russland

Ähnlich knifflig ist der Umgang mit Russland, in dem die ehemaligen Sowjet-Bestände von nuklearem Material gemäss Experten ebenfalls nicht genügend vor Diebstahl gesichert sind. Obama ist aber auf einen guten Draht zum Kreml angewiesen, zum einen, um die gemeinsamen Abrüstungsgespräche nicht zu blockieren, zum anderen, weil Moskau im UNO-Sicherheitsrat ein Vetorecht besitzt.

Gemäss dem Weissen Haus will Obama die zahlreichen bilateralen Gespräche mit den Gipfel-Teilnehmern nutzen, um auf die Dringlichkeit seines Vorstosses aufmerksam zu machen. Offiziell heisst es, dass kein Teilnehmerstaat an den Pranger gestellt werden soll.

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