Wahlen 2015
Neue Stöckli-Vertreter aus der Innerschweiz gesucht

Am 18. Oktober werden National- und Ständerat gewählt. Die Inlandredaktion der «Nordwestschweiz» analysiert die Ausgangslagen in acht Schweizer Regionen. Heute: Die Zentralschweiz.

Rinaldo Tibolla
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Vom Pilatus aus sind alle Kantone der Innerschweiz rund um den Vierwaldstättersee zu sehen.Robert Bösch

Vom Pilatus aus sind alle Kantone der Innerschweiz rund um den Vierwaldstättersee zu sehen.Robert Bösch

Robert Boesch_www.robertboesch.c

In kaum einer anderen Schweizer Region ist die Ausgangslage für die Besetzung des Ständerats brisanter als in der Zentralschweiz. Fünf von elf zurücktretenden Mitgliedern der kleinen Kammer sind in der Innerschweiz zu wählen. Spannend dürfte es im Kanton Luzern werden. Den frei werdenden Sitz von FDP-Ständerat Georges Theiler wollen gleich fünf Politiker besetzen. Der Freisinn schickt den 30-jährigen Kantonsrat Damian Müller ins Rennen. Die anderen Parteien setzen auf ihre Nationalratsvertreter: die SP auf Prisca Birrer-Heimo, die SVP auf Yvette Estermann, die Grünen auf Louis Schelbert und die Grünliberalen auf Roland Fischer.

Ob sich der Jugend-Fokus der FDP lohnt, wird sich weisen; bislang wurden immer deutlich ältere Vertreter ins «chambre de réflexion» gewählt. Nur Neuenburg stellte im März 2010 mit dem 30-jährigen FDP-Vertreter Raphaël Comte ebenfalls einen Jungspund auf.

Blick in die Regionen

Am 18. Oktober werden National- und Ständerat gewählt. Die Inlandredaktion der «Nordwestschweiz» analysiert im August die Ausgangslagen in acht Schweizer Regionen und schildert, welche Themen derzeit wo zu reden geben. Gleichzeitig stellen wir jeweils einen hoffnungsvollen Kandidaten vor. (nch)

Im Kanton Zug muss die CVP einen Nachfolger für Peter Bieri finden, der nach 21 Jahren im Ständerat zurückgetreten ist. Die Partei hat aber mit Regierungsrat Peter Hegglin sehr gute Chancen, den Sitz verteidigen zu können. Im Kanton, der sich am meisten an der Neuausrichtung des nationalen Finanzausgleichs stört, dürfte es für Hegglin, der als Finanzdirektor seit 2003 die Geldpolitik des Kantons prägt, ein Leichtes sein, am meisten Leute hinter sich zu scharen. Kommt hinzu, dass er seit 2013 Präsident der Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren ist. Gegen ihn antreten werden Manuel Brandenberg, SVP-Kantonsrat und Rechtsanwalt, sowie Barbara Gysel, ebenfalls Kantonsrätin und Parteipräsidentin der SP Kanton Zug.

CVP will den Sitz für Schwyz zurück

In Schwyz holte sich die SVP vor vier Jahren beide Ständeratssitze mit Alex Kuprecht und Peter Föhn. CVP-Ständerat Bruno Frick wurde nach 20 Jahren in der kleinen Kammer abgewählt. Die CVP will diese «Schmach» nicht auf sich sitzen lassen und hat deshalb gleich zwei Kandidaten nominiert, um mindestens einen Sitz zurückzuerobern: Marco Casanova, Wollerauer Unternehmer und Gemeinderat, Sohn des ehemaligen Bundesratssprechers Achille Casanova, und Bruno Beeler, Kantonsrat und Rechtsanwalt aus Goldau.

Daneben versucht auch eine Parteilose, die SVP-Dominanz im Stöckli zu knacken. Das «überparteiliche Komitee für mehr Schwyz in Bern» portiert Nathalie Henseler, Unternehmerin und Kommunikations- und Politberaterin. Sie wäre die erste Schwyzer Frau im Ständerat. Die Juso haben ihren Präsidenten Elias Studer ebenfalls nominiert.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen dürfte es auch bei der Ständeratssitzvergabe in Nidwalden geben. Auf den von Paul Niederberger (CVP) freigemachten Sitz aspirieren Parteikollegin Therese Rotzer-Mathyrer, Juristin, Parteipräsidentin und Landrätin, sowie FDP-Regierungsrat Hans Wicki, der als Baudirektor amtet. Im Kanton Obwalden tritt Hans Hess (FDP) – nach 17 Jahren im Stöckli – zurück. Dies eröffnet der CVP – als stärkster Kraft im Kanton – die Chance, in die kleine Kammer zu gelangen. Die Partei schickt den Steuerexperten und Wirtschaftsprüfer Erich Ettlin ins Rennen. Die FDP ihrerseits nominierte den Gemeindepräsidenten von Kerns, André Windlin. Die SVP will erst am 21. August bekannt geben, wen sie für den Ständeratssitz portieren wird.

Auch in Uri gilt es, eine neue Kraft fürs Stöckli zu wählen. Der grünliberale Ständerat Markus Stadler tritt nicht mehr an. Sehr gute Chancen auf den Urner Sitz werden FDP-Regierungsrat Josef Dittli eingeräumt.

Aufbäumen linker Kräfte

Bei den Nationalratswahlen kann von einem Aufbäumen linker Kräfte gegen den Rechtsrutsch in Zentralschweizer Kantonen gesprochen werden. Nachdem die SP im Mai nach 56-jähriger Beteiligung aus der Regierung geflogen ist, versucht sie über die Ständeratskandidatur von Birrer-Heimo mehr Gewicht zu erhalten. Die Juso verstehen ihre volle Nationalrats-Kandidatenliste als eine «Kampfansage gegen die Spar-, Abbau- und Entsolidarisierungspolitik der bürgerlichen Kräfte».

In Zug hat die Linke mit Andi Lustenberger von den Grünen und Hubert Schuler von der SP zum Angriff auf die rechtsbürgerliche Bastion in Bern – mit je einem CVP-, FDP- und SVP-Vertreter – geblasen.