World Economic Forum

«Neugestaltung der Welt»: Weniger Krisen, mehr Visionen am WEF

WEF-Gründer Klaus Schwab an einer Pressekonferenz.

WEF-Gründer Klaus Schwab an einer Pressekonferenz.

2014 sollen in Davos die grossen Themen unserer Zeit im Fokus stehen – und nicht nur die Wirtschaftskrise. Daneben könnte es auch zu einigen heiklen Begegnungen kommen. Zum Beispiel zwischen Israels Premier Netanjahu und Irans Präsident Rohani.

Ob Bankenkrise, Schuldenkrise oder Währungskrise – in den letzten Jahren wurde das World Economic Forum (WEF) in Davos stets von einem grossen Negativthema überschattet. Die Führer aus Wirtschaft und Politik machten sich vor allem Gedanken darüber, wie der Schaden in Grenzen gehalten werden könnte – für Zukunftsvisionen blieb wenig Platz. Das soll sich dieses Jahr ändern.

WEF-Gründer Klaus Schwab sagte gestern vor den Medien in Genf zwar, dass hohe Staatsschulden und niedrige Wachstumsraten nach wie vor ein Risiko für die Welt seien – «es ist wie Laufen mit einem schweren Rucksack auf den Schultern».

Er machte aber auch klar, dass nächste Woche in Davos (22. bis 25. Januar) vermehrt «wirklich wichtige Themen» wie das Verhältnis zwischen den Generationen, Gesundheit, Umwelt oder Nachhaltigkeit im Fokus stehen sollen. Das Motto lautet denn auch – wenig bescheiden – «Neugestaltung der Welt: Konsequenzen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft».

Gespräche zwischen Israel und Iran?

Schwabs Gäste, die diese «Neugestaltung» vorantreiben sollen, sind einmal mehr hochkarätig: Unter den 2500 Teilnehmern befinden sich 50 Staats- und Regierungschefs. Zudem sind Führungskräfte von mehr als der Hälfte der 1000 weltweit grössten Unternehmen anwesend.

Hinzu kommen Vertreter von internationalen Organisationen, NGOs und Sozialunternehmen. Es sollen aber auch mehr junge Menschen, mehr Frauen und mehr Teilnehmer von ausserhalb Europas zu Wort kommen. Zumindest bei den Frauen besteht jedoch noch Steigerungspotenzial – nur 15 Prozent der Teilnehmenden sind weiblich.

Auf politischer Ebene könnte es im Schneegestöber von Davos zu einigen brisanten Begegnungen kommen. Wie vor ein paar Tagen durchgesickert war, nehmen sowohl der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu als auch der iranische Präsident Hassan Rohani am Forum teil.

Israel wehrt sich vehement gegen das Atomabkommen, das die fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats (Frankreich, Russland, USA, China und Grossbritannien) plus Deutschland mit dem Iran ausgehandelt haben. Ob sich Netanjahu und Rohani in Davos tatsächlich treffen werden, ist noch unklar.

Merkel und Hollande fehlen

Konfliktpotenzial birgt auch die gleichzeitige Anwesenheit des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und des Oppositionsführers Vitali Klitschko. Der ehemalige Boxprofi führt die Kundgebungen der prowestlichen Opposition auch im neuen Jahr an und hat in Kiew erst vor wenigen Tagen wieder zu landesweiten Streiks aufgerufen.

Auf der Bühne werden die beiden Gegner allerdings nicht aufeinandertreffen. Während Präsident Janukowitsch am Freitagnachmittag in einer grösseren Runde über die Zukunftsperspektiven der Ukraine diskutiert, steht Klitschko am Freitagmorgen alleine auf der Bühne.

Wie in früheren Jahren kommt auch der britische Premierminister David Cameron nach Davos. Angela Merkel, die in den vergangenen Jahren mehrfach am WEF gewesen war, nimmt dieses Jahr nicht teil. Dafür kommt Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble. Aus Frankreich, einem wirtschaftlichen Sorgenkind, kommt Finanzminister Pierre Moscovici. Italiens Regierungschef Enrico Letta – auch sein Land hat nach wie vor grosse Probleme – reist ebenfalls an.

Keine Einladung für Chodorkowski

Die USA kommen im Ministerrang: Finanzminister Jacob Lew und Handelsministerin Penny Pritzker sind auf der Teilnehmerliste. Wirtschaftlich sind die USA stark vertreten: Microsoft-Gründer Bill Gates ist dabei der prominenteste Name.

Für die Schweiz reisen neben Bundespräsident Didier Burkhalter, der mit Klaus Schwab das Forum offiziell eröffnen wird, auch Doris Leuthard, Eveline Widmer-Schlumpf, Johann Schneider-Ammann und der Nationalbankpräsident Thomas Jordan nach Davos. Ueli Maurer wird die Schweizer Truppen besuchen, die das Welttreffen bewachen. Die beiden SP-Bundesräte dagegen bleiben der Veranstaltung fern.

Für die wirtschaftlich schnell wachsenden Länder ausserhalb Europas wird unter anderem die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff sprechen. Auch die Präsidenten von Kolumbien und Mexiko werden dabei sein. WEF-Gründer Schwab kündigte zudem die Teilnahme einer wichtigen Persönlichkeit aus China an, nannte aber keinen Namen.

Nicht eingeladen wurde hingegen der russische Kreml-Kritiker und Ex-Oligarch Michail Chodorkowski. Seine Entlassung sei zu spät erfolgt, so Schwab. Nächstes Jahr könne man eine Einladung in Erwägung ziehen. «Wir müssen aber zunächst wissen, wie seine Zukunft aussieht.»

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