Neues Geschäftsmodell: In der Apotheke etwas dökterlen

Die Pharmazeuten sollen Telefondoktoren bei Diagnose helfen. Ein bisher nicht publiziertes Pilotprojekt stösst bei Ärzten auf Skepsis. Sie fürchten um ihre Kompetenzen.

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Beat Rechsteiner

Apotheker suchen ein neues Geschäftsfeld: Zusammen mit der Firma Medgate lanciert der Branchenverband Pharmasuisse ein Pilotprojekt zur Telemedizin in der Apotheke. Der Patient soll dabei direkt von der Apotheke aus den Telefondoktor anrufen – und der Apotheker würde den Arzt dann bei dessen Diagnose unterstützen. Sowohl Medgate als auch Pharmasuisse bestätigen das bisher nicht öffentlich gemachte Projekt, wollen aber vorderhand keine Details zur genauen Übungsanlage bekannt geben.

Bei Jacques de Haller, Präsident der Ärztevereinigung FMH, und bei CVP-Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel stösst die Idee auf Skepsis. Vor allem, weil die Kompetenzgrenzen bei der Diagnose zu verschwimmen drohen. Und auch der Präsident der Schweizer Hausärzte, Marc Müller, äussert Zweifel. Zwar könne er noch kein definitives Urteil fällen, sagt Müller, aber es gebe «sehr viele offene Fragen». Beispielsweise, ob in den Apotheken ein Sprechzimmer zur Verfügung stehen müsse, damit bei derartigen Telefonaten trotz Laufkundschaft das Arztgeheimnis gewahrt werden kann.

Die Skepsis kommt nicht von ungefähr. Denn hinter dem Projekt steht der Versuch der Apotheker und der Telemedizinvertreter, eine wichtigere Rolle in der Grundversorgung einzunehmen. Dies dürfte vor allem zulasten der Hausärzte gehen.

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