Mit den warmen Temperaturen werden auch Flüsse und Seen von Schiffen und Booten wieder in Beschlag genommen. Jedem sind die mit Bierharassen und Kühlboxen gefüllten Schlauchboote bekannt, die reihenweise die Flüsse hinuntertreiben.

Auch die Ansammlungen von Motorbooten mit lauter Partymusik auf den Seen. Es wird gerne feuchtfröhlich gefeiert auf Schweizer Gewässern.

Doch diesen Sommer erhält das ganze Spektakel einen Dämpfer. Seit Mitte Februar gilt auf dem Wasser derselbe Alkoholgrenzwert wie auf Schweizer Strassen: 0,5 Promille.

Das Bundesamt für Verkehr hat sich deshalb auch dazu veranlasst gefühlt, die wichtigsten Fragen zum Thema zu beantworten. Die neuen Bestimmungen gelten sowohl für motorisierte als auch für nicht motorisierte Schiffe und Boote.

«Schlauchboote, Kanus, Jollen, Pedalos, Ruderboote, Kajaks, Beiboote und auch Badegeräte» würden dem Grenzwert unterstehen, schrieb das Bundesamt vergangene Woche. Die zuständigen Behörden – also die Polizei – könnten aber «im Einzelfall» und wenn «keine konkreten Gefährdungen» vorliegen würden von einer Bestrafung absehen.

Ausweisentzug ab 0,8 Promille

Wie auf der Strasse gilt die Alkoholgrenze für jene Person, die das Steuer bedient oder das Schiff beziehungsweise Boot führt. Anders als beim Autofahren muss der Grenzwert aber auch eingehalten werden, wenn das Schiff «auf offenem Wasser» geankert ist.

Im Hafen, am Ufer oder wenn das Schiff an einer Boje befestigt ist, wird die Regelung nicht angewendet. Wer mit einem Alkoholwert von über 0,8 Promille erwischt wird, muss seinen Ausweis auf der Stelle abgeben.

Bei einem Wert darunter muss mit einer Busse und einer Verwarnung gerechnet werden – ausser, es handelt sich um einen Wiederholungstäter. Dann wird der Ausweis ebenfalls entzogen.

Noch wenig «Auffälliges»

Aufgrund des eher schlechten Wetters an den Wochenenden hielt sich die Festlaune auf dem Wasser bislang noch in Grenzen. Bei der Seepolizei des Kantons Zürich ist deshalb auch noch nichts «Auffälliges» in diesem Zusammenhang geschehen.

Die Kontrollen würden wie bis anhin durchgeführt. Spezielle Beachtung habe man dem Promille-Grenzwert noch nicht geschenkt. Bezüglich der Sommermonate hält sich die Polizeistelle bedeckt. «Aus polizeitaktischen Gründen können wir über allfällige Vorbereitungen keine Auskunft geben», heisst es.

Im Kanton Bern wurde bereits vor dieser Regelung der Grenzwert von 0,5 Promille auf dem Wasser angewendet – wenn ein fehlbares Verhalten vorlag. Mit der Verordnung habe die Polizei nun eine «klarere Handhabung».

«Wir werden aber nicht flächendeckend Alkoholkontrollen vornehmen», teilt die Medienstelle mit. Diese würden im Rahmen der ordentlichen Kontrolltätigkeit auf dem See und allenfalls bei «Auffälligkeiten» erfolgen.

Im Sommer finden täglich Kontrollen auf den Gewässern statt. In erster Linie würden aber immer noch auf einen Vorfall hin Kontrollen durchgeführt.

Die neue Promille-Grenze wurde wegen des tödlichen Unfalls auf dem Bielersee im Sommer 2010 eingeführt. Mehrere Kantone übten Druck auf den Bund aus.

Ein Rentner hatte mit seinem Motorboot ein Gummiboot gerammt. Eine junge Frau starb, nachdem sie von der Schiffsschraube erfasst worden war.