Der Satz hat Schweizer Luftwaffen-Geschichte geschrieben. «Man darf nicht so tun, als ob wir einen Ferrari brauchen und uns einen Ferrari leisten können», sagte der frühere Armeechef André Blattmann, nachdem der Bundesrat 2011 mit dem Kampfjet Gripen die günstigste Lösung zum Kauf gewählt hatte. Damit zerschlug sich der Traum von Luftwaffe-nahen Kreisen, die auf ein moderneres Flugzeug gehofft hatten. Doch der Bundesrat scheiterte mit seiner Strategie: Das Stimmvolk lehnte den Kauf des Gripen 2014 ab.

Mittlerweile hat die Landesregierung den nächsten Versuch gestartet, einen neuen Kampfjet zu beschaffen. Und die Kritiker des Gripen sehen ihre Chance auf einen Kampfjet der Spitzenklasse wieder intakt: Ihre Hoffnung ruht dieses Mal auf dem amerikanischen F-35 des Rüstungskonzerns Lockheed Martin. Von den Flugzeugtypen, welche die Armee zwischen April und Juni evaluiert, ist es der einzige, der zur fünften Generation gehört. Die USA haben das Hightech-Tarnkappenflugzeug zusammen mit befreundeten Staaten entwickelt. Die Offerte von Hersteller Lockheed Martin ging Ende Januar pünktlich in Bern ein. Aber angesichts der geringen Bestellmenge von etwa 30 Flugzeugen stellt sich die Frage, wie gross das Interesse der Amerikaner am Geschäft mit der Schweiz wirklich ist.

Unter dem Stichwort «Unübertroffene Fähigkeiten zur Sicherung des Schweizer Luftraumes» pries Lockheed Martin seinen F-35 an. Das Flugzeug könne seine Daten direkt an die «Kommandanten auf dem Meer» übermitteln.

Unter dem Stichwort «Unübertroffene Fähigkeiten zur Sicherung des Schweizer Luftraumes» pries Lockheed Martin seinen F-35 an. Das Flugzeug könne seine Daten direkt an die «Kommandanten auf dem Meer» übermitteln.

«Kommandanten auf dem Meer»

Zweifel sind in den vergangenen Tagen aufgekommen, nachdem auf der Website von Lockheed Martin zur Schweizer F-35-Offerte ein grober Fehler auftauchte: Der Rüstungskonzern mit einem jährlichen Umsatz von gut 50 Milliarden US-Dollar pries darin die Fähigkeit des Fliegers an, von seinen Sensoren erhobene Daten sofort an die «Kommandanten auf dem Meer» zu übermitteln (siehe Ausriss oben). Dass die Eidgenossenschaft ein Binnenstaat ohne Meeresanschluss und Flugzeugträger ist, schien den Autoren nicht bewusst zu sein. Auch das Pflichtenheft der Luftwaffe dürften sie kaum gründlich gelesen haben. Das Verteidigungsdepartement jedenfalls teilt mit: «Die Fähigkeit zum zeitverzugslosen Datenaustausch mit Besatzungen von Schiffen ist für das Anforderungsprofil der Luftwaffe irrelevant.»

Lockheed Martin gibt sich anfänglich noch unbeirrt. Eine Sprecherin preist den F-35 als Mehrzweck-Kampfflugzeug an, das «in einer Vielzahl von Szenarien» eingesetzt werden könne: «Zu Hause und in kooperativen Einsätzen mit Alliierten über dem Land, dem Meer und in der Luft». Dass für die Schweiz als neutrales Land «kooperative Einsätze mit Alliierten» nicht im Vordergrund stehen, scheint sie nicht zu wissen. Eine Woche später hat Lockheed Martin seine Meinung dann geändert. Auf der F-35-Website ist die Schweiz nicht mehr zu finden. Stattdessen erscheint eine Fehlermeldung. Die Sprecherin bestätigt, dass die Seite nach der Anfrage der Redaktion CH Media «temporär entfernt» worden sei. Die Dokumentation werde überarbeitet, um klarer darzulegen, warum der F-35 das richtige Flugzeug für die Schweiz sei.

Fehlt der F-35 an Flugshow?

Die fehlerhafte Website ist nicht der einzige Grund, weshalb Luftwaffen-Kenner am Engagement von Lockheed Martin zweifeln. Zu diskutieren gibt auch die ausstehende Teilnahmebestätigung der Amerikaner an der Flugshow «Zigermeet» im Kanton Glarus diesen August: Branchenkenner und Mitbewerber sehen darin ein weiteres Indiz, dass es Lockheed möglicherweise nicht ganz so ernst meint. Die Hersteller der drei europäischen Jets werden alle mit je zwei Maschinen vor Ort sein. Der OK-Präsident der Flugshow sagt, ein Auftritt des F-35 sei möglich, die Gespräche seien am Laufen.

SVP-Sicherheitspolitiker und Pilot Thomas Hurter gibt sich jedenfalls optimistisch. «Ein Flugevent in Glarus alleine ist nicht matchentscheidend.» Die Amerikaner seien interessiert an der Schweiz. «Auch wenn wir keine grosse Stückzahl kaufen. Unsere Evaluationen gelten als sehr gründlich. Wer bei uns gewinnt, verbessert seine Reputation.»

Anders sieht dies die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee. Der F-35 sei «ein Superhochleistungsjet», der die Bedürfnisse der Eidgenossenschaft verfehle, sagt Sekretär Lewin Lempert. «Ein ehrliches Interesse, mit der Schweiz ein Rüstungsgeschäft zu machen, ist nicht vorhanden.»