Integras
Neuen Spanien-Fall verhindern

Verhindern, dass Kinder in die Hände von dubiosen Fremdplatzierungsfirmen geraten – das will der Fachverband Integras mit einem Label.

Drucken
Teilen
Druck

Druck

Keystone

Philippe Klein

Für Kinder und Jugendliche aus Problemfamilien ist oft die Fremdplatzierung in Familien oder Time-out-Programmen der einzige Weg aus der Krise. Dafür zuständig sind die Gemeinden. Diese delegieren die Vermittlung und Platzierung aber oft an private Firmen, rund 40 gibt es davon in der Deutschschweiz.

Obwohl diese Firmen eine heikle Aufgabe wahrnehmen, schaut man ihnen kaum auf die Finger. Das will Integras, der schweizerische Fachverband für Sozial- und Sonderpädagogik, ändern. Ab kommendem Herbst verleiht die Organisation Gütesiegel an Firmen, die Fremdplatzierungen anbieten.

«Spanien-Fall hätte mit Zertifikat verhindert werden können»

In Zusammenarbeit mit Experten der Schweizer Kinder- und Jugendhilfe hat Integras Kriterien zusammengetragen, unter denen die Qualität von Fremdplatzierungs-Organisationen verglichen und bewertet werden können. Wie Geschäftsführerin Mirjam Aebischer gestern vor den Medien sagte, müssen die Firmen Auskunft über ihre Trägerschaft, ihre Finanzierung und die Ausbildung ihres Personals geben. Damit soll ein gewisser Druck auf diese Branche - aber auch auf die zuweisenden Stellen ausgeübt werden. Diese sollen fortan nur noch mit qualifizierten Fremdplatzierungs-Firmen zusammenarbeiten.

Mit ein Grund für die Lancierung des Qualitätslabels war der «Spanien-Fall» im Jahr 2006. Jugendanwalt Hansueli Gürber, der selber in der Expertengruppe an den Qualitätsanforderungen mitgearbeitet hat, sagte gestern vor den Medien, dass ein solcher Fall mit der nun geplanten Zertifizierung hätte verhindert werden können. Im Alltag müssten Justiz und Polizei sehr rasch eine Fremdplatzierung vornehmen, da sei ein Label als Orientierung wichtig.

«In den letzten Jahren hat ein Wildwuchs stattgefunden»

An der Medienorientierung war auch eine Fremdplatzierungs-Firma vertreten. Olaf Stähli (Geschäftsführer von Team-Werk im zugerischen Alosen) bestätigte, dass in seinem Metier in den letzten Jahren ein «Wildwuchs» stattgefunden habe. Die Einführung eines Labels könne nun «die Spreu vom Weizen trennen». Der Prozess der Zertifizierung bringe für alle Firmen einen «Lern- und Entwicklungseffekt».

Aktuelle Nachrichten