Freiburg (D)

Nun wurde der Antiquar für seinen Schweiz-Zuschlag angezeigt

Deutscher Verkäufer diskriminiert Schweizer Kunden

Deutscher Verkäufer diskriminiert Schweizer Kunden

Einkaufstouristen müssen 20 Prozent mehr bezahlen

Der Inhaber eines Antiquariats in Freiburg (D) will die Gier der Schweizer zügeln und verlangt deshalb, dass sie für alle Produkte 20 Prozent mehr bezahlen. Nun wurde gegen ihn Anzeige erstattet.

Michael Plietzsch besitzt in Freiburg im Breisgau ein Antiquariat, in dem für Schweizer höhere Preise gelten als für Deutsche. Mit einem Zettel werden Kunden schon vor dem Betreten des Geschäfts darauf aufmerksam gemacht, dass für Schweizer ein Preisaufschlag von 20% gilt. 

Der 59-jährige Ladeninhaber befürchtet, dass Waren nur wegen des momentan bestehenden Währungsvorteils gekauft werden und will den Schweizern so den Riegel vorschieben. Der Schweizerzuschlag sei eine individuelle Entscheidung gewesen, «sie richtet sich gegen die Gier», sagt er in einem Beitrag von Tele M1.

Die Schweizer, die im Städtchen unterwegs waren, zeigten sich gegenüber Tele M1 überhaupt nicht erfreut über diese Massnahme. «Abzocke», meint ein Mann und eine Passantin findet, die Deutschen sollen froh sein, wenn die Schweizer in Deutschland einkaufen. Der Aufschlag ruft auch Unverständnis hervor, die Schweizer fragen sich, warum sie mehr bezahlen sollen und wieso in einem Laden zwei Preise für das gleiche Produkt existieren.

Dialekt verrät die Schweizer

Plietzsch ist das egal. Doch wie merkt er, ob jemand aus der Schweiz kommt? «Wenn jemand einen schweren, deutlich erkennbaren Schweizer Dialekt spricht, spreche ich ihn auf die Regeln für Schweizer an.» Schummler haben beim Händler keine Chance, versucht ein Schweizer Deutschland als seine Heimat anzugeben, wird ein Ausweis verlangt. Wer weiterhin Bücher und Kunst zu Deutschland-Preisen kaufen will, muss sich also ein lupenreines Deutsch zulegen.

Plietzsch gibt an, nichts gegen die Schweizer zu haben, im Gegenteil, er schätze die Schweiz. Das Geld, das Plietzsch durch die Schweizer zusätzlich einnimmt, spendet er an ein Heim für Behinderte.

Anzeige wegen Volksverhetzung

Ob die unkonventionelle Methode des Antiquars rechtlich zulässig ist, wird sich zeigen. Denn gegen den Deutschen wurde eine Anzeige eingereicht, wie der «Blick» berichtet. Angezeigt wurde er von einem Deutschen, der in der Schweiz aufgewachsen und wohnhaft ist. Der 36-jährige Anzeigeerstatter bezieht sich dabei auf den Strafbestand der Volksverhetzung.

Bis zu fünf Jahre Gefängnis können Plietzsch laut dem deutschen Strafgesetzbuch drohen, denn strafbar macht sich, «wer gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe zum Hass aufstachelt» oder «Willkürmassnahmen auffordert». Ob der 20 Prozent-Aufschlag für Schweizer im Antiquariat dazugehört, ist noch unklar.

Die Anzeige wurde gemäss Blick an die Kriminalpolizei weitergeleitet, die zusammen mit der Staatsanwalt entscheidet, ob es zu einem Verfahren gegen Plietzsch kommt. (jgl)

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