Vorschulpflicht

Nicht nur Kitas unterstützen

Sollen auch zu Hause betreut werden dürfen, um die Eltern zu entlasten: Vorschulpflichtige Kinder.

Nicht nur Kitas unterstützen

Sollen auch zu Hause betreut werden dürfen, um die Eltern zu entlasten: Vorschulpflichtige Kinder.

Der Kanton muss in seinem geplanten Familienbericht auch Möglichkeiten zur Entlastung von Eltern, die vorschulpflichtige Kinder zu Hause betreuen, prüfen.

Samuel Thomi

Der Auftrag ist offen formuliert - die Diskussion im Grossen Rat ergab dennoch, dass der Kanton ernsthaft Modelle prüfen soll, die eine Entlastung von Eltern, die ihre vorschulpflichtigen Kinder zu Hause statt ausserhaus betreuen lassen, zur Folge hätte. Anlass zur bisweilen emotional geführten Debatte war der allgemein gehaltene Vorstoss Marianne Streiffs (EVP/Köniz), der «mindestens» die Ausarbeitungs eines Modells von der Regierung verlangte.

Regierung für Familie und Beruf

Da sich diese aber für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausspricht, wollte sie die Motion nicht annehmen. Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP) begründete, im Unterschied zur Hausbetreuung seien etwa Beiträge zur Unterstützung von Kindertagesstätten (Kitas) «Massnahmen der Wachstumsstrategie», welche auch in den Richtlinien der Regierungspolitik enthalten seien.

Dem hielt Streiff entgegen, sie wolle diese «Geringschätzung der Familienarbeit» nicht hinnehmen und bemängelte, für junge Eltern bestehe «keine Wahlfreiheit». Sie verwahrte sich gegen den Vorwurf, damit spiele sie traditionelle Familienbilder gegen Kita-Modelle aus. «Genauso vehement, wie ich für familienexterne Kinderbetreuung kämpfe, fordere ich die Gleichbehandlung anderer Modelle» (s. Kasten unten).

Auf offene Ohren stiess das Anliegen bei der SVP. Laut Bethli Küng (Saanen) aber aus anderen Überlegungen: «Mit ihrer Antwort diskriminiert die Regierung alle Hausfrauen». Die Begleitung der Kleinkinder in den ersten Jahren sei «erwiesenermassen entscheidend für deren weiteren Lebensverlauf.» Auch Daniel Pauli (BDP/Köniz) stellte sich hinter die Prüfung. Im Gegensatz zu Franziska Fritschy (Worb). Die FDP stützte die Regierungshaltung - Unterstützungen des Staates seien auf die externe Betreuung zu beschränken. Für die Prüfung des Anliegens als unverbindlicheres Postulat konnte sich die SP schliesslich erwärmen, so Parteipräsidentin Irene Marti (Bern). Der Vorstoss kam durch. Perrenoud zufolge soll das Resultat in den für Herbst geplanten Familienbericht einfliessen.

Neue Kita- und Tagesschul-Tarife

Zwei weitere überwiesene Postulate verlangen Anpassungen der Kita- und Tagesschultarife. Daniel Kast (CVP/Bern) und Hans-Jörg Pfister (FDP/Zweisimmen) wollen Entlastungen für gutverdienende Familien erreichen, die für Kita-Plätze heute oft überproportional mehr zahlen - so dass sich dafür arbeiten oft kaum mehr lohnt.

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