Homophobie
Nicht nur Schwulen wäre gedient

Der Bund will Angriffe auf Lesben und Schwule statistisch erfassen. Eine laufende Evaluation könnte Polizisten administrative Mehrarbeit bescheren.

Antonio Fumagalli
Antonio Fumagalli
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Trauerfeier in der Zürcher Predigerkirche
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Trauerfeier in der Zürcher Predigerkirche
Trauerfeier in der Zürcher Predigerkirche
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Trauer um die Opfer von Orlando
Weltweite Solidarität mit den Opfern von Orlando
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Trauerfeier in der Zürcher Predigerkirche

Keystone

Beschimpfen, pöbeln, spucken – und immer wieder mal rohe, handfeste Gewalt. Was gemäss der Schwulenorganisation Pink Cross Homosexuellen in der Schweiz aufgrund ihrer sexuellen Orientierung angetan wird, ist ganz schön happig. Und doch sind es natürlich Welten im Vergleich zum grausamen Massenmord von vergangener Samstagnacht in einem US-amerikanischen Gay-Klub.

Was hierzulande auffällt: Wie akut das Problem der homophoben Gewalt ist, weiss eigentlich niemand so genau. Onlinebasierten Umfragen von Interessensgruppierungen ist nicht wirklich über den Weg zu trauen, die eigene Betroffenheit ist viel zu gross. Und in der offiziellen Statistik der Polizei wird diese Art von Verbrechen, auch weil sie schwierig von andersartig motivierten Taten abzugrenzen ist, nicht separat aufgeführt. In diesem Sinn ist es richtig, dass der Bund aktuell nach Wegen sucht, wie dieser Missstand aufgehoben werden kann.

Genauere Zahlen dienen nämlich allen: den Lesben und Schwulen, da sie so effizienter geschützt werden können. Den potenziellen Tätern, weil sie dank präventiven Massnahmen hoffentlich gar nicht erst zu solchen werden. Und der Gesellschaft im Allgemeinen, weil sie dadurch gewaltfreier wird.

Gut möglich, dass sich mittelfristig ein noch viel tiefer greifender Handlungsbedarf aufdrängt. Sprich: Dass für Verbrechen gegen Homo- und Transsexuelle ein eigener Straftatbestand kreiert werden müsste. Dafür müsste dann das Parlament aktiv werden und das Strafgesetzbuch entsprechend revidieren. Genauso gut kann man auch zum Schluss kommen, dass mit der aktuellen Gesetzeslage das Problem am effizientesten bekämpft werden kann. Um das zu wissen, braucht es aber zuerst eben: genauere Zahlen.