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Noch mehr Ärger mit dem Swisspass: Warum Reisende ins Ausland einen zusätzlichen Zettel brauchen

Trotz der elektronischen Chipkarte brauchen Schweizer GA- oder Halbtax-Besitzer in Deutschland und Österreich einen Papierschein, um von den 25 Prozent Rabatt profitieren zu können.

Andreas Fahrländer und Dennis Bühler
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Rabattkarte dabei? Wer mit dem Swisspass nach Österreich und Deutschland will, benötigt ein zusätzliches Stück Papier.

Rabattkarte dabei? Wer mit dem Swisspass nach Österreich und Deutschland will, benötigt ein zusätzliches Stück Papier.

Keystone

28 Euro Aufpreis forderte der Schaffner im ICE. Der Passagier hatte zwar ein gültiges Billett für die Reise von Frankfurt nach Basel und auch sein GA dabei – gespeichert auf dem Swisspass. Das Lesegerät des deutschen Zugpersonals kann aber mit dem Swisspass nichts anfangen.

Für Fahrten von und nach Deutschland sowie Österreich gilt für Schweizer GA- oder Halbtax-Besitzer ein Rabatt von 25 Prozent. Früher konnten sie im deutschsprachigen Ausland zusammen mit dem Bahnbillett einfach das blaue GA oder Halbtax vorweisen und die Sache war gegessen. Mit dem Swisspass aber muss man zur roten Karte und zum Billett eine «Internationale Rabattkarte» auf einem zusätzlichen Papier mitführen. Wer das nicht dabei hat, zahlt drauf.

Auf die Frage, wieso darüber nicht richtig informiert wurde, sagte der Schaffner der Deutschen Bahn (DB) bloss: «Das ist nicht mein Problem.» Verhandeln liess er nicht mit sich, die 28 Euro waren fällig. Er riet: «Beschweren Sie sich bei den SBB.»

Kritik an den SBB

Das kommt schlecht an bei Walter von Andrian, Chefredaktor der «Schweizer Eisenbahn-Revue». Für ihn zeigt das Beispiel: «Der Swisspass bringt auf dem heutigen Stand nichts als Mehraufwand und eigentlich niemandem einen Nutzen.»

Mobility auf dem Swisspass: SBB führen auf Holzweg

Das Mobility-Abo auf den Swisspass laden? Eine simple Angelegenheit, wären da nicht die SBB: Auf Fragen nach einer Anleitung antwortete der Kundendienst dreimal falsch. Laut einem Mailverkehr, welcher der «Nordwestschweiz» vorliegt, verwiesen die SBB stets auf Neuanmeldungen, da im Portal swisspass.ch nicht vorgesehen ist, ein bestehendes Mobility-Abo auf die Karte zu laden. Schliesslich hiess es sogar, der Carsharing-Anbieter verzichte darauf, bestehende Abos auf den digitalen Schlüssel zum gemeinsamen Auto zu laden. Ein Anruf des genervten Mobility-Mitglieds genügte schliesslich, um das Problem zu lösen: Mit wenigen Clicks können Kunden neu im Mobility-Portal den Swisspass aktivieren. Auf Fragen nach den Falschinfos haben die SBB bisher nicht reagiert. (sat)

Wer einen neuen Swisspass erhält, bekommt eine Broschüre, in der zu lesen ist: «Bei Reisen von der Schweiz nach Deutschland und Österreich müssen Sie den Swisspass und die internationale Rabattkarte vorweisen.» Wer den Hinweis übersieht und im Ausland eine ermässigte Zugfahrt in die Schweiz kauft, hat Pech gehabt.

Technisch und rechtlich ist die Kontrolle im Ausland noch nicht möglich, weil die Kundendaten auf einem Schweizer Server liegen. Laut einer Sprecherin der DB ist der Swisspass auch für die Mitarbeiter ein Problem, weil es immer wieder zu Diskussionen mit Schweizer Bahnkunden komme. «Wir möchten mit den SBB eine Lösung finden.» Die Gespräche dazu laufen.

SBB-Sprecher Daniele Pallecchi sagt: «Im grenzüberschreitenden Verkehr müssen unter anderem die datenschutzrechtlichen Fragen noch beantwortet werden.» Für die Fahrgäste im internationalen Verkehr ist die Einführung des Swisspass zurzeit alles andere als eine Erleichterung. Wer seine Fahrkarte nicht in der Schweiz kauft, erfährt nämlich beim Billettkauf gar nichts von der neuen Regelung.

Dieses Argument lässt Pallecchi nicht gelten: «Wer reist, informiert sich. Auch wenn Sie mit dem Flugzeug oder dem Schiff unterwegs sind.»

Unzufriedene Kondukteure

Doch nicht nur im Ausland, auch in der Schweiz gibt es mit dem Swisspass Probleme. Hinter den Kulissen würden im verantwortlichen Verband öffentlicher Verkehr grosse Auseinandersetzungen toben, wie der Fahrausweisverkauf künftig digitalisiert werden kann und soll. Kondukteure beklagen die viel komplizierteren und langwierigen Billettkontrollen. Seit der Einführung des Swisspass gelinge es in der Hauptpendlerzeit selbst auf langen Strecken wie Zürich–Bern oder Sargans–Zürich kaum mehr, alle Passagiere zu kontrollieren, erzählt Andreas Menet, Präsident des Zugpersonalverbands Schweiz.

«Nun sind wir gezwungen, variabel zu kontrollieren», sagt er. «Das heisst: Wir kontrollieren die Züge nicht mehr wie früher von vorne bis hinten, sondern beginnen zum Beispiel am Montag im vordersten Wagen, am Dienstag im dritten, am Mittwoch im fünften.» Wenn die Kondukteure die Reihenfolge nicht wechselten, merkten die Schwarzfahrer bald, in welchem Wagen sie stets unkontrolliert blieben, gibt Menet zu Bedenken.

Die SBB hätten mit einer internen Weisung reagiert, verrät der Gewerkschafter. «Wenn wir es nicht schaffen, den Zug vor der Ankunft komplett zu kontrollieren, sollen wir wenigstens einmal durch den ganzen Zug gehen, damit uns die Passagiere zur Kenntnis nehmen.» Bei diesem sogenannten «Service-Gang» könnten die Zuggäste mit Informationen versorgt werden. Dafür bleibe wegen des Swisspass sonst kaum mehr Zeit. Und: «Das Problem wird sich bald verschärfen: Dann nämlich, wenn die Züge 400 Meter lang sind und bis zu 1400 Passagiere transportieren.»

SBB-Sprecher Pallecchi sagt dazu: «In gewissen Zügen und zu Stosszeiten kam es schon früher vor, dass nicht alle Fahrausweise kontrolliert werden konnten. Und bei der Kontrolle rutschten dann und wann auch ungültige GA und Halbtax durch.» Das passiere beim Swisspass nicht mehr. Die Kontrollen seien darum insgesamt besser geworden.

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