«Der Bund sorgt dafür, dass die Löhne und Honorare der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Unternehmen nicht über denjenigen der Bundesverwaltung liegen»: Mit diesem Passus im Abstimmungstext will die «Pro Service Public»-Initiative künftig verhindern, dass die CEOs von bundesnahen Betrieben nicht mehr als ein Bundesrat – also 475'000 Franken – verdienen.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt nun aber auf, dass diese sehr allgemein gehaltene Formulierung deutlich mehr Menschen treffe als nur die obersten Firmenbosse. Dies schreibt der «Tages-Anzeiger» in seiner heutigen Ausgabe.

In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für das Berggebiet und dem Schweizerischen Gemeindeverband. Die Autoren vom Zürcher Beratungsunternehmen Swiss Economics kommen darin auf eine Lohnsumme von 127,3 Millionen Franken, die bei Post, SBB und Swisscom insgesamt eingespart werden müsste.

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Das Team um Ökonom Christian Jaag ging methodisch so vor, dass es die 9 internen «Job-Levels» der Swisscom-Hierarchie den 38 Lohnklassen der Bundesverwaltung zuordnete. Auch die Lohnsysteme von SBB und Post teilte es nach dieser Logik in 9 Stufen ein (mit Stufe 1 für die höchsten Löhne) und stellte es anschliessend den Gehältern der Verwaltung gegenüber.

Post kommt am schlechtesten weg

Das Resultat ist vor allem bei der Post drastisch: Bei einem Ja zur Initiative müsste der «gelbe Riese» seinen Leuten bis hinunter auf Stufe 5 – die ungefähr den Lohnklassen 16 bis 21 der Bundesverwaltung entspricht – das Salär kürzen. 2877 Personen arbeiteten zum Untersuchungszeitpunkt in diesem Segment; der Höchstlohn liegt heute je nach Region und konkreter Funktion bei wenig mehr als 116'000 Franken.

Das sagt Bundesrätin Doris Leuthard zur Initiative:

Bundesrätin Leuthard hält nichts von der Initiative «Pro Service Public»

Bundesrätin Leuthard hält nichts von der Initiative «Pro Service Public»

Bern – 5.4.16. – Die Initiative „Pro Service Public“ möchte eine Stärkung der Post, SBB und Swisscom. Parlament und Bundesrat sind der Überzeugung das bei einem Ja das Gegenteil der Fall wäre. Sie raten deshalb, am 5. Juni ein Nein in die Urne zu legen.

Zu den Berufsleuten, die es treffen könnte, gehören etwa die Leiter von Poststellengebieten, sagt Ökonom Jaag. Die Medienstelle der Post fügt auf Nachfrage noch weitere mögliche Leid­tragende an: die Betreuer von Gross­kunden im Verkauf zum Beispiel, bestimmte Informatikspezialisten sowie qualifizierte Sachbearbeiter oder Teamleiter im Marketing- und Ökonomie­bereich.

Bei Swisscom und SBB würde «Pro Service public» ausschliesslich in den obersten drei Gehaltsklassen zu Kürzungen führen. Allerdings gehören bei der Swisscom immerhin 2931, bei den SBB 1339 Mitarbeiter zum Kreis der potenziell Betroffenen – also weit mehr als nur die inneren Zirkel um die Topmanagements. Insgesamt müssten bei einem Ja zur Initiative über 8000 Angestellte um ihre Löhne fürchten.

Für alle drei Betriebe gilt im Übrigen: In den tieferen Gehaltsstufen gibt es kein Sparpotenzial. Denn im Niedriglohnbereich zahlt die Verwaltung mehr. Die Lohnschere ist bei den bundesnahen Betrieben merklich weiter geöffnet als beim Bund selber.

Teure Lohnsenkungen

Fragt sich schliesslich: Könnten die Lohnsenkungen am Ende zu einem besseren Service public führen, weil mehr Geld für Investitionen zur Verfügung steht? Die Swiss-Economics-Studie kommt in diesem Punkt zu einem ernüchternden Fazit.

Bei der Swisscom verkleinerte sich die Lohnsumme demnach nur um 2,5 Prozent, bei der Post um 2 Prozent und bei den SBB gar um weniger als 1,5 Prozent. Vor allem aber würden die Lohnsenkungen selber wiederum administrativen Aufwand verursachen und damit womöglich zusätzliche Kosten generieren. Paradoxerweise könnte die Sparkur also teuer werden.