Burkhalter-Nachfolge

Nun geht das Gerangel los: Ignazio Cassis erster Anwärter – Pierre Maudet Kronprinz

Wird derzeit als einer der Top-Favoriten in der Burkhalter-Nachfolge gehandelt: Der Tessiner FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis. (Archivbild)

Wird derzeit als einer der Top-Favoriten in der Burkhalter-Nachfolge gehandelt: Der Tessiner FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis. (Archivbild)

Nach dem Rücktritt von Bundesrat Didier Burkhalter sucht die FDP einen Nachfolger aus der Romandie oder dem Tessin. In der Westschweiz fällt der Name des Genfer Staatsrats Pierre Maudet, aus dem Tessin gehört Ignazio Cassis zu den Favoriten.

Eines sei sicher, sagt der langjährige FDP-Präsident Philipp Müller wenige Minuten nach der Rücktrittsankündigung Didier Burkhalters schmunzelnd. «Ich werde nicht sein Nachfolger, ich bin viel zu alt.» Fernab vom plötzlich aufgezogenen Politsturm sitzt der 64-jährige Aargauer im Vorzimmer des Ständeratssaales, froh, dass an diesem Abend andere von Medienschaffenden belagert werden.

Auf Ignazio Cassis stürzen sich alle, auf ihn vor allem, den Tessiner Nationalrat, Fraktionschef und Gesundheitspolitiker. «Ich schliesse eine Kandidatur nicht aus», sagt der 55-Jährige vielsagend. «Mit dem Gedanken zu spielen, sich irgendwann für dieses Amt zu bewerben, und einen solchen Entscheid dann auch wirklich zu fällen, wenn es ernst gilt, sind allerdings zwei völlig unterschiedliche Dinge.»

Klar ist: Das Tessin, das seit dem Rücktritt von Flavio Cotti im Jahr 1999 nicht mehr in der Landesregierung vertreten ist, erhebt Anspruch auf die Nachfolge Burkhalters. «Diese Vakanz ist für unseren Kanton eine grosse Chance», sagt Cassis. Den beiden anderen Tessiner Freisinnigen in Bern – Ständerat Fabio Abate und Nationalrat Giovanni Merlini – werden allerdings kaum Chancen eingeräumt. Und der erst 44-jährige Vizepräsident der FDP Schweiz und Tessiner Staatsrat Christian Vitta dürfte auf nationalem Terrain noch zu unbekannt und unerfahren sein.

Verzichtet Cassis auf eine Bundesratskandidatur oder haben entweder die FDP oder das Parlament Bedenken, mit dem Präsidenten des Krankenkassenverbandes Curafutura und des Heimverbandes Curaviva einen Vollzeitlobbyisten auf den Thron zu hieven, steht das Tor für welsche Papabili weit offen. Hoch gehandelt werden die beiden Regierungsräte Pierre Maudet und Pascal Broulis. Der 39-jährige Genfer Maudet gilt als Shootingstar der FDP, als Gegenentwurf zu SP-Bundesrat Alain Berset quasi. Spätestens seit den Anschlägen im benachbarten Frankreich kennt man ihn auch in der Deutschschweiz – er warnt eindringlich davor, dass die Schweiz jederzeit zur Zielscheibe werden könne.

Bereits zwei welsche Vertreter

Während sich Maudet als Sicherheitspolitiker einen Namen gemacht hat, gilt der 52-jährige Waadtländer Broulis als gewiefter Finanzpolitiker: In kurzer Zeit baute er kantonale Schulden in der Höhe von acht Milliarden Franken ab. Broulis hatte 2009 für die Nachfolge Pascal Couchepins kandidiert, unterlag aber Didier Burkhalter. Aus demselben Kanton wie Broulis stammen zwei Aussenseiter: Nationalrätin Isabelle Moret und Ständerat Olivier Français. Allerdings kommt mit SVP-Magistrat Guy Parmelin schon ein Bundesrat aus der Waadt.

Nicht restlos geklärt ist die Frage, ob der Nachfolger oder die Nachfolgerin Burkhalters überhaupt aus der lateinischen Schweiz zu kommen hat, wird dieser Landesteil mit Berset und Parmelin doch auch nach dem Ausscheiden des Neuenburgers über zwei Sitze verfügen. Sowohl der Bündner Ständerat Martin Schmid als auch seine St. Galler Ratskollegin Karin Keller-Sutter haben Bundesratsformat. Sie dürften – wenn sie wollen – spätestens dann in die Kränze kommen, wenn Johann Schneider- Ammann abtritt. Den Rücktritt des zweiten FDP-Bundesrats hatte man eher vor jenem Burkhalters erwartet. Nun dürfte der Druck auf den 65-Jährigen steigen, es seinem Parteikollegen bald gleichzutun – und so das Kandidatenfeld weiter zu öffnen.

Didier Burkhalters Jahre als Bundesrat - ein Rückblick

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Bern - 14.06.16 - Didier Burkhalters Rücktritt kommt überraschend. Acht Jahre lang half der Neuenburger FDP-Politiker, die Geschicke des Landes führen, zuerst als Vorsteher des Innendepartements, später als Aussenminister. Bilder seiner Laufbahn im Video.

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