Neue Häuser auf der grünen Wiese

Grünzone Auf der «Stolzwies» sind Neubauten geplant, das unter kommunalem Schutz stehende Bauernhaus (r.) soll saniert werden. (Bild: dvk)

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Grünzone Auf der «Stolzwies» sind Neubauten geplant, das unter kommunalem Schutz stehende Bauernhaus (r.) soll saniert werden. (Bild: dvk)

Der Gemeinderat sieht in der geplanten Umzonung «Stolzwies» eine Chance für die Zentrumsentwicklung. Diese Ansicht wird nicht von allen geteilt. Die Unterengstringer Gemeindeversammlung vom 10. Juni wird entscheiden.

Daniel von Känel

Das Bauernhaus in der «Stolzwies» ist in einem schlechten Zustand. Es wurde 1720 erbaut, steht unter kommunalem Denkmalschutz und steht auf einem Grundstück, das 1983 zur Freihaltezone erklärt wurde. Sprich: Es darf nichts gebaut werden. Der heutige Eigentümer, schreibt der Gemeinderat in der Weisung zur Gemeindeversammlung, habe die Parzelle mit der Absicht erworben, das Haus zu sanieren und gleichzeitig den Rest der Parzelle durch den Souverän in die Bauzone überführen zu lassen. Geplant sind zwei Mehrfamilienhäuser.

Gestaltungsplan erstellt

Der Gemeinderat sehe in der Umzonung eine Chance für das Dorfbild und die Zentrumsbildung von Unterengstringen. Der Stimmbürger dürfe für die Umzonung des Grundstücks eine Gegenleistung erwarten - in der Form einer aus denkmalpflegerischer Sicht einwandfrei renovierte Liegenschaft sowie einer Aufwertung des Ortsbildes. Das Grundstück präsentiere sich nördlich der Liegenschaft als «nichtssagende Grünfläche». Auffällig seien einzig die hochstämmigen Obstbäume. Diese gelte es, so weit möglich, zu schützen und in das Überbauungskonzept einzubeziehen.

Für das Gebiet wurde ein Gestaltungsplan erstellt, der spezielle Bauvorschriften enthält. So soll sichergestellt werden, dass die Bauten eine «Scharnierfunktion» zwischen den herkömmlichen Geschosswohnungsbauten und der schützenwerten Liegenschaft übernehmen. Zudem enthält der Plan eine Bestimmung zur Ausführung der Bautätigkeit: Neubauten dürfen erst erstellt werden, wenn die alte Liegenschaft und ihre Nebenbauten saniert sind oder parallel zu den Neubauten saniert werden. Zudem muss die Renovation gemäss dem Projekt erfolgen, das in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege und der kommunalen Baubehörde ausgearbeitet wurde. Für die weitere Projektierung ist die Natur- und Heimatschutzkommission beizuziehen.

Laut Gemeindepräsident Peter Trombik ist es ein guter Weg, den man, nachdem sich die Gemeinde, der Investor und die Denkmalpflege gefunden haben, einschlagen will. Einziger Wehrmutstropfen sei, dass ein Teil der Freihaltezone aufgeben werde. Das Grundstück werde aber nicht genutzt und von vielen auch gar nicht wahrgenommen. Das alte Bauernhaus würde zudem baufällig werden. «Es hat niemand etwas davon, wenn es zerfällt», sagt Trombik.

«Genügend eingezontes Bauland»

Gegen die Einzonung regt sich allerdings Widerstand. Eine Gruppe von Einwohnerinnen und Einwohnern sieht in der Umzonung keinen vernünftigen Grund. Die Freihaltezone, erklärt Rolf Fehr, sei festgesetzt und bei der Zonenplanrevision 1993 bestätigt worden. «Wir teilen die Ansicht nicht, dass es sich um eine nichtssagende Grünfläche handelt», sagt er. Es sei noch das letzte Gebiet, das in der Kernzone unverbaubar sei. Diese noch vorhandene Grünfläche mit seinen Baumgruppen werde auch geschätzt. Sie befürchteten auch, dass ein Präjudiz geschaffen werde - nämlich, dass man bauen könne, auch wenn das Gebiet einmal geschützt worden sei.

Es habe noch genügend Bauland in der Gemeinde. Von der Umzonung massiv profitieren würde lediglich der jetzige Landbesitzer. Und: Der langjährige Besitzer der Liegenschaft, der mittlerweilen verstorbene Landwirt Heinrich Gnepf, habe damals den Wunsch geäussert, dass das Grundstück nicht verbaut wird. Diesem Wunsch nicht nachzukommen, sei respektlos. Eine schöne Wiese mit Baumgarten nahe der Kernzone gegen zwei Mehrfamilienhäuser einzutauschen, dies entspreche nicht dem öffentlichen Interesse. Sie seien deshalb gegen diese Vorlage.

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