Niedergösgen will durch ein Atommüll-Endlager nicht zum Abfallkübel der Nation werden
Niedergösgen hat keine Lust auf Atommüll-Endlager

«Ihre Meinung ist gefragt»: Unter diesem Motto lud das Bundesamt für Energie in die Mehrzweckhalle Inseli nach Niedergösgen ein. Und die Anwesenden meinten: «Wir wollen nicht zum Abfallkübel der Nation werden.»

Merken
Drucken
Teilen
«Nicht Abfallkübel der Nation»

«Nicht Abfallkübel der Nation»

Beat Wyttenbach

Laut Niedergösgens Gemeindepräsident Kurt Henzmann habe man am Montagabend in der Mehrzweckhalle Inseli für 380 Gäste Stühle bereitgestellt. Es stellte sich heraus, dass rund 170 Personen erschienen waren, um der Informationsveranstaltung betreffend ein mögliches Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in der Region Jurasüdfuss beizuwohnen.

Eingeladen hatte das Bundesamt für Energie (BfE). Als Referenten erschienen waren Michael Aebersold (Projektleiter Sachplanverfahren BfE), Franz Schnider (Vizedirektor BfE), Hanspeter Jeseneg (Präsident Plattform Jurasüdfuss) sowie Regierungsrat Peter C. Beyeler (Aargau) und Landammann Walter Straumann (Solothurn).

Alle Standorte weiter dabei

Nach der Begrüssung durch den Landammann oblag es Schnider, kurz nochmals das dreietappige Auswahlverfahren für die Tiefenlager zusammenzufassen. Als Quintessenz hielt er fest, dass das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) dem Auswahlverfahren der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) zugestimmt habe und die Eidgenössische Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) ihrerseits die Arbeit des Ensi überprüft und gutgeheissen habe.

Die Quintessenz: Alle sechs möglichen Standorte seien immer noch im Rennen, und man habe unterdessen auch den provisorischen Planungsperimeter für die oberirdischen Zugangsbauten festgelegt (wir berichteten).

Der Aargauer Regierungsrat Peter C. Beyeler hielt fest, dass sein Kanton gleich mit drei möglichen Standorten (Jura-Südfuss, Bözberg und nördlich Lägern) in die Sache involviert sei; 85 Gemeinden befänden sich gesamthaft in den einzelnen Planungsperimetern (dies bei 19 Gemeinden im Kanton Solothurn, Anmerkung der Redaktion).

Für ihn war es wichtig, «dass wir vergleichbare Standortfaktoren haben». Es solle am Ende des Verfahrens der absolut sicherste Standort ausgewählt werden. «Standorte zu kaufen, wäre der falsche Weg», betonte Beyeler; eine Bemerkung, die ironische Zwischenrufe hervorrief.

«Niederamt erhält ein schlechtes Image»

In der anschliessenden Diskussionsrunde erhielt das Publikum Gelegenheit, seine Sorgen und Ängste zu äussern. «Das Niederamt erhält mit einem solchen Endlager ein schlechtes Image. Wir wollen nicht zum Abfallkübel der Nation werden», war mehr als einmal zu hören.

Die langen Zeiträume der Überwachung nach dem Bau der Endlager waren ferner ebenso Thema wie das Mitwirkungsverfahren. «Dieses ist eher ein Einstellungsverfahren», monierte Kantonsrat Urs Huber (Obergösgen), der sich überzeugt zeigte, dass die Endlager-Vergabe schliesslich politisch entschieden werde. «Das Endlager kommt nicht dorthin, wo sich die Leute nicht wehren.»