Talal Hallak hat gut lachen. Der kanadisch-libanesische Geschäftsmann übernahm vor zwei Jahren zehn Schweizer Hochseeschiffe aus der Pleite-Flotte von Reeder Hansjürg Grunder. Etwa 70 Millionen Franken machten Hallak und ein kanadischer Investor für die Schiffe locker. Ein Schnäppchen, und dem Bund blieb ein Schaden von etwa 215 Millionen.

In den letzten Monaten hat Hallak bereits zwei der Schiffe wieder veräussert, mit schönem Gewinn. Der Geschäftsmann rühmt auf Anfrage: «Die Eigentümer sind sehr glücklich mit der Performance der Schiffe, und wir haben zwei Schiffe erfolgreich verkauft.»

Weniger zu lachen haben die Steuerzahler in der Schweiz.

Schon vor einem Jahr, im März 2018, titelte diese Zeitung: «Zweite Hochseeflotte in Nöten: Bund stellt weitere 100 Millionen Franken zurück.» Es ging um die Genfer Reederei Massoel, die acht vom Bund mit Bürgschaften finanzierte Hochseeschiffe selbst besitzt und drei weitere Schiffe bereedert, in denen Bundes-Millionen stecken.

Verkauf war kein Thema

Während Hallak nach Käufern für die Schweizer Schiffe Ausschau hielt, wollte Massoel die Krise aussitzen und die Schiffe nicht verkaufen. Zwar gab es nachweislich Kaufinteressenten. Das wusste auch der Bund, aber er blieb passiv und machte keinen Druck auf die kriselnde Reederei.

Das schreckte bereits letztes Jahr den Aargauer Nationalrat Ueli Giezendanner (SVP) auf. Er reichte im Bundeshaus verschiedene Fragen zum neuen Millionen-Risiko ein. Wollte unter anderem wissen, ob der Bund Verkaufsangebote für die Massoel-Schiffe prüfe. Im Juni 2018 antwortete der damalige Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP): Nach seinen Informationen seien «im Moment weder Verkäufe von Hochseeschiffen geplant, noch laufen entsprechende Verhandlungen». Als Bürge habe der Bund «keine direkten Entscheidkompetenzen», sagte Schneider-Ammann.

Und: «Aus heutiger Sicht sind mit der Bildung von Rückstellungen in Höhe von 100 Millionen Franken die aktuellen Bürgschaftsrisiken abgedeckt.»

Schon wieder 130 Millionen

Aber der Bund hat sich verzockt. Aus den 100 Millionen sind mittlerweile bereits 130 Millionen geworden, wie die «NZZ am Sonntag» kürzlich berichtete. Denn die Situation von Massoel hat sich inzwischen weiter verschlechtert, der internationale Schiffsmarkt auch. Ausgerechnet jetzt sollen die Schiffe plötzlich doch noch verkauft werden. Das steht im Aussprachepapier, das der neue Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) dem Bundesrat vorlegte. Er hat die Millionenpleite von seinem Vorgänger geerbt. Sein Departement gibt sich derzeit wortkarg: «Sollte der Bundesrat irgendwann in diesem Jahr über einen Nachtragskredit entscheiden müssen, dann würde der Entscheid zweifellos kommuniziert», sagt eine Sprecherin.

Der Bund tappt zum zweiten Mal in die gleiche Falle. Wie Massoel wollte auch Pleite-Reeder Grunder seine Schiffe nicht verkaufen, und der Bund liess sich lange hinhalten. Statt die Flotte in Konkurs zu schicken, stundete der Bund Amortisationen. Der Schaden wurde immer grösser.

Am Schluss verlor Bern die Nerven und verkaufte Hals über Kopf an Hallak. 215 Millionen waren futsch.

Warner wurden ignoriert

Warnende Stimmen gab es auch im Fall Massoel, der 130 Millionen kosten könnte. Für Finanzkontrolleure und Kenner wie Giezendanner war schon 2018 klar: Der Bund muss dafür sorgen, dass die verbürgten Schiffe rasch verkauft werden. Weil das Risiko von Totalverlust gross ist. Weil die Schiffe laufend an Wert verlieren.

Giezendanner will in der nächsten Session einen neuen Vorstoss einreichen und wissen, was diesmal schiefgelaufen ist und warum.

Die Frage stellt sich umso mehr, als der Bund teure Beratungsfirmen anheuerte mit dem Ziel, den Schaden zu minimieren.

Massoel ist dabei längst nicht das Ende der Fahnenstange. Insgesamt hat der Bund noch etwa 500 Millionen an Schiffsbürgschaften offen.