Tourismus
Nicht nur wegen dem Wetter: Schweizer Schifffahrt in der Krise

Mit Kühle und Regen hat die Sommersaison auf Schweizer Flüssen und Seen begonnen. Zum Tag der Schifffahrt boten mehrere Schifffahrtsgesellschaften am Sonntag Attraktionen und Sonderpreise an. Die Abhängigkeit vom Wetter ist nur eine der Schwierigkeit

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Bilderbuchwetter an der Aare. Dieses Wochenende blieb dies ein Wunschtraum.

Bilderbuchwetter an der Aare. Dieses Wochenende blieb dies ein Wunschtraum.

Hansjörg Sahli

Zumindest auf dem Vierwaldstättersee hielt das trübe und nasse Wetter am Sonntag trotz Attraktionen zum Tag der Schifffahrt manche vom Gang aufs Schiff ab. "Es war wie an einem normalen verregneten Tag", hiess es am Sonntag beispielsweise bei der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) auf Anfrage.

Relativ kühl für die Jahreszeit

Andernorts waren die Verhältnisse kaum besser: Nur ganz im Westen habe es ein wenig Sonne gegeben, sagte Ludwig Z'graggen, Meteorologe von MeteoSchweiz. Mit bis zu 10 Grad im Mittelland und bis zu 13 Grad im Tessin sei es relativ kühl gewesen für die Jahreszeit. In Teilen des Tessins fielen bis zu 50 Milliliter Niederschlag.

Ob eine Schifffahrtsgesellschaft schwarze Zahlen schreibt, hängt stark von der Umgebung des Sees ab, wie Stefan Schulthess, Präsident des Verbandes Schweizerischer Schifffahrtsunternehmen und Direktor der SGV, sagt. Sei diese touristisch attraktiv, profitiere die Schifffahrt.

Diversifikation als Schlüssel

In Luzern habe man Glück: "Wenn die Besucher den Bahnhof verlassen, sehen sie gleich unsere Schiffe und dies vor der Kulisse der Stadt und der Berge." In einer Tourismusregion hingen die einzelnen Leistungsträger voneinander ab. "Wenn bei uns die Rigi- oder die Pilatusbahn schlecht arbeiten würden, hätten wir ein Problem."

Bereits heute sind die meisten Gesellschaften nicht selbsttragend. Denn die Kosten sind hoch und Erträge können nur während der Sommermonate erwirtschaftet werden. "Es ist ein schwieriges Geschäft wie die gesamte Tourismusbranche", sagt Schulthess dazu.

"Die Schifffahrtsgesellschaften sind gefangen in der Saisonalität, und ihr Erfolg hängt stark vom Wetter ab." Um schwarze Zahlen zu erreichen, bleibe fast nur, die Geschäfte in verwandte Gebiete auszudehnen und sich vom "Ein-Saison-Geschäft" zu lösen.

Keine neuen Kunden

Zudem sei sei der Branche nicht gelungen, neue Kunden anzulocken, etwa die wachsende Zahl der asiatischen Touristen, stellt der SGV-Präsident fest. "Wir haben es, anders als das Jungfraujoch oder die Titlisbahn, versäumt, uns in Asien gezielt zu vermarkten."

Anderseits sei dies für die Schifffahrtsunternehmen auch schwieriger. Die Asiaten suchten vor allem "Schnee und Shopping". Auf einem Schiff zu fahren sei ihnen zu langweilig. Doch selbst mehr Werbung oder eine Diversifikation bringe bei einigen Gesellschaften nichts. "Sie haben ganz einfach Schiffe auf den falschen Seen."

Damit bleibt den Gesellschaften nur noch der Griff in öffentliche Kassen. Inzwischen halten bei über der Hälfte Kantone und Gemeinden direkt oder indirekt die Mehrheit der Aktien. Vor Kurzem kündigte die BLS an, die Schifffahrt auf dem Brienzer- und dem Thunersee einzustellen, sollte vom Kanton kein Geld fliessen.

Schulthess zeigte sich indes überzeugt, dass die Gesellschaften sich nicht einfach auf die öffentliche Hand verlassen sollten. Denn damit die öffentliche Hand defizitäre Gesellschaften auf lange Sicht trägt, müssten Bevölkerung und Politik die Schifffahrt als Service Public wahrnehmen, wie den öffentlichen Verkehr.

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