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Neue Fraktionschefs: Lateiner setzen sich durch bei SP und FDP

Mit Roger Nordmann und Ignazio Cassis sind neu zwei Vertreter der lateinischen Schweiz an der Spitze der Fraktion von SP und FDP

Jonas Schmid
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Der neue FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis (l) und der neue SP-Fraktionschef Roger Nordmann (r).jpg

Der neue FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis (l) und der neue SP-Fraktionschef Roger Nordmann (r).jpg

Keystone

Der Nachfolger von Andi Tschümperlin heisst Roger Nordmann. Der 42-jährige Waadtländer Nationalrat setzte sich überraschend gegen seine Konkurrenten Barbara Gysi (SG) und Beat Jans (BS) durch. Im ersten Wahlgang erhielten die drei Kandidierenden beinahe gleich viele Stimmen, wie SP-Präsident Christian Levrat gestern Abend vor den Medien sagte. Im zweiten Wahlgang fiel Jans dann aus dem Rennen.

Er war im Vorfeld als Favorit gehandelt worden. Im dritten Wahlgang schliesslich entschied sich die Fraktion deutlich für Nordmann. Der Sieger wurde laut Levrat mit rund zwei Dritteln der Stimmen gewählt.

Auf die Frage, ob zwei Romands am Steuer des SP-Schiffs nicht ein Nachteil für die Partei seien, sagte Nordmann: Er mache nationale Politik. Und er glaube auch, «einigermassen Verständnis für die Deutschschweizer Seele» mitzubringen. SP-Präsident Christian Levrat hatte sich im Vorfeld der Wahl dahin gehend geäussert, dass er sich einen Deutschschweizer als Fraktionschef wünscht. Seiner Argumentation sind die Genossen gestern nicht gefolgt. Auch das Geschlecht war nicht matchentscheidend. Entscheidend war, dass sich Nordmann den Ruf eines hervorragenden Taktikers erarbeitet hat. Er schmiedet geschickt Allianzen, auch ausserhalb seiner Partei. Nordmann, der seit elf Jahren im Nationalrat politisiert, ist unter anderem Mitglied der Kommissionen für Umwelt, Raumplanung und Energie (Urek).

Cassis deutlich gewählt

Der neue SP-Fraktionschef sieht nach dem Ausgang der Nationalratswahlen grosse Herausforderungen auf die Linke zukommen. Er sprach von einer «Welle des Staatsabbaus», die bereits spürbar sei. Die SP müsse den Schaden begrenzen, sagte Nordmann. Zu den wichtigsten Dossiers der Legislatur gehören für ihn die Energiestrategie, die AHV-Reform und die Unternehmenssteuerreform III.

Bei der FDP setzte sich gestern erwartungsgemäss die «group latin» durch. Die FDP-Fraktionsmitglieder haben den Tessiner Ingnazio Cassis seinem Berner Ratskollegen Christian Wasserfallen vorgezogen. Die Fraktion entschied sich mit 38 zu 54 Stimmen für Cassis, wie die abtretende Fraktionschefin Gabi Huber sagte.

Nach ihrem Wahlerfolg hatten die Lateiner Auftrieb. Sie wünschten sich neben dem Aargauer Philipp Müller einen Fraktionschef aus ihren Reihen. Die FDP-Vertreter aus dem Welschland werden als weniger rechts wahrgenommen als ihre Deutschschweizer Kollegen. Wasserfallen hingegen politisiert wie Müller am rechten Parteiflügel. Cassis dagegen gilt als das soziale Gewissen der Partei.

Cassis ist seit Juni 2007 Nationalrat und seit 2011 Vizepräsident der Fraktion. Dort ist der ehemalige Tessiner Kantonsarzt zurückhaltend und mit wohlüberlegten Voten aufgetreten. Der 54-jährige Mediziner sagte zwar, er wolle die Linie seiner Vorgängerin Gabi Huber weiterführen. Einpeitscherin Huber, die sich den Ruf einer «eisernen Lady» erarbeitet hat, brachte ihre Fraktion jeweils autoritär auf Linie. Das ist bei Cassis schwer vorstellbar. Er selber bezeichnete gestern seinen Führungsstil als «hart, aber fair».

Das dürfte ihm im spannungsreichen Verhältnis zur SVP von Nutzen sein. Im Nationalrat haben FDP und SVP in der nächsten Legislatur zwar die Mehrheit, aber nur, wenn sie geschlossen auftreten. Jede abweichende Stimme kann dieses Verhältnis zum Kippen bringen, was die FDP gehörig unter Druck setzen wird. Es gehört nun zu Cassis’ Aufgaben, nötigenfalls Distanz zur grossen Partnerin im rechten Block zu schaffen. Er macht sich jedoch keine Sorgen, dass seine Partei in dieser Konstellation an Profil verlieren könnte. Die FDP sei eine autonome Partei, sagte Cassis nach der Wahl.

Bundeskanzleramt: Thurnherr kann mit den Stimmen seiner CVP-Fraktion rechnen

Die CVP-Fraktion unterstützt die Kandidatur von Uvek-Generalsekretär Walter Thurnherr als Bundeskanzler einstimmig. Filippo Lombardi (TI) wurde als Fraktionspräsident bestätigt. Dominique de Buman (FR) wird dem Nationalrat als zweiter Vizepräsident vorgeschlagen. Dies gab die Parteispitze gestern Freitagabend in Bern bekannt. Alle Entscheide seien ohne Gegenstimme gefallen, sagte Lombardi. Wählt die grosse Kammer am 30. November, dem ersten Tag der Wintersession, de Buman als zweiten Vizepräsidenten und geht alles seinen gewohnten Gang, wird der Freiburger in zwei Jahren das Amt als Nationalratspräsident antreten können.

Noch vor den eidgenössischen Wahlen hatte die CVP ihren Kandidaten für das Bundeskanzleramt vorgestellt: Walter Thurnherr soll Nachfolger der abtretenden CVP-Frau Corina Casanova werden. Diese Kandidatur wird von der Fraktion vorbehaltlos unterstützt. Bisher hat keine andere Partei Ambitionen für das Amt angemeldet. In der bald beginnenden Legislatur werden die beiden EVP-Nationalrätinnen Marianne Streiff-Feller (BE) und Maja Ingold (ZH) weiterhin in der CVP-Fraktion Unterschlupf finden. Der Name CVP-EVP-Fraktion wird aber verschwinden. «Wir treten künftig mit dem Namen CVP-Fraktion auf», sagte Lombardi. (sda)