In Halle P auf dem Waffenplatz Thun konnte der VBS-Funktionär am Dienstag auf Anfrage nicht ohne Stolz vermelden: «Wir haben es getestet. Sie passen hinein». Mit «sie» waren die weiblichen Armeeangehörigen gemeint. Das «hinein» bezog sich auf die neue Kampfbekleidung der Schweizer Armee.

Die Montur ist demnach zwar auf Männer ausgelegt, denn diese stellen immerhin noch über 99 Prozent der Truppe. Aber in das «Modulare Bekleidungs- und Ausrüstungssystem» können sich also auch weibliche Armeeangehörige zwängen. Das Teil, kurz MBAS genannt und in der Vollpackung bis zu 27 Kilogramm schwer, soll ab 2022 die Kampfbekleidung 90/06 ersetzen.

Das MBAS ist Teil der Armeebotschaft 2018, die das Verteidigungsdepartement (VBS) am Dienstag in Thun den Medien vorführte. Insgesamt gut 2 Milliarden Franken will VBS-Chef Guy Parmelin (SVP) dafür ausgeben.

Ausnahme Unterwäsche

Total unisex ist das MBAS aber dann doch nicht. Ein Teil der Ausrüstung ist auf den weiblichen Teil der Truppe abgestimmt. Frauen erhalten eine eigene Version der Unterwäsche, wie VBS-Vertreter erläuterten. Die Unterwäsche besteht wie bei den Männern in je einer Ausführung für den Sommer und den Winter. Letztere mit langärmligem Unterhemd.

Das neue Kampf-Outfit der Schweizer Armee. Der Soldat und die Soldatin erhalten künftig eine Unmenge an Material ausgehändigt. Den «Kämpfer» in einer Sommer- und Winterversion, Wind-, Regen- und Kälteschutz. Dazu Tragsysteme mit verschiedenen Tragvorrichtungen, unterschiedlich grossen Rucksäcken und einem Satz Taschen. Dann den kugelsicheren Körperschutz, der je nach Einsatzart unterschied- lich ausgestaltet werden kann. Dass der Körperschutz alleine 200 Millionen kostet, brachte am Dienstag die Sicherheitskommission (SIK) des Ständerats auf den Plan: Sie will vom Bundesrat nähere Erklärungen dazu haben.

Zum MBAS gehört auch ein gut 10 Millionen teures Trinksystem, das aus «Wasserbeutel, Trinkschläuchen und verschiedenen Adaptern für PET-Flaschen» besteht. «Die Shisha», bemerkte Rolf Siegenthaler, Planungschef der Armee, scherzhaft.

«Kämpfer» immer bleicher

Die Kampfanzüge erhalten ein neues Tarnmuster; sie werden immer bleicher. Vom weiland berühmten «Vier- fruchtpyjama» in den Farben Beige, Rot, Grün, Schwarz ist nicht mehr viel übrig: Das Rot fiel schon vor Jahren weg, und in der neusten Version fehlt auch das Schwarz. Grund laut dem Berufssoldaten, der die Kleidung vorführte: Schwarz machte vor allem zu Tarnung im Wald Sinn, aber der moderne Einsatz findet kaum mehr dort statt, sondern eher in urbaner Umgebung. Das neue Design nennt sich Multiumfeldtarnmuster 16.

Das MBAS wurde von Guy Parmelins Mannen selbst erfunden, jedenfalls sind sie geistiges Eigentum des VBS-Rüstungsarms Armasuisse. Stolze 377 Millionen Franken soll die Modulare Bekleidung und Ausrüstung kosten, gemäss Armeeangaben etwa «3000 Franken pro Person». Beschafft werden 115'000 MBAS-Sets. Genug für die künftig noch 100'000 Mann (und Frau) starke Truppe sowie die Umlaufreserve.

WTO-Ausschreibung folgt

Die Aufträge zur Fabrikation des MBAS werden WTO-konform ausgeschrieben. Der Grossteil davon dürfte daher dereinst aus dem Ausland zugeliefert werden, denn in der Schweiz gibt es laut den VBS-Experten keine Industrie mehr, welche die meiste Ware in derart grossen Stückzahlen konkurrenzfähig produzieren kann.

Die Ausrüstung eines Schweizer Rekruten: