Nur 57 Sans-Papiers absolvieren eine Berufslehre

Kari Kälin
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SwissSkills 2018 auf dem Gelände der Bern Expo in Bern. Auf dem Bild zu sehen ist Chantale Ambühl aus Schötz, Coiffeuese EFZ. Das Bild entstand am Samstag, 15. September 2018.Bild: (Pius Amrein / LZ)SwissSkills, Swissskills, Swiss Skills, Skills, Berufe, Bildung, Ausbildung, Berufsbildung, Berufswettbewerb, Berufsmeisterschaft, Coiffeur, Landwirt, Elektrosinstallateur, Swiss skills

SwissSkills 2018 auf dem Gelände der Bern Expo in Bern. Auf dem Bild zu sehen ist Chantale Ambühl aus Schötz, Coiffeuese EFZ. Das Bild entstand am Samstag, 15. September 2018.

Bild: (Pius Amrein / LZ)

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Pius Amrein (lz), Luzerner Zeitung

Das Eidgenössische Parlament stimmte der Neuerung nach emotionaler Debatte knapp zu, im ­Februar 2013 ist sie in Kraft getreten: Seither dürfen junge Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus eine Lehre absolvieren, falls sie eine Reihe von Bedingungen erfüllen. Etwa müssen sie fünf Jahre ohne Unterbruch die obligatorische Schule besucht haben.

Gemäss Experten könnten jährlich 200 bis 400 jugendliche Sans-Papiers eine Berufslehre in Angriff nehmen, wie die Eidgenössische Migrationskommission auf ihrer Homepage schreibt. Zwischen dem Potenzial und der Realität klafft aber eine riesige ­Lücke. In den bald sieben Jahren, seit denen eine Ausbildung erlaubt ist, haben bloss 57 Sans-Papiers eine Lehre begonnen, wie das Staatssekretariat für Migration sagt. Der Bund muss die Sans-Papier-Lehren nach einem positiven Entscheid der kantonalen Migrationsbehörden genehmigen.

Es besteht das Risiko einer Wegweisung

Am meisten Sans-Papiers-Lehrlinge (35) leben im Kanton Waadt. Gemäss Personen, die mit der Thematik vertraut sind, erhalten die Jugendlichen nach erfolgreichem Lehrabschluss eine Aufenthaltsbewilligung.

Weshalb stellen nicht mehr junge Sans-Papiers ein Gesuch? Ein möglicher Grund: Wenn sie sich bei den Behörden melden, müssen sie Angaben über ihre Eltern und Geschwister machen – und riskieren deren Wegweisung, falls sie ebenfalls illegal in der Schweiz leben. Die Migrationskommission fordert deshalb, dass auch die Eltern und Geschwister der betroffenen Person für die Dauer der Lehre eine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Aktuell steht in der entsprechenden Verordnung bloss eine «Kann»-Formulierung.

Die Migrationskommission hält die Hürden generell für zu hoch und verlangt weitere Reformen, um den Zugang zur Sans-Papiers-Lehre zu erleichtern. So sollen etwa drei anstatt fünf Schuljahre genügen. Schliesslich sollen Sans-Papiers nach erfolgreicher Ausbildung in der Schweiz bleiben dürfen, ohne zusätzlich ein Härtefallgesuch einreichen zu müssen. Der Bundesrat zeigte bis jetzt kein Gehör für diese ­Anliegen. Er setzte die Vorschläge der Migrationskommission in der neuen ­Integrationsverordnung nicht um.

Gemäss der jüngsten Schätzung des Bundes wohnen zwischen 58000 und 105000 Sans-Papiers in der Schweiz. Der Bundesrat arbeitet derzeit an einem Bericht über die Probleme, die sich im Zusammenhang mit Menschen ohne Aufenthaltsrecht ergeben. Die ­Migrationskommission hofft, dass die Landesregierung der Forderung nach einem erleichterten Zugang zur Berufslehre für Jugendliche Rechnung trägt.

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