Nitratprojekt
Noch mehr Ackerland stilllegen

Zwar konnte der Nitratgehalt im Gäuer Trinkwasser gesenkt werden, doch ist er noch immer zu hoch. Jetzt sind weitere Massnahmen in Sicht, wofür 4,33 Mio. Franken investiert werden.

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Solothurner Zeitung

Bernhard Strässle

Die Region zwischen Oensingen und Olten wird intensiv für die Landwirtschaft genutzt. Als eine Folge davon gelangt viel - zu viel - Nitrat in den dortigen Grundwasserstrom. Im Jahr 2000 wurde auf einer Fläche von total 1660 Hektaren das damals in der Schweiz grösste Projekt zur Senkung des Nitratgehalts gestartet.

Dahinter steht noch heute die Nitratkommission Gäu-Olten, bestehend aus den vier grossen Wasserversorgungen und vier Vertretern der Bauernschaft sowie dem Amt für Landwirtschaft und dem Amt für Umwelt. Für die Landwirte, die sich am Projekt beteiligten, bedeutete dies, weniger Ackerbau zu betreiben. Für den Ertragsausfall wurden 2500 Franken pro Hektar und Jahr vereinbart.

Nach Anfangserfolg neuer Anstieg

Die Anstrengungen in der Landwirtschaft führten anfänglich zu einer spürbaren Senkung der Nitratgehalte im Grundwasser. Das Ziel, 25 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser, wurde jedoch nicht erreicht. Man war froh darüber, dass der Nitratgehalt die 40-Milligramm-Grenze nicht überstieg.

Nach dem Trockenjahr 2003 stiegen die Nitratgehalte wieder etwas an und stagnieren seither. Sicher haben auch die aussergewöhnlichen Wetterverhältnisse zu dieser Entwicklung beigetragen. Damit das Projekt überhaupt weitergeführt werden kann, müssen nun weitergehende Massnahmen in der Landwirtschaft vorgenommen werden. Denn so viel ist klar: Ein weiteres Stagnieren der Nitratgehalte wird von den Geldgebern nicht akzeptiert werden.

Ende November 2008 hat die Nitratkommission das definitive Gesuch zur Weiterführung des Nitratprojektes Gäu-Olten dem Bundesamt für Landwirtschaft eingereicht. Nach intensiven Diskussionen rund um die Massnahmen und deren Umsetzung konnte nun zwischen dem Amt für Umwelt und dem Bundesamt für Landwirtschaft eine Vereinbarung unterzeichnet werden, welche die Weiterführung des Nitratprojektes bis 2014 sichert.

Wenn es für den einen Verband knapp werden sollte

Der Nitratgehalt war zwar auch Thema an der Delegiertenversammlung des Zweckverbandes Regionale Wasserversorgung Gäu. Noch mehr aber die Verbindungsleitung zum Untergäu, die bei diesem Anlass eingeweiht wurde. Mit dieser Verbindungsleitung könnten die beiden Zweckverbände Gäu und Untergäu im Störfall einander aushelfen. Die neue Transportleitung Gäu-Untergäu ist 2,9 Kilometer lang und weist eine Nennweite von 250 Millimeter auf. Das Leitungstrassee führt vom Grundwasserpumpwerk Neufeld Neuendorf auf der Nordseite des Schachenwegs über Mühlackerweg, St. Stephansweg, Fröschackerweg bis zum ehemaligen Grundwasserpumpwerk in Härkingen. Grösstenteils wurde die Leitung neben der Strasse verlegt. Das Pumpwerk zur gegenseitigen Wasserlieferung ist mit horizontal installierten Kreiselpumpen ausgestattet, die je 3700 Liter Wasser pro Minute fördern. Die Pumpen werden im einzelnen betrieben. Die Leitung wurde bereits im Mai in Betrieb genommen und versorgt rund 19 200 Einwohner. (mgt)

Mit der Unterzeichnung der Programmvereinbarung wurde einem Rahmenkredit von 4,339 Mio. Franken für sechs Jahre zugestimmt, welcher zur Abgeltung der Bewirtschaftungsauflagen an die Landwirtschaft ausbezahlt werden wird. An diesem Betrag beteiligt sich der Bund mit 80 Prozent. Die Restfinanzierung übernehmen die Zweckverbände der regionalen Wasserversorgungen Gäu und Untergäu und die Städtischen Betriebe Olten.

Düngeverbot in Herbst und Winter

Die Umwandlung von Ackerflächen in Wiesland ist eine der wirksamsten Massnahmen, um den Nitrateintrag ins Grundwasser zu reduzieren. Deshalb wird dieser Massnahme am meisten Gewicht gegeben. Der Flächenanteil in der Landwirtschaft soll in den nächsten Jahren auf 150 Hektaren erhöht werden.

Diese Flächen sollen dabei im unmittelbaren Zuströmbereich der Grundwasserfassungen in Neuendorf, Kappel und Olten liegen. Weiter gilt künftig zwischen Mitte Oktober und Mitte Februar ein Ausbringverbot für stickstoffhaltige Dünger. In diesen Monaten ist die Gefahr am grössten, dass Nitrat ins Grundwasser eingetragen wird.

Die wichtigste, bis Ende 2010 zu erfüllende Auflage für die Weiterführung des Projektes ist die vollständige Einbindung sämtlicher Flächen im Projektperimeter mit entsprechenden Bewirtschaftungsvereinbarungen. Momentan fehlen dazu noch rund 290 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche von total 1140 Hektaren im Projektperimeter. (Mitarbeit: wak)

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