Gerlafingen
Neues Quartier für Gerlafingen

Schon vor zwei Jahren war das Areal der früheren Alterssiedlung an ein örtliches Architektur-Unternehmen verkauft worden. Doch die Finanzierung blieb aus. Nach viel Geduld des Gemeinderates stimmte die Gemeindeversammlung dem Verkauf nun für 2,64 Mio. Franken an die BBW Baugroup Bätterkinden zu.

Merken
Drucken
Teilen
Land

Land

Solothurner Zeitung

Gundi Klemm

Konkrete Massnahmen zum Hochwasserschutz

Die 67 Anwesenden an der Gerlafinger Gemeindeversammlung konnten sich ein eigenes Bild von der Bedrohungslage und dem Massnahmenplan zum Schutz vor Emme-Hochwasser und zur Revitalisierung des Flusslaufs machen. Das Gesamtprojekt umrissen Martin Würsten, Bernardo Albisetti (beide kantonale Fachstellen), Martin Huber vom Planungsbüro BSB, das das Gerlafinger Schadenspotenzial auf 90 Mio. Franken ermittelt hatte, sowie Ronald Hunziker als projektverantwortlicher Ingenieur. Die Gerlafinger Bevölkerung kann sich an dem bis zum 27. November laufenden Mitwirkungsverfahren beteiligen. Der Baubeginn ist für den kommenden Sommer geplant und dauert bis in den Winter 2012. Gemäss der Vorlage, die vom Volk am 7. März nächsten Jahres genehmigt werden muss, kostet das Vorhaben 22 Mio. Franken. Wichtig für Gerlafingen war die Mitteilung, dass auch der Kanton Bern Sicherungen an Emme und Strackbach vorsieht, weil das Siedlungsgebiet von dortigen Überflutungen ebenso bedroht ist. Vorab durch die Eisenbahn sollen die zum Bau nötigen 48 Tonnen Steinblöcke sowie Aushub von beidseits der Emme transportiert werden. (gku)

Gemeindepräsident Peter Jordi drückte nochmals sein Bedauern aus, dass die angedachte, sehr gefällige Lösung zur Überbauung der sanierungsbedürftigen Alterssiedlung nicht zustande kam. Per Leserbrief und Flugblatt wurde zuvor versucht, Stimmung gegen das neue Vorhaben zu machen. Doch an der Versammlung ergriff niemand im Rahmen einer Grundsatzdebatte Partei für das örtliche Unternehmen, das sich mit der Finanzierung übernommen hatte. Ein Stimmbürger allerdings rügte, dass dieser vormalige Interessent als Gemeinderat und Mitglied einer Spezialkommission «Insiderwissen» für den geplanten Kauf nutzen konnte. Jordi anwortete, dass dies erkannt worden und kein Schaden für die Gemeinde entstanden sei. Als jetziger Transvaal-Bewohner beklagte er zudem den Verlust seines bis jetzt günstigen Logis. Aus seiner Sicht hätte die Gemeinde hier Investitionen aus den Rechnungs-Überschüssen der letzten Jahre vornehmen können. Jordi hielt entgegen, dass Gerlafingen, das ein kräftiges Minus budgetieren muss, seine wenigen Ressourcen für andere Aufgaben wie den dringlichen Schulhausneubau einsetzen müsse.

Hochwertig bauen

Heinz Wälchli, Geschäftsleiter der BBW Baugroup AG Bätterkinden, stellte sein Überbauungskonzept für das an Schulhaus- und Waldstrasse angrenzende Gelände ausführlich vor. Entstehen soll in offener Bauweise mit viel Grün ein Mix von 23 Eigentums- und 22 Mietwohnungen, ergänzt durch 30 Alterswohnungen - ebenso in beiden Kategorien und unterschiedlichen Grössen - schräg gegenüber dem bestehenden Altersheim Am Bach. Für die insgesamt auch energietechnisch hochwertig errichteten 10 Mehrfamilienhäuser nebst grosser unterirdischer Einstellhalle sieht Wälchli eine gestaffelte Fertigstellung von mehreren Jahren vor. «Wenn alles gut geht, findet der Baubeginn im kommenden Sommer statt.»

Örtliche Handwerker einbinden

Zu Miet- und Verkaufspreisen konnte der BBW-Mann noch nichts sagen, sicherte aber ortsübliche Mieten zu. Einige Votanten, die anhand der Verkaufssumme von 2,64 Mio. Franken den Landpreis auf 160 Franken pro Quadratmeter errechnet hatten, monnierten dies als zu günstig. Allerdings trägt der Käufer auch den Rückbau der bestehenden Gebäude. Auf Nachfrage sicherte Wälchi die Mitwirkung örtlicher Handwerksbetriebe an den Neubauten zu. Gemeinderat Roger Käsermann gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die künftigen Zuzüger in «höherpreisigen Wohnraum» auch das Gerlafinger Steuersubstrat stärken würden.