«Noch selten so wenige Fusions-Turbos erlebt»

Kathrin Härdi, Brunegger Gemeindeammann und Sprecherin der Vorbereitungsgruppe, mit Referent Reto Steiner (Bild: tf)

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Kathrin Härdi, Brunegger Gemeindeammann und Sprecherin der Vorbereitungsgruppe, mit Referent Reto Steiner (Bild: tf)

Nicht erst seit der gescheiterten Ehe zwischen Lenzburg und Niederlenz sind Gemeindefusionen im Bezirk ein Thema. Die Gemeindeammänner hörten sich im Rahmen eines Workshops ein Impulsreferat von Professor Reto Steiner an und wollen bis Ende der Amtsperiode eine Auslegeordnung erstellen.

Fritz Thut

Im letzten September beschlossen die Gemeindeammänner des Bezirks Lenzburg, sich intensiv mit den Themen Gemeindefusionen und -zusammenarbeit zu befassen. Bei der jüngsten Zusammenkunft in Ammerswil fand nun ein erster Workshop statt.

Reto Steiner, Professor am Kompetenzzentrum für Public Management an der Universität Bern und schweizweit bekannter Experte in Fragen rund um interkommunale Kooperationen, vermittelte in einem Impulsreferat die theoretischen Grundlagen für die weiteren Diskussionen und Arbeiten.

Steiner, selbst ehemaliger Einwohnerrat in Langenthal und mittlerweile bernischer Grossrat, dozierte nicht aus dem Elfenbeinturm, sondern schmückte seine Ausführungen mit vielen praktischen Beispielen und Müsterchen.

(Zu) Viele Gemeinden hierzulande

Mit seinem Referat, das er unter den Titel «Gemeindereformen in der Schweiz - Folgerungen für den Bezirk Lenzburg» stellte, wollte er den Gemeindeammännern Inputs geben, herauszufinden, welche der zahlreichen Reformmöglichkeiten bei ihnen sinnvoll sein könnten.

Die Schweiz, und speziell der Aargau, weisen im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viele Gemeinden auf, deren durchschnittliche Grösse folgerichtig unterdurchschnittlich ist. Die Basisdemokratie hält die Fusionitis hier in Grenzen, oder wie es Steiner ausdrückt: «Die Referedumsmöglichkeit bremst die Turbo-Mentalität.»

Ganz der neutrale Wissenschaftler listete der Referent Vor- und Nachteile von Gemeindezusammenschlüssen auf und erntete in dieser Runde mit der Feststellung «Reine Euphorie bei Fusionen ist fehl am Platz» Kopfnicken. Er plädierte auch dafür, dass bei einer Vermählung zweier Gemeinden die «Argumente des Herzens» mit zu berücksichtigen seien: «Ein minimales Prickeln muss vorhanden sein.»

Auslegeordnung im Herbst

Bei der anschliessenden Diskussion war bei den Vertretern der 20 Gemeinden des Bezirks kein solches Prickeln zu spüren. Die mehrheitlich kritischen Einwände lösten bei der Verabschiedung des Referenten eine überraschende Erkenntnis aus: «Ich habe selten bei einer Veranstaltung derart wenige Fusions-Turbos erlebt.»

Doch die Suche nach weiterer Optimierung bei der Führung der Gemeinden ist keineswegs vom Tisch. In zwei Arbeitsgruppen listeten die Gemeindeammänner Chancen und Gefahren von Fusionen und verstärkten Zusammenarbeit unter den Gemeinden auf. Bei der ersten Analyse im Plenum wurde klar, dass in der Region effektive Zusammenschlüsse in den nächsten Jahren kaum zum Thema werden.

Kathrin Härdi (Brunegg) als Sprecherin der Vorbereitungsgruppe räumte ein, dass «dieser Prozess Zeit braucht». Hans Huber (Lenzburg) schlug vor, «sich vorerst auf Zusammenarbeit zu konzentrieren», wobei man da bereits viel realisiert hat. Für Hanspeter Gehrig (Ammerswil) sind hier «die Grenzen ebenfalls schon fast erreicht».

Trotzdem wollen die Lenzburger Gemeindeammänner am Ball bleiben. An einem zweiten Workshop, zu dessen Vorbereitung allen «ein Kriterien-Katalog für eine differenzierte Ist-Analyse jeder einzelnen Gemeinde» zugestellt wird, will man im September eine saubere Auslegeordnung erstellen.

Dies wäre dann die Basis für die teilweise neuen Räte der Legislaturperiode 2010/13 um allfällige neue Kooperationsmodelle zu initiieren. Mit vermehrter Kommunikation auf Ammann-Ebene könne man vielleicht «die Position des Bezirks Lenzburg innerhalb des Kantons steigern», so Fritz Wirz (Othmarsingen).

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