Spitäler
«Nicht auf Buckel des Personals»

20 Millionen Franken erhalten die öffentlichen Spitäler nächstes Jahr vom Kanton weniger. Diese Sparvorgabe erteilte Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP). Treffen wirds vor allem den «Hauptausgabeposten Personal».

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Berner Rundschau

Bruno Utz

Der Brief, den Regierungsrat Perrenoud kürzlich den Spitälern geschickt hat, dürfte bei den Empfängern nicht eitel Freude ausgelöst haben. «Im einstelligen Prozentbereich» würden 2010 die Abgeltungen der Baserate (Fallpauschalen) gesenkt, teilte Perrenoud darin den Spitälern mit, wie die Zeitung «Der Bund» gestern berichtete.

Auf Nachfrage bestätigte Jean-Philippe Jeannerat, Stabschef bei der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF), das Schreiben. Die Wirtschaftskrise schlage sich in sinkenden Steuererträgen nieder. Von der regierungsrätlichen Vorgabe, eine Neuverschuldung möglichst zu vermeiden, seien eben auch die Spitäler betroffen. Letzte Woche habe bereits ein erstes Gespräch der GEF mit den Spitaldirektoren stattgefunden. «Aber entschieden hat der Regierungsrat noch nichts», betonte Jeannerat.

SRO hat noch keine Lösungen

Laut Dieter Widmer, Verwaltungsratspräsident des Spital Region Oberaargau (SRO) und Grossrat (BDP/Wanzwil) hat das SRO drei bis fünf Millionen Franken einzusparen. Dies bei Gesamtausgaben von rund 135 Millionen. «Lösungen haben wir noch nicht.» Ist ein Spitalstandort gefährdet? Widmer: «Ein solcher Entscheid wäre nicht in der kurzen Zeit umsetzbar.»

Der Sparauftrag bereite ihm Sorgen. «Sparen und gleichzeitig eine umfassende Grundversorgung anbieten, das geht nicht auf.» Direktion und Verwaltungsrat müssten die Vorgabe aber umsetzen, schliesslich gehörten die Aktien des SRO dem Kanton.

Inselspital: «Ist machbar»

Das Inselspital rechnet mit einer Senkung der Baserate «um mindestens zwei Prozent». «Das würde bei uns 13 Millionen Franken ausmachen. Der Sparauftrag ist hart, aber machbar», relativiert der Direktor Dienste, Gerold Bolinger indem er auf das Gesamtbudget des Inselspitals von rund einer Milliarde Franken verweist.

Die einzelnen Klinken seien beauftragt worden, die Budgets 2010 um zwei Prozent zu senken. Wo diese den Hebel ansetzten, sei ihnen überlassen. «Ihre Ausgangslage ist unterschiedlich», so Bolinger. Er verweist jedoch darauf, dass das Personal 63 Prozent des gesamten Aufwandes ausmache...

Lohnstopp auch fürs Staatspersonal?

Vom Sparauftrag erfuhr gestern der im Ausland weilende Daniel Pauli, Verwaltungsratspräsident der Spital Netz AG Bern (Spitäler Aarberg, Belp, Münsingen, Riggisberg, Tiefenau und Ziegler), von dieser Zeitung. Im vergangenen Jahr hätten bei der Spital Netz AG die Personalausgaben 67 Prozent des Gesamtaufwandes ausgemacht.

Da sei klar, wo anzusetzen ist. «Müssten wir nächstes Jahr die Löhne einfrieren, so müsste der Lohnstopp für das ganze Kantonspersonal gelten und nicht nur für das Pflegepersonal», betonte Pauli, der auch BDP-Grossrat (Schliern) ist.

Spitäler gründen Netzwerk

Sämtliche öffentlichen Spitäler und Kliniken mit einem Leistungsauftrag des Kantons Bern haben sich zum Verein «diespitäler.be» zusammengeschlossen. «diespitäler.be» ist die Nachfolgeorganisation des 2007 aufgelösten Verbands Bernischer Krankenhäuser. Der neue Verein sieht sich als Netzwerk, «der als starker Partner gegenüber dem Kanton, den Versicherungen und weiteren Exponenten im Gesundheitswesen auftritt», so der Präsident Beat Straubhaar, Direktor der Spitalgruppe Thun Simmental AG. Nächste Woche will sich «diespitäler.be» der Öffentlichkeit vorstellen und über seine Ziele informieren. (uz)

Nach Meinung des vpod-Gewerkschaftssekretärs und Grossrates Blaise Kropf (Grüne/Bern) funktioniert Perrenouds Sparauftrag nicht: «Die Spitäler sollen die gleichen Leistungen erbringen, dafür aber weniger Geld bekommen, das ist problematisch.»

Dass der Kanton Sparen müsse, entspreche der Wirtschaftslage und dem massiven Druck der Schuldenbremse. «Aber bei den Spitälern muss man über Strukturen diskutieren, den Abbau von Standorten, und nicht auf dem Buckel des Personals sparen.» Dagegen würden sich die Gewerkschaften und Verbände mit der Mobilisierung des Personals und Versammlungen wehren.

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