Christoph Neuenschwander

«Bauobjekt: Motocross-Rennen für 10 Jahre», lautete eine Baupublikation in der Gemeinde Günsberg. Etwas ungewöhnlich, möchte man meinen, für eine Rennveranstaltung ein Baugesuch einzureichen. Doch genau das verlangt der Kanton Solothurn seit diesem Jahr. Bauherr ist Christian Chanton, ehemaliger WM-Fahrer und Initiant der «Moto Cross Race Serie» (MXRS). Drei von elf Anlässen will der Luterbacher im Kanton Solothurn durchführen: in Balm, Stüsslingen und Günsberg. In den vergangenen Jahren musste er dafür einen Antrag beim Departement des Innern einreichen. Neuerdings ist ein Baugesuch an das Amt für Raumplanung zu stellen.

Mit der neuen Regelung, die sowohl für Motocross- wie auch für Rasenrennen gilt, will man einerseits eine umfassendere Prüfung des Standorts ermöglichen, andererseits aber auch das Verfahren insgesamt vereinfachen: Denn nun muss nicht mehr jedes Jahr, sondern lediglich alle zehn Jahre ein Gesuch gestellt werden, versichert Robert Grütter vom Bau- und Justizdepartement.

Drei Mal Einspruch

Ein wenig verwirrend ist die Baupublikation aber schon: Drei Einsprachen von Anwohnern wurden bis zur Frist am 7. Mai in Günsberg gegen Chantons Gesuch erhoben. In zwei davon ist die Angst vor wiederkehrender Töfflärm-Belästigung und Zuschauer ein zentraler Punkt. «Einige Leute befürchteten, dass auf der Motocross-Strecke das ganze Jahr lang gefahren wird», weiss der Veranstalter. «Dem ist aber nicht so. Jeder Anlass dauert lediglich ein Wochenende und findet nur einmal pro Jahr statt.»

Deshalb will Chanton das Gespräch mit den Einsprechern suchen und Missverständnisse aus der Welt schaffen. «Es ist belastend, wenn man dauernd das Gefühl hat, dass man jemanden stört», sagt er. Während der Veranstaltung werde zudem dafür gesorgt, dass die Zuschauer ausserhalb der Wohnviertel parkieren und auf dem Weg zur Strecke keine fremden Grundstücke betreten.

Angst um die Umwelt

Dem Anliegen des dritten Einspruchs ist damit aber noch nicht Rechnung getragen: nämlich dem Umweltschutz. So macht etwa auch Grütter darauf aufmerksam, dass «durch Rennveranstaltungen der Boden immer mehr verdichtet wird». Chanton bestreitet dies nicht, relativiert jedoch das Argument: «Massgebend verantwortlich für die Bodenverdichtung sind Landwirtschaftsfahrzeuge. Ausserdem wird bei Veranstaltungen wie Open Airs, Jahrmärkten oder Schwingfesten ein mindestens genauso hoher Druck auf den Boden ausgeübt wie bei Motocross-Rennen - wegen der grösseren Zuschauerzahl vermutlich sogar ein deutlich höherer.»

Von dem Vorwurf, er zerstöre mit seiner Rennserie die Umwelt, hat er daher die Nase voll: «Wir haben klare und strikte Auflagen was den Umweltschutz angeht und an diese halten wir uns. Wir sind schliesslich keine Wahnsinnigen.»

Heute Morgen beschäftigte sich der Regierungsrat ebenfalls mit dem Thema Motocross. Er behandelte die Petition gegen die Diskriminierung des Motocross-Sports. Eine Medienmitteilung über den Entscheid wird heute im Verlauf des Tages verschickt.