Daniele Ganser wird sich gewünscht haben, niemals in diese «Arena» gekommen zu sein. 20 Minuten alt war die Sendung, und der erste Pulverdampf nach dem Schlagabtausch zwischen den beiden Selbstdarstellern Claudio Zanetti (Nationalrat SVP und Twitter-Agitator) und Roger Schawinski (Radiopionier und Narzissmus-Experte) verzog sich langsam, als Moderator Jonas Projer den Historiker Daniele Ganser eiskalt erwischte: «Herr Ganser sagt nicht die Wahrheit», und er, Jonas Projer, habe dafür Beweise. 

Was war passiert? Vor einem Monat setzte Ganser, studierter Historiker, selbsternannter Friedensforscher, fremdbetitelter Verschwörungstheoretiker und Maniker, beim Thema World Trade Center folgenden Tweet ab:

Die Sendung «Einstein» habe die Forschung zum Einsturz des WTC7 als Verschwörungstheorie abgetan, so Ganser. SRF habe diffamiert, statt aufgeklärt. 

Ganser verdient sein Geld mit sogenannter kritischer Forschung. Und der Angriff auf die Türme des World Trade Center ist die Königsdisziplin der kritischen Forschung. Immer wieder plädiert Ganser dafür, unvoreingenommene Untersuchungen zum Einsturz des WTC 7 durchzuführen, mit einer Hartnäckigkeit, die an einen Getriebenen erinnert.

In einer Mail an den Redaktionsleiter von «Einstein», das Projer in der Sendung vorlesen liess, vollzog Ganser dann aber eine 180-Grad-Kehrtwende: Der Beitrag sei «sachlich» und «fair» gewesen, schrieb Ganser. Einzig den Mix mit «Klimalüge» und «Protokolle» habe er schlecht gefunden.

Dass diese Mail jemals den Weg an die Öffentlichkeit finden würde, damit hatte Ganser wohl nicht gerechnet.

Auf Twitter eine Schimpftirade, im persönlichen Mailverkehr Lob und ein kleines bisschen Tadel. Ein Widerspruch, den der Historiker nicht auflösen konnte – und der ihm zum Verhängnis wurde.

Glaubwürdigkeit aber ist das höchste Gut von Journalisten – und das von Wissenschaftlern. Wenn es nach Projer geht, hat Ganser diese Glaubwürdigkeit am Freitagabend mindestens zu einem Teil verspielt.

Ganser wehrte sich mit Händen und Füssen: Es sei eine Frechheit, was hier passiere. Hilfesuchend wandte er sich an den Vertreter der Unabhängigen Beschwerdeinstanz UBI, Vincent Augustin. Für einen Moment war die Sendung auf der Kippe: Es hätte nicht verwundert, wenn Ganser wutentbrannt aus dem Studio gestapft wäre. Tat er aber nicht. Ganser blieb und machte gute Miene zum bösen Spiel. Er wies noch ein paar Mal darauf hin, dass unter Präsident Obama pro Tag drei Bomben abgeworfen worden waren – was je länger desto mehr Kopfschütteln und müde Seufzer unter den Diskussionsteilnehmern auslöste.

Wieso Jonas Projer ausgerechnet diese Sendung gewählt hat, um Ganser zu demontieren, wo doch eigentlich Trumps Feldzug gegen die Medien das Thema war, bleibt sein Geheimnis. Und wieso Ganser die Sendung nicht verlassen hat, ist ebenfalls schwierig zu erklären.

Substanzielles zum Thema Medien und Glaubwürdigkeit kam vor allem aus der Experten-Ecke. Ex-NZZ-Chefredakteur Markus Spillmann wies darauf hin, dass das wirkliche Problem das unablässige Medien-Bashing sei – von rechter wie von linker Seite. Die unablässige Diffamierung ihrer Arbeit schade den Journalisten mehr als jede Trump-Lüge. Es sei schliesslich die Aufgabe der Journalisten, kritische Fragen zu stellen.

Karin Müller, Chefredaktorin von TeleBasel hieb in die gleiche Kerbe: Die Fragen von Journalisten müssten den Befragten nicht gefallen, im Gegenteil.

Ihr Votum war an die Adresse von Claudio Zanetti gerichtet, der eine einseitige Berichterstattung in den Medien beklagte und sich über «boshafte» Journalisten enervierte.

Nach der Sendung traf man im Lobby-Bereich einen aufgekratzten Jonas Projer. Es sei eine der intensivsten Sendungen überhaupt gewesen, sagte der «Arena»-Moderator. Auch Daniele Ganser war sichtlich gezeichnet: Es gehe nicht an, ihn als umstrittenen Historiker und Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen, erklärte Ganser. Er überlege sich entsprechende Schritte. Weiter wollte sich Ganser nicht äussern: Der Skiurlaub stünde vor der Tür.

Hier geht's zur vollständigen Sendung.