Pflegegesetz

Neues Pflegegesetz konfrontiert Gemeinden mit Problemen

Studie über die Langzeitpflege und Betreuung der Betagten im oberen Fricktal: Beat Suter bei seinen Erläuterungen. (GHI)

Beat Suter

Studie über die Langzeitpflege und Betreuung der Betagten im oberen Fricktal: Beat Suter bei seinen Erläuterungen. (GHI)

Das neue Aargauer Pflegegesetz konfrontiert die Gemeinden mit einer zunehmend komplexer werdenden Problematik. Der Verein für Altersbetreuung im Oberen Fricktal (VAOF) hat eine entsprechende Studie vorgestellt.

Geri Hirt

Im oberen Fricktal geht es um die Planung, Koordination und Sicherstellung eines bedarfsgerechten stationären und ambulanten Angebots im Bereich der Betagtenbetreuung. Die Gemeinden sehen sich zweifellos einem grossem Handlungsbedarf in einem komplexen Bereich gegenüber, wie die Ausführungen von Beat Suter vom Planungsbüro Metron in Brugg aufzeigten. Das im Jahr 2007 vom Grossen Rat beschlossene neue Pflegegesetz verlangt von den Gemeinden nichts weniger als die Planung, Koordination und Sicherstellung eines bedarfsgerechten stationären und ambulanten Angebots, die Gesundheitsförderung, Unterstützung, Beratung und Begleitung von Angehörigen und Pflegebedürftigen, Bestimmen einer regionalen Anlauf- und Beratungsstelle sowie zeitliche Mindestangebote in den Bereichen Pflege und Hilfe zu Hause. Ein Mega-Multi-Pack, das da auf die Gemeindebehörden zukommt.

In einem ersten Schritt ist die Bestandesaufnahme im Perimeter des Vereins für Altersbetreuung im Oberen Fricktal erstellt worden. Die dabei erhobenen Zahlen unterstreichen den Handlungsbedarf allein schon aufgrund der demografischen Entwicklung. Diese Entwicklung dürfte mit dem überproportionalen Wachstum des Fricktals noch verschärft werden. Die Zahl der über 80-Jährigen wird gemäss Hochrechnung von heute 980 Personen bis zum Jahr 2030 um 175 Prozent (!) auf 2700 Personen ansteigen. Im VAOF-Gebiet stehen heute in Heimen 310 Betten zur Verfügung. In dieser Zahl sind 50 Betten in privaten Institutionen sowie 90 Betten im Pflegeheim des Gesundheitszentrum Fricktal in Laufenburg inbegriffen. Man erwartet in naher Zukunft einen Zuwachs um 21 Betten. Die Zahlen zeigen, dass heute gut ein Drittel der über 80-Jährigen - ohne Berücksichtigung der Pflegebedürftigkeit - ein Heimbett beansprucht.

Als pflegebedürftig werden heute 250 Personen eingestuft. Obwohl der Kanton mit einem prozentualen Rückgang der Pflegebedürftigen rechnet, wird deren Zahl im Jahr 2030 auf 490 Personen geschätzt, was praktisch einer Verdoppelung entspricht. Auffällig ist heute die hohe Zahl betreuter Personen (22 Prozent), die von ausserhalb des Untersuchungsperimeters stammen. Im Bezirk Rheinfelden sind es bloss 5 Prozent.

Andre Rotzetter, VAOF-Geschäftsführer, relativierte diese Zahlen in Übereinstimmung mit dem Verfasser der Studie, Beat Suter. «Wir leben länger gesund, viele Leute bleiben bis über 80 fit», brachte er die Entwicklung auf einen kurzen Nenner. Bis 2030 wird die Lebenserwartung um rund 5 Jahre steigen. Er warnte in Bezug auf Hektik bei der Schaffung neuer Pflegebetten. Ein allfälliger Zusatzbedarf entstehe durch die Baby-Boomer-Generation - Jahrgänge 1940 bis 1965 - was für die Jahre zwischen 2025 und 2050 zu erwarten sei. Die Jahrgänge danach seien jedoch um 30 Prozent kleiner. Diese Situation verlange genaue und umfassende Abklärungen, «denn ein Bettenüberangebot wird sehr viel Geld kosten», warnte Rotzetter.

Grosser Koordinationsbedarf

Studienverfasser Beat Suter wies auf den grossen Koordinationsbedarf der Leistungserbringer und die Prüfung alternativer Angebote hin, bevor zusätzliche Betten geschaffen würden. «Dies verlangt eine überregionale Sichtweise und Abstimmung», sagte Suter. Die Planung müsse zumindest mit dem Bezirk Rheinfelden, eventuell gar noch grossräumiger koordiniert werden. Der Kanton müsse die Basisdaten zur Verfügung stellen, um die Planung zu erleichtern und Überschneidungsprobleme zu vermeiden. Mit der Planung und Sicherstellung sowohl stationärer als auch ambulanter Angebote sowie die Schaffung regionaler Anlauf- und Beratungsstellen warten auf Spitex, Pro Senectute und nicht zuletzt auf die Gemeinden neue Handlungsfelder. Der Kanton hat mit dem Forum für Altersfragen ein Expertengremium geschaffen, welches das zuständige Departement und die Gemeinden berät. Allerdings hat dieses Gremium bloss beratende Funktion, wie Fricks Gemeindeammann Anton Mösch, der als Vertreter der Gemeindeammänner dem Forum angehört, präzisierte.

«Es gibt noch sehr viele Fragen», resümierte Alice Liechti, VAOF-Präsidentin, und sie fügte an: «Jetzt sind Inputs der Beteiligten ganz wichtig.»

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