Kosten

Ob Fussgänger, Velo oder Auto: Kein Verkehrsträger trägt alle Kosten selbst

Stau auf der Autobahn (Symbolbild)

Stau auf der Autobahn (Symbolbild)

Der Verkehr verursachte im Jahr 2010 Kosten von insgesamt 94,7 Milliarden Franken. Das sind 12000 Franken pro Einwohner. Am teuersten war mit Abstand der Strassenverkehr mit 78 Milliarden.

Nahezu 100 Milliarden Franken lässt sich die Schweiz den Verkehrjährlich kosten. Dabei tragen weder Schiene noch Strasse noch die Luftfahrt alle Aufwendungen selbst. Über 7 Milliarden Franken gehen zu Lasten der Allgemeinheit.

Erstmals hat das Bundesamt für Statistik (BFS) auch den Langsam- und den Luftverkehr mitberechnet. Alles in allem beliefen sich die Kosten 2010 auf 94,7 Milliarden Franken. Das entspricht einem Sechstel des Bruttoinlandprodukts oder 12'000 Franken pro Einwohner, wie das BFS am Dienstag vor den Medien erläuterte.

Der motorisierte Strassenverkehr machte mit 72,1 Milliarden den Löwenanteil der Gesamtkosten aus. Der Schienenverkehr schlug mit 10,3 Milliarden zu Buche, der Luftverkehr mit 6,4 Milliarden Franken.

20 Milliarden für Unfälle, Umwelt und Gesundheit

Der grösste Teil der Kosten entsteht durch Anschaffung, Betrieb und Unterhalt der Verkehrsmittel. 2010 entsprach dies 58,6 Milliarden Franken oder 62 Prozent des Totals. Für die Infrastruktur wurden 15,6 Milliarden ausgegeben, für Unfälle 12 Milliarden. Negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit kosteten 8,5 Milliarden Franken.

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Anteilsmässig waren die Umwelt- und Gesundheitskosten im Luftverkehrmit 15 Prozent am grössten. Laut BFS ist dies vorab auf CO2-bedingte Klimaschäden zurückzuführen. In absoluten Zahlen war der motorisierte Strassenverkehr mit 6,8 Milliarden Franken aber für über drei Viertel der Umwelt- und Gesundheitskosten verantwortlich.

Auch Fussgänger und Velofahrer kosten

Der Personenverkehr allein verursachte 2010 Kosten von 73,6 Milliarden Franken, also mehr als drei Viertel der gesamten Aufwendungen. Davon machte der Strassenverkehr 59,6 Milliarden Franken aus.

Die Kosten des Langsamverkehrs werden vom BSF mit 5,9 Milliarden Franken beziffert, wobei hier drei Viertel auf selbstverursachte Unfälle zurückzuführen sind. Der Schienenverkehr kostete 8,3 Milliarden, der Luftverkehr 5,7 Milliarden Franken.

Der Güterverkehr trug mit 21,1 Milliarden Franken lediglich zu einem Viertel der Gesamtkosten bei. Auf der Strasse verursachten die Transporte mit Lieferwagen höhere Kosten als jene mit schweren Fahrzeugen (9,5 gegenüber 8,8 Mrd. Fr). Weniger bedeutend waren die Kosten des Güterverkehrs auf der Schiene (2,0 Mrd. Fr.) oder in der Luft (0,7 Mrd. Fr.).

Allgemeinheit zur Kasse

Im Personenverkehr wurden 83 Prozent der Kosten von den Nutzern finanziert. Im privaten motorisierten Strassenverkehr lag der entsprechende Anteil mit 90 Prozent zwar etwas höher. Der verbleibende Zehntel (5,2 Mrd. Fr.) musste aber von der Allgemeinheit getragen werden, dies in Form von Umweltschäden sowie Gesundheitskosten und Unfallfolgen für Dritte.

Der öffentliche Verkehr wird für eine flächendeckende Grundversorgung und zur Förderung der Nachhaltigkeit staatlich unterstützt. Dies führt gemäss BFS dazu, dass Bahnpassagiere und öffentliche Hand mit 48 beziehungsweise 47 Prozent etwa einen gleich grossen Kostenanteil übernahmen. Die restlichen 5 Prozent gingen zu Lasten der Allgemeinheit.

Im Luftverkehr konnten 83 Prozent der Kosten durch Transportentgelte gedeckt werden. 2 Prozent finanzierten die Airlines und Flughafenbetreiber mit Gewinnen aus Nebengeschäften. 15 Prozent oder 841 Millionen Franken verblieben der Allgemeinheit, vor allem infolge von Klimaschäden und Fluglärm. Einzig beim Langsamverkehr entstanden keine Kosten für die Allgemeinheit.

Kosten auch im Güterverkehr nicht vollständig gedeckt

Auch im Güterverkehr auf der Strasse wurde keine vollständige Kostendeckung erreicht. Im Schwerverkehr war sie mit 97 Prozent etwas höher als bei den Lieferwagen (94 Prozent). Insgesamt wurde die Allgemeinheit aufgrund des Strassengüterverkehrs mit 844 Millionen Franken belastet.

Beim Luftverkehr übernahmen die Nutzer 81 Prozent der Kosten, und 8 Prozent konnten mit Gewinnen aus Nebengeschäften kompensiert werden. Mit dem Ziel der Verlagerung von der Strasse auf die Schiene wurde der Schienengüterverkehr von der öffentlichen Hand mit 561 Millionen Franken unterstützt, weshalb dort die Nutzer lediglich 54 Prozent der Kosten tragen mussten.

Thema Verkehrsfinanzierung hängig

Zum Thema Kostenwahrheit im Verkehr wird sich voraussichtlich nächstes Jahr auch das Volk äussern können, wenn die "Milchkuh-Initiative" zur Abstimmung gelangt. Diese verlangt, dass die Einnahmen aus dem Strassenverkehr vollumfänglich in die Strasseninfrastruktur investiert werden. Im Parlament ist ausserdem die Vorlage zur Schaffung eines Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) hängig.

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