Islamismus

Neue Studie: So islamisch-radikal sind Schweizer Jugendliche

Die Jugendlichen in der Schweiz sympathisieren kaum mit dem radikalen Islam.

Islamismus bei Schülern

Die Jugendlichen in der Schweiz sympathisieren kaum mit dem radikalen Islam.

Junge Menschen in der Schweiz können wenig mit dem radikalen Islam anfangen. Das zeigt die erste umfassende Schweizer Studie zum Thema.

Sie verherrlichen den Dschihad und lehnen gemässigte Muslime ab. Sie finden, dass Frauen im Westen zu viele Freiheiten haben und akzeptieren Gewalt gegen «Ungläubige». So ticken junge Islamisten. Von ihnen gibt es in der Schweiz nicht viele.

Dies zeigen die vorläufigen Ergebnisse der Studie «Politischer Extremismus unter Jugendlichen in der Schweiz». Ein Prozent aller Befragten tendiert zu einem radikalen Islam. Bei den Muslimen ist dieser ein wenig beliebter: dort sind es 4,5 Prozent.

Zwei bis 3 Prozent aller Befragten haben während der letzten 12 Monate daran gedacht, hierzulande mit Terror für die Sache der Muslime zu kämpfen oder für den IS in den Krieg zu ziehen.

Ausgrenzung spielt eine Rolle

Bei der vom Schweizer Nationalfonds geförderten Untersuchung machten bislang 4600 Jugendlichen mit. In den kommenden Monaten sollen noch einmal so viele 17-Jährige interviewt werden. Die bisher Befragten stammen aus neun Kantonen, die einen hohen Anteil an Muslimen aufweisen.

«Wir haben angenommen, dass die Rate eher tief ist», sagt Co-Studienleiter Patrik Manzoni von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Islamische Radikalisierung unter Jugendlichen sei in der Schweiz nicht so virulent wie in anderen europäischen Ländern.

Ein Vergleich: In Österreich ergab vor zwei Jahren eine Studie der Stadt Wien, dass von den 400 befragten Jugendlichen jeder Vierte islamisch-radikal ist.
«Bei uns sind muslimische Jugendliche gut integriert», erklärt Manzoni den Unterschied zu anderen Ländern. Dazu trage das Bildungssystem bei. Dieses biete den Jugendlichen gute Chancen, in der Gesellschaft Fuss zu fassen.

Sobald alle Befragungen abgeschlossen sind, wollen die Studienleiter auswerten, warum es jeweils zu einer Radikalisierung kommt. «Aus der Forschung wissen wir, dass beispielsweise Ausgrenzung eine Rolle spielt», sagt Manzoni.

Kürzlich veröffentlichte Studien aus den USA und Deutschland zeigen: Diskriminierung, Mobbing und der Anspruch der Gesellschaft, dass sich Muslime anpassen müssen, können eine Radikalisierung begünstigen. Das Selbstwertgefühl der Betroffenen kann sinken. Durch die Hinwendung zu einer islamisch-extremistischen Gruppe kann dieses wieder aufgewertet werden.

Im Mai dieses Jahres gab der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) bekannt, dass der Bund zwischen 85 und 94 Islamisten auf dem Radar habe. Diese stellten ein erhöhtes Risiko für die Schweiz dar. Dabei handle es sich um überwiegend junge Menschen, die in den Agglomerationen lebten.

Autor

Rebecca Wyss

Rebecca Wyss

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