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Niederlenz: Hauptstrasse wird nach 50 Jahren endlich saniert

Seit 50 Jahren ist es schon «dringend»

Seit 50 Jahren ist es schon «dringend»

Das Jahrhundertprojekt in Niederlenz steht (vielleicht) vor einem Happy End: Am 8. Juli 1957 hiess die Gemeindeversammlung Niederlenz das Projekt und den Kredit für den Ausbau der Hauptstrasse gut. Doch erst jetzt, 53 Jahre später, scheint es, als ob nach einer schier endlosen Leidensgeschichte das Vorhaben realisiert werden könnte, vorausgesetzt, die Gemeindeversammlung vom 27. Februar segnet es ab.

Peter Schmid

Schon Mitte der Fünfzigerjahre intervenierte der Gemeinderat Niederlenz beim Baudepartement in Aarau und verwies auf die Dringlichkeit der Sanierung von Hauptstrasse und Aabach. Niemand ahnte damals, dass mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen würde, ehe es zu einem Happy End zu kommen scheint. Immer wieder wurden Gründe gefunden, um das angeblich so dringliche Vorhaben auf Eis zu legen.

Einst wars der Sammelkanal

Das 1957 bewilligte Projekt musste zur Seite gelegt werden, bis der Verlauf des Abwassersammelkanals von Seon zur Kläranlage in Wildegg klar war. Das hört sich einfach an, doch erwiesen sich die Landbeschaffung für die Kläranlage und der Kostenverteiler für den Sammelkanal als Hindernisrennen, das erst Mitte der Sechzigerjahre das Ziel erreichte. So war lediglich ein Wunsch der Vater des Gedankens, den der damalige Gemeindeammann Arthur Daetwyler im Vorwort zur 1961 erschienen Dorfchronik äusserte, wonach «die Korrektion der Hauptstrasse im Dorfzentrum in die Wege geleitet ist». Im selben Jahr, als der neue Gemeinderat mit Gemeindeammann Hans Geiger an der Spitze die Geschicke übernahm, wurde im Übergabeprotokoll festgehalten, dass die Korrektion der Hauptstrasse zu den vordringlichsten Aufgaben der erneuerten Behörde gehöre.

«Aabach muss rauschen»

Als in den späten Sechzigerjahren ein Hochwasser einmal mehr die Liegenschaften entlang der Hauptstrasse arg in Mitleidenschaft zog, wurde das Projekt neu angegangen. Eine Variante sah die Totalüberdeckung des Aabaches vor, was im Dorf einen Proteststurm hervorrief. «Der Aabach muss rauschen» war die Devise. Die Idee, den Aabach gänzlich verschwinden zu lassen, sei damals endgültig begraben worden, erinnert sich Geiger, der dieser Tage seinen 85. Geburtstag feierte. Auch die anderen Varianten wurden schubladisiert, denn mit einem Schulhausneubau und anderen Aufgaben waren die Niederlenzer Finanzen derart strapaziert, dass einmal mehr die Hauptstrasse warten musste.

Durchbruch dank Referendum

Erst 1981 kamen überarbeitete Projekte wieder ins Gespräch. Bei allen Varianten erwies es sich als Knacknuss, dass Aabach, Strasse und Sammelkanal im engen Aabachtal Platz finden mussten. Es war Geiger, der jene Idee vorbrachte, die sich später als Ei des Kolumbus erweisen sollte. Er schlug vor, dem Beispiel von Langenthal zu folgen und in einem Stollen Platz für die Ableitung der Hochwasser zu schaffen. Das verhindere, so Geiger, dass der Aabach zu einem gnadenlos tiefen und breiten Kanal ausgebaut werden müsse. An einer Orientierungsversammlung erntete Geiger aber zuerst einmal Buhrufe, und die Gemeindeversammlung hiess 1981 prompt ein konservatives Projekt gut. Das passte dem damaligen Gemeinderat Toni Fässler nicht in den Kram, und auf seine Initiative ergriff die SP das Referendum. Das bewilligte Projekt wurde an der Urne klar «aabachab» geschickt.

Leere Kassen

Ingenieur René Wernli arbeitete das nächste Projekt aus, in erster Linie den in der Referendumsabstimmung gewünschten Hochwasserstollen. Dieses Projekt samt Sanierung der Hauptstrasse wurde im Sommer 1985 von der Gemeindeversammlung gutgeheissen. Begleitet wurde diese Pioniertat von einer 20-köpfigen Kommission, in welcher auch Geiger als Geschäftsführer der Beton Niederlenz-Lenzburg AG Einsitz hatte, obwohl er 1980 nach Uerkheim umgezogen war. 1992 wurde das Bauwerk in Betrieb genommen. Seither blieb Niederlenz von Überschwemmungen gänzlich verschont. Der zweite Teil des Projekts aber, die Sanierung der Hauptstrasse, wurde einmal mehr bis jetzt schubladisiert. Grund waren die leeren Kassen sowohl in der Gemeinde wie beim Kanton.

Am Samstag, 13. Februar, 10 Uhr wird im Singsaal der Gemeindebaute Rössligasse über das überarbeitete Projekt zur Sanierung von Hauptstrasse und Aabach informiert. Neu einbezogen wurden der Dorfplatz, der bereits im Umbau befindliche Dorfrain und das noch nicht sanierte Teilstück der Wildeggerstrasse am nördlichen Dorfausgang. Der Entscheid fällt an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 26. Februar.

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